Entstehung der 15M-Bewegung in Spanien – Mythos und Realität


15M

Die spanische Bewegung 15M, der Name lehnt sich an das erste Datum der großen Proteste letztes Jahr am 15. Mai, an, wirkte für viele Europäer wie ein spontaner Ausbruch von Empörung und Wut über die internationale Krisenpolitik und die Spardiktate. Menschen gingen zu tausenden auf die Straßen, brachten Zelte zu Plätzen und begannen in Spanien mit der Revolution, einem Umbruch des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems.

 

Die Welle schwappte nach USA und dann zurück nach Europa, so dass auch in Deutschland am 15. Oktober 2011 viele Menschen auf die Straße gingen; alleine in Düsseldorf ca. 4000. Doch anders als in Spanien, wo die Bewegung innerhalb weniger Monate gigantische Ausmaße annahm, ebbte der Protest in Deutschland schnell wieder ab. Das lag nicht nur daran, dass die Umstände hier ganz anders waren, als in Spanien und Griechenland, sondern vor allem daran, dass die Occupy-Bewegung in Deutschland sehr spontan entstand und kein Fundament aufwies, auf dem man alles andere hätte aufbauen können.

Aufgrund intensiver persönlicher Kontakte zu den Organisatoren der 15M-Bewegung wissen wir nun, dass der Mythos 15M eine andere Entstehung hatte, als viele von uns in Deutschland geglaubt haben.

Circa acht Monate vor dem 15.Mai 2011 trafen sich verschiedene Gruppen, die in der autonomen Szene aktiv waren, in Madrid im „Casablanca“, einem besetzten Haus und autonomen Zentrum, um auszuloten, was man gegen die Kürzungspolitik tun könnte. Sie stellten fest, dass sie in ihren eigenen Strukturen festhingen und es ihnen nicht gelang, größer und damit gefährlicher für den Kapitalismus zu werden. Darauf folgten zähe Verhandlungen mit vielen anderen Gruppierungen, wie z.B. Attac Espagna. Sie erarbeiteten gemeinsam mit vielen linken Bewegungen und Organisationen, Parteien ausgenommen, ein Fundament, auf welchem sie für den 15. Mai mobilisierten. Der Unterschied zwischen diesem Bündnis und früheren war, sie verzichteten alle auf ihre Labels, schrieben keine Unterstützerliste. Dadurch konnte sich auch niemand distanzieren. Persönliche Befindlichkeiten, oft basierend auf Missverständnissen oder perönlichen Zwistigkeiten, gegenüber anderen Gruppen wurden ausgeschaltet. Man konzentrierte sich auf die Inhalte und Ziele, anstatt auf Namen und Logos. Für den Beginn verfasste man ein Manifest ( https://www.facebook.com/notes/vik-toria/das-spanische-manifest/501113369917703 ), in dem sich jeder Spanier wiederfinden konnte.Als die Proteste begannen wurden schnell neue, differenziertere Papiere ausgearbeitet, wobei die Spanier sich konsequent am Asambleaprinzip orientierten, auch aus den 80er Jahren als Rätesystem bekannt. Für jeden Stadtteil und jedes Thema gibts Asambleas. Von diesen Asambleas werden immer wieder andere Vertreter in größere, übergreifende Asambleas geschickt. So entsteht ein transparenter Informationsaustausch und Entscheidungen können basisdemokratisch gefällt werden.

Einige Aktivisten aus ganz Deutschland wollen über den Winter ein ähnliches Konzept in Deutschland ausarbeiten um im Frühjahr 2013 mit neuen, geballten Kräften wieder zu kommen. Für uns ist klar, der Kapitalismus ist ein mächtiger Gegner, den man nur mit vereinten Kräften besiegen kann.

Wer Interesse an einem solchen Projekt hat, wem die Ziele und Inhalte wichtiger sind, als sein Label, kann sich jederzeit bei mir melden. 🙂 Occupy ist nach einem Jahr in Deutschland längst zu einem Label geworden und kann für uns nur eine Gruppe von vielen beteiligten sein.

Es gibt bereits Ideen für Aktionsformen, die sich vor allem auf die Parlamente und den Bundestag konzentrieren, bei denen es uns zu Gute kommt, dass wir nächstes Jahr Bundestagswahlen haben. Unter dem Motto: „Ihr repräsentiert uns nicht!“ können sich eigentlich alle Protestbewegungen in Deutschland wohlfühlen.

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