3. Livesendung von Viktoria – 19.01.2013 – Anarchie, was ist das eigentlich?


Hier findet ihr die Live-Sendung auf YouTube.

1. Zusammenfassung der Geschehnisse der letzten Woche, politisch, wirtschaftlich, sozial, bezogen auf Deutschland, Europa und die Welt.

Deutschland:

– Magdeburg: Über 100 verletzte Gegendemonstranten, die lokale Demo, für den heutigen Tag geplant, wurde von den Nazis abgesagt. Magdeburg hat es zwar nicht geschafft, die Demo der Nazis am 12.01.2013 komplett zu verhindern, allerdings konnten die Nazis nur am Rande der Stadt demonstrieren. Die Innenstadt hielten die Antifaschisten, trotz massiver Polizeirepressionen unter Kontrolle. Die Polizei hatte über Stunden die Situation nicht unter Kontrolle. Der Strom für die Straßenbahnen wurde ausgeschaltet.

Quelle:

http://enough14.org/2013/01/15/anifa-mdnazifrei-magdeburg-nach-dem-naziaufmarsch-uber-100-verletzte-gegendemonstranten-polizei-unter-druck-aufruf-zum-19-01-13/

http://www.jungewelt.de/2013/01-16/003.php

– Dresden: Uni-Gebäude besetzt. Die letzten Freiräume des Freiraumprojektes KOK16 der Studenten in Dresden sollten geräumt werden. Die Studierenden reagierten prompt und besetzten das Gebäude. Nun verhandelt die Unileitung und es schaut danach aus, als würde man dem Freiraumprojekt alternative Räumlichkeiten anbieten. Interessant, dass das Besetzen von Gebäuden in den letzten Monaten wieder deutlich zugenommen hat. Es scheint als würde eine neue Generation an Hausbesetzern heranwachsen. Hierbei gilt es zu beachten, dass es momentan noch symbolische Besetzungen sind, um politische Signale zu senden. Interessant dürfte es werden, wenn die Wohnungsnot sich so weit entwickelt, dass Besetzungen für Menschen überlebensnotwendig werden.

Quelle:

http://de.indymedia.org/2013/01/340415.shtml

– Berlin: Zwangsräumung am Kottbusser Tor erfolgreich verhindert.

Am Montag, den 14.01.2013, wurde bekannt, dass die GSW Immobilien AG die Zwangsräumung einer fünfköpfigen Familie am Kottbusser Tor zurückgenommen hat. Gemeinsames Handeln des Bündnisses „Zwangsräumung verhindern“ und der Mieter_inneninitative „Kotti&Co.“ hatte den Druck auf GSW und Politik so erhöht, dass diese eine positive Lösung für die Familie finden mussten.

Lösungen im Einzelfall können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin viele Mieter_innen von Verdrängung bedroht sind. Sie zeigen aber, dass Widerstand möglich ist und durch solidarisches und kollektives Handeln erfolgreich sein kann.

Quelle:

http://zwangsraeumungverhindern.blogsport.de/2013/01/16/erfolgreiche-verhinderung-einer-zwangsraeumung-am-kottbusser-tor/

– Göttingen: 16.01.2013 ehemaliges Wohnheim der Studenten nach einer Nachttanzdemo besetzt. Polizei tat nichts gegen die Räumung. Das Wohnheim steht seit Februar 2010 leer. Offiziell wurde damals verkündet, man wolle das Gebäude sanieren. Bis heute ist nichts passiert. Hinzu kommt, dass das Gebäude barrierefrei gebaut wurde. Von solchen Gebäuden gibt es, gerade für Studenten, in Göttingen nicht allzu viele. Trotzdem wurde seit zwei Jahren nichts dafür getan, das Gebäude den Studenten wieder zur Verfügung zu stellen. Nun hat die Bewegung für Wohnraum reagiert und das Gebäude besetzt.

Quelle:

http://monsters.blogsport.de/2013/01/17/nach-demo-wohnheim-wiedereroeffnet/

– Dortmund: 19.01.2013 Heute fand in Dortmund eine Demo zur Erhaltung des Westfälischen Rundfunks statt. Claus-Dieter Stille schickte mir eine Nachricht und berichtete, dass über 1000 Leute daran teilgenommen haben, unter anderem mehrere Abgeordnete, auch zwei Landesminister aus Dortmund. Hintergrund: „Die WAZ-Gruppe will die Redaktion der “Westfälische Rundschau” in Dortmund schließen. Entsetzen: 120 Stellen sind von der “Sanierung” betroffen. Künftig sollen die Mantelthemen weiter aus Essen kommen. Der Dortmunder Lokalteil wird künftig von den Ruhr Nachrichten, einem Konkurrenten kommen! Leser und Abonennten sind schon jetzt erbost. Einige wollen ihr Abo kündigen. Können aber nicht. Als Grund für die “Sanierung” mit eiskalter Hand wurden anhaltende Verluste genannt.“

Quelle: http://www.readers-edition.de/2013/01/18/westfalische-rundschau-in-dortmund-waidwund-geschossen-zeitung-ohne-redaktion/

International:

– Widerstand gegen zunehmende Marktdominanz in Schwellenländern. Bolivien gegen Mc Donald’s und Coca Cola. Mexiko bremst Nestlé-Monopol. Argentinien schmeißt Monsanto raus. Schon seit einigen Monaten ist eine zunehmende Selbstständigkeit der sogenannten Schwellenländer zu beobachten. Sie wehren sich gegen die Marktmonopole großer, internationaler Konzerne. Interessant hieran, dass auch die Regierungen der Länder sich gegen die Konzerne stellen und vor ihre Bevölkerung. Auch wenn in diesen Ländern längst nicht alles eitel Sonnenschein ist, was den Kampf gegen Großkonzerne angeht, könnte sich unsere Regierung durchaus eine Scheibe davon abschneiden.

Quelle:

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151367676969310&set=a.166144344309.116548.120231014309&type=1&theater

http://amerika21.de/nachrichten/2012/09/60746/protest-monsanto

http://amerika21.de/nachrichten/2012/12/71747/land-fuer-bauern

http://amerika21.de/meldung/2012/01/43048/bolibien-ohne-mcdonalds

http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/wirtschaft/wirtschaft-sda/Mexiko-befuerchtet-Nestl%25E9-Monopol;art46442,212727

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/mord-in-kolumbien-strafanzeige-gegen-nestle-topmanagement/6294832.html

– Griechenland: In Griechenland macht die Polizei ihre Androhung 40 besetzte Häuser zu räumen wahr. Sie hat allerdings den Widerstand der Anarchisten und Hausbesetzer unterschätzt. Anders als in Nordeuropa hat die Hausbesetzer-Szene eine 40jährige Kultur und Geschichte. Ging man in Deutschland schon in den Neunzigern massiv gegen Hausbesetzungen vor und kriminalisierte die gesamte Bewegung, ist es in Griechenland gang und gäbe leerstehende Häuser zu besetzen und vor allem instand zu halten. Hierdurch entwickelte sich eine starke Solidarität mit den Hausbesetzern. Die Bevölkerung hat längst realisiert, dass die Szene keineswegs linksradikale Krawallmacher sind, sondern vielmehr das Stadtbild verschönern und in den Vierteln für Ordnung, aber auch für Kultur sorgen. Nun scheint sich ein Kampf zwischen Staat und Bevölkerung zu entwickeln, um die Freiräume, welche von vielen Griechen als kulturelle Zentren genutzt werden. Die einzige Frage hierbei: Wer hat den längeren Atem. Erste Anzeichen für die Kraft der griechischen Bevölkerung. Trotz zahlreicher Räumungen und massiver staatlicher Repression gelingt es den Griechen momentan noch Häuser immer wieder zu besetzen. Außerdem radikalisiert sich die Bewegung zunehmends. So besetzen immer mehr Griechen auch öffentliche Gebäude und sogar Fernsehsender, während Live-Sendungen, um auf ihre Sitatuation aufmerksam zu machen.

Interessant war vor allem eine Soli-Aktion in Berlin, die für Aufsehen sorgte. Die Demonstranten gingen nicht bloß vor die griechische Botschaft, sondern hinein. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bewegung sich auch international zu radikalisieren scheint.

In Griechenland haben die Anti-Faschisten den heutigen Tag (19.01.2013) zum Tag des Kampfes gegen den Faschismus erklärt. Überall in Griechenland finden heute antifaschistische Demos statt.

Quelle:

http://youtu.be/lpMrlvw9ZpY

http://enough14.org/2013/01/15/berlin-lk37-villa_amalias-skaramanga-solidaritatsaktion-in-der-griechischen-botschaft/

http://enough14.org/2013/01/15/greece-lk37-lelas-karagianni-squat-geraumt-und-wieder-besetzt/

http://enough14.org/2013/01/08/antifa-aufruf-aus-griechenland-zum-19-01-%CE%B7-%CE%B1%CF%81%CF%87%CE%B9%CE%BA%CE%AE-%CE%B4%CE%B9%CE%B1%CE%BA%CE%AE%CF%81%CF%85%CE%BE%CE%B7-%CF%83%CF%84%CE%B1-%CE%B3%CE%B5%CF%81%CE%BC%CE%B1%CE%BD/

2. Bekanntgabe von anstehenden Terminen, Demos, Aktionen, Vorführungen, usw.

– 02.02.2013 – AZ Köln Kalk – Nachttanzdemo gegen die Räumung des AZs in Köln 16:00 Uhr, Köln Hbf (http://youtu.be/g7B3SOHMQ2w)

– 16.02.2013 – Demo gegen den europäischen Polizeikongress in Berlin – 20:00 Uhr, Mariannenplatz, Berlin Kreuzberg (http://enough14.org/2013/01/16/16f-berlin-aufruf-demonstration-gegen-internationalen-polizeikongress/)

– 13.02.2013 – Nazi-Aufmarsch stoppen in Dresden, nähere Infos sind noch nicht bekannt

3. Vorlesen von Nachrichten, die mir geschickt wurden, damit sie in die Sendung eingebaut werden.

– Medien und Politik:

Andreas hat einen kurzen Artikel geschrieben über die deutsche Medienlandschaft und ihre Verstrickung mit Konzernen und Politik, den ich gern vortragen möchte:

Die schöne neue deutsche Medienwelt

„systemrelevante Medientelekratie“

Deutschland hat eine komplexe Medienwelt. Je näher man sich damit beschäftigt und sich die Strukturen auseinander pflückt, desto erschreckender ergibt sich ein sehr perverses Bild der Macht und Einflussnahme.

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Artikel 5 des Grundgesetzes der BRD

Deutschland hat zwei wichtige Medienkonzerne: Die Bertelsmann-Stiftung mit all ihren Verlagen, sowie der Axel Springer AG und deren Organisationen. Auf das gesamte Geflecht der Medien mit dem Politbetrieb wurde ich intensiv gestoßen bei Urban Priols satirischen Jahresrückblick 2012 im WDR5 am Silvesterabend.

Urban Priol erklärte das System anhand der Buchveröffentlichung „Die Patin“ von Gertrud Höhler. Die ehemalige Kanzlerberaterin beschreibt darin Merkels politisches Verhalten, was sich allein darauf stützt ihre Machtpolitik durchzusetzen unabhängig von politischen Inhalten. Dazu gab es eine Talkshow mit Günther Jauch am Sonntagabend, eingeladen wurden nur der CDU nahe stehende Gäste damit kein reales Bild von der Kanzlerin entstehen kann. Die Sendung blieb bei einer inhaltslosen Diskussion.

Einer der Gäste war Prof. Gerd Langguth, Politologe und Merkel-Biograph. Dieser schrieb auf Spiegel Online alle Vorwürfe gegen sie klein.

Günther Jauch hat neben seinem Engagement bei der ARD auch eine eigene Produktionsfirma (i&u tv). Diese produziert hauptsächlich für RTL. RTL (Radio Television Luxembourg) ist eine Sendegruppe der Bertelsmann AG. Dessen sitzt Liz Mohn vor, gute Bekannte der Kanzlerin. Hätte es Jauch gewagt die Kanzlerin öffentlich anzugehen, wäre er seine Arbeit schnell los. Der Moderator selber wohnt in Potsdam am Heiligen See genau wie Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender bei der Axel Springer AG.

Friede Springer hat bei dem Axel Springer Verlag immer noch was zu sagen, selbst Merkel-Freundin und CDU-Mitglied. Diese hat eine eigene Stiftung für !! kritischen Journalismus !! ;-). In dieser Stiftung ist auch Prof. Dr. Joachim Sauer, Lebensgefährte der Kanzlerin und Horst Köhler, Altbundespräsident.

Es ist ein interessantes Bild, was sich ergibt, besonders, weil alles wie ein großes Puzzle zusammen passt. Was bei der gesamten Debatte zu kurz kommt ist, dass 3sat den satirischen Rückblick übertragen hat. Die Originalaufzeichnung dauert insgesamt 2,5 h. Von den Verantwortlichen wurden nur 1,5h zur Übertragung bereitgestellt. Interessant bei dieser gekürzten Fassung ist, dass ausgerechnet der Teil fehlt, wo Priol auf die Medienkonzerne eingeht. Als ich selber 3sat danach fragte, was dieses solle, bekam ich als Antwort, dies sei keine Zensur. Mittlerweile ist jetzt auch der komplette Jahresrückblick online, fragt sich wie lange noch.

3sat ist bekannt für seine guten Dokumentationen und dem großem Kleinkunstangebot. Der Sender ist ein Mischsender, der von verschieden nationalen Sendern unterstützt wird (ORF, ZDF, SF, SWR). In Deutschland ist das ZDF mitverantwortlich für die Inhalte. Dem ZDF-Verwaltungsrat sitzen 3 Ministerpräsidenten vor (Beck, Platzeck, Seehofer,Tillich). Vor einigen Jahren war der Roland Koch, Ministerpräsident des Landes Hessen a D, mit dabei. Er hatte die Aufgabe Nikolaus Brender vom Amt des ZDF-Chefredakteurs zu einlassen, da dieser sich kritisch zu ihr verhalten. Heute ist Roland Koch bei Bilfinger Berger, dem Baukonzern, dem der Ministerpräsident den Auftrag vergab eine neue Landebahn am Frankfurter Flughafen zu bauen.

Alle die von mir aufgezeigten Zusammenhänge sollen in weiterer Zeit beobachtet werden mit der Erinnerung an den Artikel 5 des Grundgesetzes. Es fordert viel Transparenz um diese Zusammenhänge allen Bevölkerungsschichten näher zu bringen.

– Wasserprivatisierung:

In der ersten Sendung haben wir das Thema Wasserprivatisierung angeschnitten. Jemand bat mich das Thema noch einmal genauer zu beleuchten. Leider liegen mir bis jetzt relativ wenig detaillierte Informationen dazu vor, außerdem fehlen mir die Kontakte zu Aktivisten, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Marianne hat mir allerdings einen Beitrag dazu geschickt, den ich nun vorlesen möchte. Zusätzlich möchte ich jedoch darauf verweisen, dass das Thema damit keinesfalls abgearbeitet ist. Wer also Kontakte hat oder etwas zu dem Thema beitragen möchte, darf sich herzlich eingeladen fühlen, sich bei mir zu melden.

15.01.2013 / Kapital & Arbeit / »Menschenrecht auf Wasser durchsetzen«

EU-Kommission will die Versorgung mit Trinkwasser privatisieren. Ein Gespräch mit Mathias Ladstätter

Interview: Ralf Wurzbacher

Mathias Ladstätter ist Bundesfachgruppenleiter Wasserwirtschaft bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und deutscher Koordinator des Europäischen Bürgerbegehrens »Wasser ist Menschenrecht!«

Es gibt Bestrebungen der EU-Kommission, die Wasserversorgung zu privatisieren. Wie soll das vonstatten gehen?

Mit Hilfe der zur Zeit verhandelten Richtlinie zu Dienstleistungskonzessionen könnten die deutschen Kommunen gezwungen werden, ihre Wasserversorgung europaweit auszuschreiben. Die städtischen Unternehmen hätten dann praktisch keine Chance mehr, sich gegen private Wettbewerber zu behaupten. Die Verbraucher müßten das mit hohen Preisen und minderer Qualität bezahlen.

Die Privaten mischen hierzulande doch heute schon im Geschäft mit dem Wasser mit. Was bringt die Richtlinie Neues?

Privatisiert wird im Bereich der Wasserwirtschaft schon länger und mit unterschiedlichen Hebeln – etwa mit der Bolkestein-Binnenmarktstrategie oder der Dienstleistungsrichtlinie. Der Einfluß der Privaten auf die Branche ist gegenwärtig aber noch gering. Mit der Konzessionenvergabe würden die Städte und Gemeinden jedoch alle Gestaltungsmacht an einen Käufer preisgeben, weil der das Risiko des Wirtschaftens komplett übernimmt.

Was wären die Folgen?

Wir fürchten, daß damit unsere Stadtwerke ausbluten und die Versorgung zu großen Teilen in die Hände weniger, mächtiger Konzerne wie der französischen Veolia oder der Essener RWE übergeht. Wohin das führt, sieht man in Frankreich, wo die Wasserversorgung schon heute zu 80 Prozent privatisiert ist. Die Wasserqualität kann mit der in Deutschland aber nicht mithalten. In punkto Kosten lohnt ein Blick nach Berlin: Dort hat es seit dem Einstieg von Veolia und RWE bei den Berliner Wasserbetrieben Preissteigerungen von 30 Prozent gegeben, wovon mindestens ein Drittel privatisierungsbedingt war, also in die Rendite der Konzerne floß.

Aber muß privat immer auch gleich schlechte Qualität bedeuten?

In Deutschland gilt das Minimierungsgebot für Schadstoffe im Trinkwasser, wonach sich Qualitätsanforderungen am technisch Machbaren orientieren müssen. Daran werden sich die Privaten eher nicht halten und statt dessen nur die Einhaltung von Grenzwerten bei der Belastung mit Schadstoffen beachten. Vielleicht brächte das zunächst sogar sinkende Preise. Allerdings drohen dabei Umwelt- und Ressourcenkosten unberücksichtigt zu bleiben, die irgendwann von den Verbrauchern nachzufinanzieren wären. Bei den Öffentlichen gehören diese in die Preiskalkulation.

Wie weit sind die Verhandlungen in Brüssel fortgeschritten?

Im Februar wird sich das EU-Parlament der Sache annehmen. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, daß die Richtlinie ohne Einschränkungen für die Wasserwirtschaft angenommen wird. Wir müßten dann weiterkämpfen, um diese Branche dort herauszulösen und unsere Vorstellungen von einem Menschenrecht auf Wasser durchzusetzen.

Worauf konkret zielt Ihre Kampagne?

Initiator ist der europäi­sche Gewerkschaftsverband der öffentlichen Dienste. Unsere Kernforderung ist ein Menschenrecht auf Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung. Rund 100 Millionen Menschen in Europa, insbesondere im Osten, haben keinen Zugriff auf sauberes Trinkwasser, noch deutlich mehr leben unter schlechten sanitären Bedingungen. Als europäische Bürgerbewegung müssen wir binnen eines Jahres, also bis 31. Oktober, eine Million Unterschriften gesammelt haben, damit sich die Kommission mit unserem Anliegen befaßt. Wenn sich dazu das politische Credo verändert – weg von der Privatisierung zurück zu stärkerer öffentlicher Kontrolle im Bereich der Daseinsvorsorge –, dann hätten wir etwas gegen die Konzessionsrichtlinie in der Hand.

Aber vom Tisch wäre sie damit noch nicht?

Nein. Aber die Diskussion könnte sich dahin wenden, daß man unser Anliegen nicht länger übergeht.

Wie ist aktuell der Stand der Dinge?In Deutschland haben wir schätzungsweise 60000 Unterschriften zusammen und sind guter Dinge, die angestrebten 150000 Unterstützer zu schaffen, zumal wir zum Weltwassertag am 22. März und am 1. Mai noch einmal verstärkt aktiv werden. Nur leider läuft die Mobilisierung nicht in allen Ländern so rund.

Quelle:

http://www.right2water.eu/de

http://www.verdi.de/themen/internationales/wasser-ist-menschenrecht

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2012/1213/wasser.php5

http://youtu.be/DJnZ3TDolyc

4. Private Gedanken, was mir wichtig erscheint, was gesagt werden sollte (soll auch zur Diskussion anregen)

 

Hausbesetzungen haben wieder zugenommen, nicht nur in Südeuropa hört man häufig davon, auch in Deutschland, Österreich und anderen nordeuropäischen Ländern gewinnt die Hausbesetzer-Szene wieder an Zulauf. Hierzu lohnt sich ein Blick auf die Geschichte der Hausbesetzungen, speziell in Deutschland. Wichtig zu betonen erscheint mir vor allem, dass die Hausbesetzer in den meisten Fällen die Besetzungen als politische Symbole inszenierten. So wurden beispielsweise oft Häuser von Konzernen oder Firmen besetzt, die in der NS-Zeit mit den Nazis sympatisierten, oder mit ihren Projekten das Leid der Menschen in der dritten Welt förderten, usw. Außerdem wurden die Hausbesetzer damals von der Bevölkerung ganz anders wahrgenommen als jetzt. Das kam vor allem durch das Engagement der Hausbesetzer im Viertel, in dem das besetzte Haus lag. Es ging den Hausbesetzern nicht bloß darum, kostenlos zu wohnen. Sie sanierten die Häuser und engagierten sich auf vielen Gebieten. So unterstützten sie oft lokale Unternehmen im Kampf gegen Großkonzerne, sorgten für Sicherheit auf den Straßen, in dem sie z.B. Nazis unmißverständlich klarmachten, dass sie im Viertel nix verloren hatten und eröffneten in den besetzten Häusern Freiräume für alle Menschen, nicht bloß für die Besetzer, in Form von Werkstätten, Bäckereien, Lebensmittelläden, Konzerten, Veranstaltungen, usw..

Viele damalige Aktivisten begründeten die Gründung der Hausbesetzer-Szene mit der steigenden Wohnungsnot der Achtziger Jahre. Genau darin liegt die Parallele zur heutigen Zeit. Deshalb dürfte es spannend werden, wie sich Hausbesetzungen in unserer heutigen Zeit entwickeln und ob der Staat es durch die Kriminalisierung schaffen wird, die Solidarität der Bevölkerung mit den Hausbesetzern klein zu halten und die Bewegung damit zu sabotieren. Denn letzten Endes hängt es von genau diesem Faktor ab, ob es wieder eine starke Hausbesetzer-Szene in Deutschland geben kann. Hierzu lässt sich vielleicht noch sagen, dass auch die damalige Szene von verschiedenen Leuten stark gemacht wurde. So war der Kern der Szene, nämlich diejenigen, die tatsächlich Häuser besetzten und sich somit auch teilweise strafbar machten, eher gering. Was die Bewegung so stark machte, waren die zahlreichen Solidaritätsaktionen, die oft dazu dienten, die Polizei abzulenken und zu beschäftigen. Außerdem wurden die Besetzer oft von solidarisch denkenden Menschen mit Lebensmitteln und anderen, zum Leben notwendigen Dingen, versorgt.

Quellen:

Berlin Kreuzberg:

http://youtu.be/TgoxAPm06QA

Hamburger Hafenstraße:

http://youtu.be/xqFTZJkCue4

Kopenhagen:

http://youtu.be/yxoH-YRrq7k

Düsseldorf:

http://youtu.be/0INAcTvwEUo

Erfurt:

http://youtu.be/wdxRkJd6Qss

Niederlande, bis 2010 war das Besetzen von Häusern dort legal:

http://youtu.be/–6oT9qcOQY

Hierzu möchte ich nun jemanden interviewen, der sich im Allgemeinen Syndikat Dresden engagiert. Das Allgemein Syndikat Dresden stellt sich so vor:

Die Gruppe Allgemeines Syndikat Dresden versucht sich vor Ort an einer anderen Gewerkschaftsarbeit: Jedes Mitglied und seine Bedürfnisse zählen. Wichtig ist nicht der Beschluss irgendwelcher Gewerkschafts-Funktionäre sondern die realen Wünsche der Betriebsbelegschaften. Wir setzen uns zusammen, beraten uns, helfen uns bei Aktionen im Betrieb, starten Solidaritätsaktionen für Beschäftigte – auch in anderen Städten.

Dabei haben wir 2 verlässliche Partner im Rücken; Als Menschen mit einer libertären Auffassung von Organisation und Politik sind wir im Libertären Netzwerk Dresden (FdA IFA) organisiert und stehen in Kontakt mit anderen Gruppen und Projekten in Dresden. Als Aktive und unbequeme Arbeiter*innen sind wir in der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft Freie ArbeiterInnen Union (IAA) assoziiert und können auf ihre mehr als 30 Jahre Erfahrung, ihr Wissen um rechtliche Verhältnisse und natürlich ihre Solidarität zurückgreifen.

Das Allgemeine Syndikat hilft

a) wenn ihr Auskünfte über die Legalität über die Praxis in eurem Betrieb erhalten wollt

b) wenn ihr Fragen nach den arbeitskämpferischen Möglichkeiten in eurem Betrieb habt

c) wenn ihr euch gewerkschaftlich und selbstbestimmt organisieren wollt

Fragen:

– Stell doch bitte einmal kurz vor, was in den vergangenen Wochen in Dresden an der Uni passiert ist.

– Wie hast du die Entwicklung der Hausbesetzer-Szene in den letzten Monaten wahrgenommen?

– Wie erlebst du den Rückhalt der Bevölkerung bei euren Aktionen?

– Welche Erfolge könnt ihr in Dresden verzeichen?

– Wie wird sich die Hausbesetzer-Szene in den kommenden Monaten entwickeln, wenn man die zunehmende Wohnungsnot betrachtet?

– Wie kann man die Hausbesetzer unterstützen, wenn man selbst nicht aktiv mitbesetzen will?

5. Offene Diskussionsrunde über Anarchie:

Hier findet sich zum Runterladen eine PDF-Datei (5,73 MB), die den Anarchismus mit klaren, einfachen Worten beschreibt, Klischees aufhebt und gerade für „Anfänger“ die perfekte Einleitung ist. Dort wird gut auf die typischen Vorurteile eingegangen. Ich habe den Text kopiert und hier hinein gesetzt:

„Anarchie – Moment, das ist doch ’eh nur Chaos und Randale?“

Das ist wohl das gängigste Vorurteil, mit dem Anarchist_innen aus aller Welt zuerst konfrontiert werden. Dies hat seine Gründe, aber dadurch noch lange keine Berechtigung. Richtig ist, dass Anarchie weitläufig mit Chaos und Gewalt gleichgesetzt oder zumindest gemeinsam verwendet wird. Generell erzeugt der Begriff „Anarchie“ ein meist negatives Gefühl.Doch schon Wikipedia beschreibt Anarchie bzw. die dahinterstehende Überzeugung „Anarchismus“ als „eine politische Ideenlehre und Philosophie, die Herrschaft von Menschen über Menschen und jede Art von Hierarchie als Form der Unterdrückung von individueller und kollektiver Freiheit ablehnt“.1Und selbst der Verfassungsschutz – der nun wirklich nicht zu den Befürwortern des Anarchismus zählt – beschreibt das Ziel des Anarchismus als „eine herrschaftsfreie Gesellschaft, die […] auf der Basis völliger Freiwilligkeit geordnet werden soll. Es wird jede Form der Regierung abgelehnt und behauptet, dass Menschen auch ohne gesellschaftliche Regeln konfliktfrei zusammenleben können.“2Solche Aussagen beinhalten doch deutlich mehr, als Chaos und Gewalt. Genauer gesagt, spielt Chaos oder Gewalt in diesen Definitionen gar keine Rolle. Welche Ideen für uns hingegen eine Rolle spielen, wollen wir im folgenden Text zeigen.

„Wenn Anarchie nichts mit Chaos zu tun hat, womit denn dann?“

Anarchismus bedeutet für uns erst mal, mit dreierlei Dingen nichts zu tun zu haben:Herrschaft von Menschen über MenschenWir finden es nicht richtig, dass manche Menschen mehr Macht besitzen als andere und über Schwächere regieren, sie kontrollieren und / oder ausgrenzen. Das geschieht zum Beispiel durch eine Regierung, die den Menschen vorschreibt, wie sie sich zu verhalten und wie sie zu leben haben. Falsch finden wir auch, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Sexualität ausgegrenzt werden.Kapitalismus1Wir finden es nicht richtig, dass nur wenige von den theoretisch ausreichend vorhandenen Ressourcen profitieren. Gerade durch die technologischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte wäre es ein Leichtes, nicht nur allen Menschen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser oder Wohnraum zu gewährleisten, sondern den Lebensstandard an sich zu erhöhen. Im bestehenden System – dem Kapitalismus – werden Menschen in einen immer größeren und brutaleren Konkurrenzkampf gezwungen, der wenige Gewinner_innen und viele Verlierer_innen hervorbringt. Dies bedeutet wachsenden Reichtum von wenigen und steigende Armut von vielen.UmweltzerstörungWir finden es nicht richtig, dass der Mensch den Lebensraum, den er selbst und seine Nachkommen bewohnen, rücksichtslos verschmutzt, vergiftet und zerstört. Der Mensch verhält sich der Natur und anderen Lebewesen auf dem Planeten gegenüber absolut ignorant und stellt wirtschaftliche Interessen über den langfristigen Erhalt der Ökosysteme. Dies geschieht zum Beispiel durch das Festhalten an ineffizienten, klimaschädlichen Energiequellen wie Kohle, Erdöl oder Atomkraft, durch die systematische Abholzung von Wäldern und Vergiftung von Gewässern oder durch die Auswüchse der Agrarindustrie in der Massentierhaltung, Gentechnik oder der Überfischung der Meere.„Aber das war doch schon immer so!“Das ist ein gern genutztes Argument, aber das macht es dennoch nicht weniger falsch. Und das aus vielerlei Gründen, von denen zwei besonders zu nennen sind: Zum einen war nie etwas „schon immer so“. Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit anschauen, gab es schon viele verschiedene Gesellschaftsformen, von denen viele wohl von sich selbst behauptet haben „schon immer dagewesen“ zu sein und sich deshalb auch nie ändern könnten.Doch wenn wir diese Gesellschaftsformen mit ihren Nachfolgern vergleichen, fällt uns auf, dass keine Gesellschaftsform so fest zementiert ist, dass sie ewig Bestand hat und niemals verändert werden kann. So waren Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind, für die meisten Menschen vor 150 Jahren vollkommen undenkbar: z.B. die Sozialversorgung, das Mehrparteiensystem mit seiner parlamentarischen Demokratie, die Abschaffung der Monarchie etc. Und wenn wir von dieser Gesellschaft noch einmal 150 Jahre zurückgehen, dann wäre es für die damaligen Menschen unvorstellbar, in einer Gesellschaft zu leben, in der Gott nicht den Mittelpunkt der Welt darstellt.Das zeigt, dass jede Gesellschaft sich ändern kann und wird. Meist waren es anfangs belächelte Ideen, die nach und nach immer mehr Menschen begeisterten oder bewegten, dass sie schließlich auch von Seiten des Staates oder der Kirche nicht mehr ignoriert oder bekämpft werden konnten und schließlich erlaubt oder anerkannt werden mussten. Dass dies nicht immer zwangsläufig fortschrittliche Formen annehmen muss, zeigen genügend Beispiele, wie z.B. die Machtübernahme durch Adolf Hitler und die NSDAP.Im Gegenzug gibt es genügend andere Beispiele, die leider weit weniger bekannt sind, aber trotzdem ganzen Gesellschaften mehr Freiheit brachten. Z.B. existierten in Spanien 19361, in der Ukraine 19202 aber auch in Deutschland 1923 große Gebiete, in denen zumindest eine Zeit lang „anarchistisch“ gelebt wurde, d.h. ohne Regierung und Autorität von oben, aber in gegenseitiger, gleichberechtigter Zusammenarbeit.

„Aber wie wollt ihr dann leben?“

Wir haben keinen fertigen Plan oder ein abgeschlossenes Konzept für eine vollkommen neue und andere Gesellschaft. Das wollen wir auch gar nicht, denn wir denken, dass jeder Mensch selbst entscheiden kann und soll, wie, wo und mit wem er oder sie gerne leben möchte.Dies bedeutet jedoch nicht, das wir uns diese Gesellschaft als gesetzlosen Fleck vorstellen, in dem jeder Mensch tun und lassen kann, was er oder sie möchte, ganz ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Wir haben gewisse Ansprüche an die Gesellschaft, die wir uns wünschen und einige Ideen, wie diese zu organisieren und zu gestalten sein könnte: der freiwillige Zusammenschluss von selbstbestimmten Individuen.Das klingt zunächst kompliziert, meint aber nichts anderes als eine Gesellschaft von Menschen, die sich miteinander verbinden/organisieren können, wie sie es für richtig oder nötig erachten. Diese Gesellschaft ist nur möglich, wenn die Freiheit und die Selbstbestimmung des Einzelnen nicht durch andere eingeschränkt wird.Oder ganz einfach gesagt: Ich kann tun was ich will, solange ich damit niemand anderem schade oder ihn oder sie in irgendeiner Art einschränke.

„Aber ohne Regierung bricht doch alles zusammen!“

Natürlich reicht eine solche Vorstellung allein nicht aus. In der heutigen Gesellschaft ist nicht alles schlecht, und die Vorzüge, die es zweifellos gibt, sollen mit der Gesellschaft, die wir uns vorstellen, nicht verschwinden. Wir finden es praktisch, dass wir Essen nicht erst selbst anbauen und ernten müssen, um satt zu werden, dass es Medikamente und medizinische Versorgung gibt und dass wir schnell und weit reisen können, ohne monatelang mit Pferden oder Schiffen unterwegs zu sein.Aber solange diese Errungenschaften in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft genutzt werden, sind sie nun mal auf diese ausgelegt. Also darauf, Gewinn zu erwirtschaften und davon möglichst immer mehr. Das bedeutet, dass Faktoren wie Nützlichkeit, Umweltfreundlichkeit oder eine bedarfsorientierte Produktion gegenüber dem Interesse an Gewinn in den Hintergrund treten. Menschen, die nichts zum Profit der Hersteller_innen und Verkäufer_innen beitragen können (also kein Geld haben, um sich solche Produkte zu leisten) sind von vornherein davon ausgeschlossen. Wir wünschen uns nicht, Dienstleistungen und die Produktion von Gütern abzuschaffen, sondern sie sinnvoll und an den Bedürfnissen orientiert einzusetzen und allen Menschen bedingungslos zugänglich zu machen.Deshalb wird es auch in der Gesellschaft, die wir uns wünschen, notwendig sein, sich zu organisieren, um Bedürfnisse zu klären und Abläufe zu planen. Es sollen natürlich weiterhin Nahrungsmittel produziert, Waren hergestellt, Züge und Straßenbahnen betrieben werden oder Krankenhäuser und Arztpraxen geöffnet haben.Aber wir sind der Überzeugung, dass wir dafür keine Regierung, Chefs oder Konzerne brauchen, die das „für uns“ machen und das meist auch mehr schlecht als recht. Wir wissen selbst, was wir wollen und was am besten für uns ist, und das kann und soll auch niemand anderes für uns entscheiden.

„Aber so funktioniert doch gar nichts mehr, oder?“

Wie oben erwähnt, haben wir kein festes Konzept, wie die Organisation einer solchen Gesellschaft aussehen soll. Was wir sicher wissen ist, wie sie nicht aussehen soll und wie sie vielleicht aussehen kann.Zum Beispiel finden wir die Idee gut, dass sich Menschen einfach mit anderen Menschen verbinden, die in irgendeiner Art eine Rolle in ihrem Leben spielen. Das können Mitschüler_innen, Arbeitskolleg_innen oder Freund_innen, aber auch Nachbar_innen oder Mitglieder im Sportverein sein. Diese Menschen besprechen gemeinsam die Dinge, die sie in diesem Zusammenhang betreffen und finden, sofern es nötig ist, eine Entscheidung, mit der alle Beteiligten leben können. Das nennt sich dann „basisdemokratisch“. Es ist eine Entscheidungsfindung, die alle Betroffenen gleichberechtigt mit in die Lösung einbezieht. Das kann im kleinen Rahmen stattfinden, wenn sich beispielsweise alle Bewohner_innen eines Hauses regelmäßig zusammensetzen und Angelegenheiten besprechen, die das Haus betreffen. Sind von einer Angelegenheit gleich mehrere Häuser oder gar ein ganzes Viertel betroffen, bespricht zuerst jedes Haus für sich den Sachverhalt. Das Ergebnis wird dann durch Delegierte in z.B. eine Stadtteilversammlung getragen. Die Delegierten haben hierbei keine Entscheidungsmacht und feste Amtszeit, sondern sind Mittler_innen zwischen den verschiedenen Ebenen und können jederzeit abberufen werden. Durch den Einsatz von Delegierten kann die Arbeits- und Entscheidungsfähigkeit zahlenmäßig gro-ßer Gruppen, Gemeinden oder Städten erhalten werden, ohne die Belange Einzelner zu ignorieren.Dieses Prinzip lässt sich immer weiter denken, auch für Probleme oder Entscheidungen, die weltweit getroffen werden müssen: Das Internet kann dafür ein Werkzeug sein, um Zeit zu sparen. Aber es kann natürlich auch ganz anders kommen, das entscheiden am Ende die betroffenen Menschen…

„Das klingt aber ziemlich anstrengend und zeitaufwendig!“

Natürlich klingt das zunächst anstrengend. Zumindest anstrengender, als politische Fragen einfach jemand anderem zu überlassen oder vom Chef diktiert zu bekommen, wie man seine Arbeit richtig macht. Aber wir denken, dass sich der Aufwand lohnt. Schließlich können wir uns dadurch aktiv in Prozesse einbringen, können Dinge, die uns stören konkret angehen und sehen, dass die eigene Meinung respektiert und berücksichtigt wird. Ein Leben, in dem wir nicht ständig genervt sind, weil irgendwelche Dinge an unseren Bedürfnissen vorbei entschieden werden, ist unserer Meinung nach den Mehraufwand wert.

„Aber ich hab doch dafür keine Zeit.“

Kaum jemand hat heute noch Zeit. Warum ist das so? Schule, Ausbildung, Universität, Lohnarbeit, Jobsuche: Die meiste Zeit verbringen Menschen in ihrem Leben mit der Vorbereitung auf Arbeit, der Suche nach Arbeit und der Arbeit an sich. Seit einigen Jahren steigt die Arbeitszeit des Einzelnen wieder enorm, während gleichzeitig der Lohn immer weiter sinkt. Und das während immer mehr Menschen entweder arbeitslos sind oder in Arbeitsmaßnahmen, Minijobs oder Zeitarbeit für einen Hungerlohn schuften.Viele Arbeitsfelder würden durch die Überwindung des Kapitalismus wegfallen. Die komplette staatliche Verwaltung, GEMA, GEZ, die Werbeindustrie, das komplette Finanzwesen, das Militär und vieles mehr. All diese freigewordene Zeit und Energie könnten wir sinnvoll nutzen.Wir sind der Ansicht, dass das Leben zu kurz ist, um es vollständig auf Lohnarbeit auszurichten. Wir haben keine Lust mehr darauf, dass wir nur unseren Vorlieben und Hobbys nachgehen können, wenn „wir etwas dafür getan“ haben, ganz nach dem Motto: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“.Wir verstehen nicht, wieso unser Leben daraus bestehen soll, mit immer mehr Leuten, um immer weniger Arbeitsplätze zu konkurrieren, wenn wir doch alle gemeinsam die Arbeit, die getan werden muss, erledigen könnten. Gleichzeitig denken wir, dass vieles an Arbeit sowieso wegfallen würde, wenn Arbeit nicht mehr darauf ausgerichtet ist, Gewinn zu erzielen.Wir sind der Überzeugung, dass Arbeit dazu da sein sollte, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Sie soll dafür sorgen, dass wir satt und zufrieden in einem warmen, gemütlichen Bett einschlafen können und nicht mehr. Wir wollen arbeiten, um zu leben und nicht leben, um zu arbeiten.

„Also wollt ihr den ganzen Tag nur faulenzen?“

Wer würde das nicht gerne tun? Oder zumindest die Möglichkeit dazu besitzen? Dennoch denken wir nicht, dass in einer Gesellschaft, die nicht mehr auf Arbeit, Geld und Macht ausgerichtet ist, alle Menschen nur noch herumliegen und nichts tun. Wie oft hast du dir schon gewünscht, Dinge zu tun, für die du entweder keine Zeit oder kein Geld hattest? Wie viele Orte wolltest du schon besuchen, wie oft wolltest du mehr Zeit mit Freund_innen verbringen, wie viele Bücher wolltest du schon lesen, wie viele Filme anschauen? Was, wenn es das alles nicht nur umsonst geben würde, sondern du auch plötzlich über deine Zeit selbst bestimmen könntest?Wie viele soziale Kontakte sind eingeschlafen, wie viel Vereinsamung und Anonymität ist entstanden durch die Gleichsetzung von Arbeit und Lebenssinn und den damit einhergehenden, ständigen Konkurrenzdruck mit allen und jedem. Sei es in der Schule oder Uni um die besten Noten und somit die besten Berufsmöglichkeiten, im Berufsleben im Kampf um die besten Jobs, aber auch im Kampf um die besten und billigsten Wohnungen?

„Also wollt ihr nur weniger arbeiten?“

Nein. Wir sind der Überzeugung, dass Lohnarbeit und der Kapitalismus zentrale und wichtige Themen sind, denn sie hindern uns an dem Leben, das wir uns vorstellen. Doch haben sich durch und neben dem Kapitalismus viele weitere Arten von Ungerechtigkeiten etabliert, mit denen wir uns eine befreite Gesellschaft auch nicht vorstellen können und wollen. Dazu gehören, z.B. alle Arten von Hierarchien und Unterdrückung, also etwa Rassismus1, Sexismus2, Antisemitismus3, Homophobie4etc. Denn wir wollen ein schönes Leben mit allen Menschen, egal welcher Hautfarbe, welcher sexuellen Orientierung oder welchen Geschlechts. Jeder Mensch soll unabhängig von diesen Attributen ein sorgenfreies Leben führen und sich an den Orten austoben können, wo und wie er oder sie das möchte.

„Also seid ihr selbstlose Samariter?“

Natürlich nicht. Denn von einem Leben, so wie wir es uns wünschen und fordern, profitieren wir natürlich auch selbst. Dennoch sind wir der Überzeugung, dass ein Leben, in dem wir uns selbstbestimmt entfalten können, nur funktioniert, wenn alle Menschen dieses Leben führen können. Denn wenn – und da wären wir wieder beim heutigen System – dies nur wenige können, entsteht Konkurrenz, weil natürlich jede_r eine_r der wenigen sein möchte. Und die meisten bleiben auf der Strecke…

„Warum werdet ihr dann immer Chaoten genannt? Ihr seid doch gar nicht so schlimm.“

Jedes System, auf das eine Gesellschaft aufbaut, versucht natürlich sich selbst zu erhalten und sich als alternativlos, endgültig darzustellen. Das liegt zum einen im Interesse der Menschen und Strukturen, die direkt von diesem System profitieren. Im Kapitalismus und dem politischen System, das diesen stützt, sind es zunächst natürlich Wirtschaft und Politik, die sich nur durch diesen erhalten und mit dem Ende des Kapitalismus auch ihre eigene wirtschaftliche und/oder politische Macht einbüßen müssten.Dazu kommt die Akzeptanz derer, die eigentlich auch unter die Räder des Kapitalismus geraten sind oder es mehr schlecht, als recht schaffen, sich über Wasser zu halten. Durch den wachsenden Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt, die permanente Kürzung von Sozialleistungen usw. wurde ein umfassender Existenzkampf geschaffen, der den Blick des/der Einzelnen nur noch auf das eigene Wohlergehen, bzw. Überleben lenkt. Ideen, die auf eine solidarische und herrschaftsfreie Gesellschaft hinarbeiten, werden nicht ernst genommen. Konkreter Widerstand gegen das bestehende System wird von den meisten Menschen als chancenlos abgetan, u.a. weil wir ständig damit beschäftigt sind, selbst über die Runden zu kommen.

„Euch finde ich gut, wo kann ich beitreten?“

Anarchismus ist keine Partei und will auch keine sein. Es gibt Gruppen, die sich selbst explizit “anarchistisch” nennen und versuchen, die Idee des Anarchismus zu verbreiten, sich in Konflikte mit ihrer Sicht der Dinge einzumischen und eigene Projekte, die auf anarchistischen Prinzipien beruhen, zu starten. Es gibt aber auch unzählige andere Menschen, die Dinge sagen oder tun, die wir als anarchistisch bezeichnen würden, sie selbst aber nicht.Es geht nicht darum, sich selbst ein Label zu geben, sondern erst einmal darum, die Welt und vor allem die Ungerechtigkeiten zu hinterfragen, die jeden Tag aufs Neue geschehen. Es geht darum, sich selbst zu fragen, was jetzt konkret stört und dort anzusetzen. Wenn wir davon überzeugt sind, dass eine andere, eine bessere Welt möglich ist, dann sollten wir nicht darauf warten, dass sie irgendwann einmal kommt, sondern jetzt und heute dafür einstehen. Wir müssen uns nicht der kapitalistischen Logik beugen und wegen egoistischer Interessen die Interessen aller anderen Menschen ignorieren oder gar bekämpfen. Wenn wir, statt aufeinander los zugehen, uns solidarisch zeigen und uns mit anderen Menschen vernetzen, dann können wir die ganze Bäckerei fordern und müssen uns nicht nur um die übrig gebliebenen Krümel auf dem Tisch schlagen. Der ganze Kuchen ist für alle da.Willst du mehr über Anarchismus erfahren? Hat dich der Text, oder Teile davon angesprochen? Willst du dich davon überzeugen, dass Anarchist_innen keine blutrünstigen, krawallgeilen Idiot_innen sind? Oder suchst du einfach nur mal netten Kontakt zu Menschen, die dich nicht als potenziellen Konkurrenten in Schule, Arbeit, Beziehung sehen, sondern einfach als Mensch? Hier findet ihr mehr Informationen: http://www.a-netz.org/

Quellen:

Vivir La Utopia, ein Film über die spanischen Anarchisten und ihr Untergang durch den Franco-Putsch:

http://youtu.be/0uNSjlCkxwA

Definition von Anarchie auf Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anarchie

Definition von Anarchismus auf Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anarchismus

Horst Stowasser über alternative Gesellschaftsformen:

http://youtu.be/vQhYXg88AE8

Die verschiedenen Strömungen des Anarchismus, geht über zwei Stunden:

http://youtu.be/VMT9NplUBPA

Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

2 Kommentare zu „3. Livesendung von Viktoria – 19.01.2013 – Anarchie, was ist das eigentlich?“

  1. Wir würden dann ja unser Essen alle zusammen selber anbauen. Aber solche Berufe wie Mediziner, Bauarbeiter, Klempner, Verteiler der Lebensmittel, Landwirte,.. usw. würden ja trotzdem erhalten bleiben müssen. Doch könnte es nicht passieren, dass viele Menschen keine Lust mehr haben, zu arbeiten und die Berufe zu übernehmen, da sie dann ja nicht groß (z.B. in Form von Geld) erhalten?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s