4. Livesendung von Viktoria – 25.01.2013 – Gibt es die „friedliche Revolution?“


Hier findet ihr die Live-Sendung auf YouTube.

Hausbesetzung

Vorab möchte ich gern meine vollste Solidarität zu den Streikenden des Sicherheitspersonals an den Flughäfen Düsseldorf und Köln schicken. Ich bin positiv überrascht von der Entschlossenheit der Gewerkschaft verdi, die den Streik unangekündigt durchgezogen hat und auf ihren Forderungen von 30% Lohnerhöhung bisher beharrt.

Ebenfalls geht ein Gruß an die Ägypter, die heute den zweiten Jahrestag ihrer Revolution feiern und nicht aufgegeben haben. Seid stark und kämpft für eure Rechte!

1. Zusammenfassung der Geschehnisse der letzten Woche, politisch, wirtschaftlich, sozial, bezogen auf Deutschland, Europa und die Welt.

International:

 – Türkei: In der Türkei nehmen die Repressionen gegen Oppositionelle stark zu. Ein Beispiel:

Aufnahmestudio verwüstet, Instrumente zerstört, neues Album beschlagnahmt: Polizei inhaftiert Mitglieder der linken Gruppe Grup Yorum und Rechtsanwälte.

Die türkische Polizei hat zu einem massiven Schlag gegen linke Oppositionelle ausgeholt. Bei Razzien in Istanbul, Izmir, Ankara und vier weiteren Städten wurden am Freitag mindestens 85 Personen festgenommen. Schwerbewaffnete Antiterroreinheiten stürmten rund 20 Vereinigungen, darunter Anwaltskanzleien, ein Kulturzentrum, die Redaktion der sozialistischen Wochenzeitung Yürürüs (»Marsch«), den Gefangenenhilfsverein Tayad sowie Privatwohnungen von Anwälten. Dutzende weitere Festnahmen erfolgten am Samstag, als die Polizei Proteste gegen die Razzien vor dem Istanbuler Polizeipräsidium zerschlug. 41 Festgenommene wurden am Sonntag in Istanbul dem Haftrichter vorgeführt. Dabei verletzte die Polizei mehrere vor dem Gericht protestierende Anwälte durch Gasgranaten und Knüppelschläge.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2013/01-21/053.php

Auch interessant ist, dass der Einsatz der Patriot-Einheiten nicht von allen Türken gern gesehen werden. Bei Facebook geisterten schon viele Bilder von Blockaden herum, und natürlich auch von Knüppel-Einsätzen der Polizei gegen die Demonstranten. Einige Aktivisten mit national-sozialistischem Hintergrund passten holländische Soldaten in Zivil ab und griffen diese an. Sie zogen ihnen unter anderem einen Sack über den Kopf, in denen sich weißes Pulver befand. Diese Aktion hat eine politische Bedeutung. Im Jahr 2003 wurden türkische Soldaten von US-Soldaten gefangen genommen und mit Säcken über dem Kopf zu ihren Verhören geführt.

In der Presse wird ausschließlich von deutschen Soldaten gesprochen, was nicht unlogisch ist, ist Deutschland doch ein deutlich größeres Land, in dem es gilt, die Kriegspropaganda noch intensiver zu betreiben.

Quelle:  http://www.taz.de/Angriff-auf-deutsche-Soldaten-in-Tuerkei/!109587/

Zur aktuellen Situation in der Türkei bat ich jemanden, der sich gut auskennt, einen kurzen Lagebericht zu schreiben, den ich hier gern vortragen würde:

Im irakischen Teil werden weiterhin Kurden erhängt. Im syrischen Teil kämpfen die kurdischen Freiheitskämpfer YPG weiterhin gegen die FSA und haben auch bisher alle eroberten Gebiete unter Kontrolle. Im irakischen Teil ist alles weiterhin wie es ist. Mesut Barzani ist weiterhin Präsident des Autonomiegebietes Kurdistan. Im türkischen Teil finden immer noch Gefechte zwischen den Guerillas der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und dem türkischen Militär statt. Seit einigen Tagen ist die türkische Geheimorganisation MIT mit dem Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans, der seit 13 Jahren auf der Gefängnissinsel Imrali gefangene Abdullah Öcalan (APO), im Dialog und versucht laut Presse den Friedensweg zu finden. Die türkische Regierung meint trotzdem, dass sie mit dem Dialog nichts zu tun hat.

Das Attentat auf die 3 Genossinnen in Paris war, so denkt sie, ein Anchlag von jemandem, der diesen Frieden nicht will. Die türkische Regierung gab am nächsten Tag eine Presseerklärung heraus und meinte, dass das Attentat von einem PKK Anhänger verübt worden ist und zweitens, dass nun in ganz Europa alle kurdischen Vereine aufpassen sollten, da es überall passieren könne. Da kommt die Frage auf, hat die türkische Regierung etwas damit zu tun? Wie kann es sein, dass dieses Attentat zu stande kommt, obwohl der Verein 24 h observiert wird von der französischen Polizei? Sakine Cansiz, war seit Tag 1 eine treue Gefährtin der APO und ein Gründungsmitglied der PKK. Sie saß 10 Jahre im Gefängnis in Diyarbakir, das damals schlimmste Gefängnis. Dort wurde sie gefoltert und ihr wurden ihre Brüste abgeschnitten.. Trotz allem schwieg sie und nach ihrer Freilassung kam sie nach Europa und war hier sehr aktiv und auch selber eine Guerilla. In Europa hatte sie mit Riza Altung die Geldkasse der PKK verwaltet. Wikileaks hat einen Brief veröffentlicht, in dem steht man soll die beiden irgendwie ausschalten.

Die zweite ermordete Politikerin, Fidan Dogan, war in der französischen Regierung sehr bekannt. Sie war im Parlament vertreten und sprach dort im Namen der Kurden. Sie war eine demokratische Person. Die dritte, Leyla Saylemez, war eine zuständig für die Jugendlichen.

Sie empfiehlt uns für weitere Informationen auf Deutsch diesen Link: www.diekurden.de

– Mexiko: Einer meiner Kontakte aus Mexiko schickte mir folgende Nachricht, mit der Bitte, das in Deutschland bekannt zu machen. Vor sechs Jahren gab es eine Reihe von Entführungen in Mexiko. Es wurde eine französische Frau verhaftet und zu insgesamt 60 Jahren Haft verurteilt, weil sie mit dem Täter in Kontakt stand. Nun wurde der Prozess neu aufgerollt, die Frau wurde freigelassen. Die internationale Presse stürzt sich auf diesen Fall und spricht von einer immensen Verletzung der Menschenrechte. Worüber nicht berichtet wird, ist die Tatsache, dass die Frau nur als Köder für die Regierung herhalten musste. Denn der Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit der Mexikaner, aber auch der restlichen Welt, ab von den Korruptionsvorwürfen gegen den neuen Präsidenten Mexikos. Ein ähnliches Verhalten wurde auch schon vor einigen Monaten von den europäischen Regierungen bei dem Versuch benutzt, das Internet unter Kontrolle zu bringen. ACTA wurde über Nacht zum ganz großen Thema, auch durch die Mainstream-Medien gepusht. Was folgte waren europaweite, riesige Proteste gegen das neue Gesetz. Die Regierungen willigten ein, das Gesetz fallen zu lassen und man hatte den Anschein das Volk hätte sich mit seinen Protesten durchgesetzt. Was von der Mainstream-Presse verschwiegen wurde, war, dass die Regierungen in anderen Gesetzen die einzelnen Passagen von ACTA längst untergebracht hatten und nun ohne Öffentlichkeit durch die Parlamente winken konnten. Tatsächlich sind die meisten Forderungen, die in ACTA enthalten waren, bereits von den Regierungen durchgesetzt worden. Meine Quelle aus Mexiko berichtete mir auch von zahlreichen Fällen aus den letzten Wochen, in denen Aktivisten einfach verschwanden oder sogar umgebracht wurden. Zur Zeit sind wir auf der Suche nach einem deutschsprachigen Kontakt in Mexiko um ein Interview zu bekommen.

Quelle:  http://edition.cnn.com/2013/01/23/world/americas/mexico-frenchwoman-freed/index.html?hpt=ila_c2

– Slowenien: In Slowenien herrschen seit Wochen unruhige Verhältnisse. Das Land ist nicht besonders dicht besiedelt, umso interessanter ist die Wende, die die Bevölkerung dort vollzogen hat. Es begann damit, dass dem amtierenden Präsidenten Korruption und Unterschlagung von Geld vorgeworfen wurde. Hieraus formierte sich ein landesweiter Widerstand von unten. Der Blog Enough is Enough (enough14.org) berichtete viel darüber. Am Mittwoch trat die Regierung zurück. Jetzt ist unklar wie es mit Slowenien weitergehen wird.

Quelle: http://derstandard.at/1358304495394/Regierungskoalition-in-Slowenien-zerbricht

Deutschland:

– Am 15.1.2013 wurde in Dresden der 36-jährige Antifaschist und Vater Tim K. zu einer 22 monatigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Die Indizien sind indes äußerst fragwürdig: Eine Videoaufnahme, die eine nicht erkennbare Person von ähnlicher Statur mit Megaphon zeigt, soll belegen, dass Tim zum Durchbrechen von Polizeisperren aufgerufen habe. Jedoch konnte keiner der bei der Verhandlung anwesenden Zeugen bestätigen, dass es sich bei der gefilmten Person um Tim handelte. Es gibt bereits zahlreiche Soli-Aktionen und Aufrufe. Interessant ist vor allem, dass das nicht der erste Schauprozess gegen Antifaschismus in Sachsen ist. Bereits 2011 wurde ein Fall bekannt, in dem gegen einen Jugendpfarrer, der sich offen gegen Rechts engagierte, ähnlich vorgegangen wurde.

Übrigens: An dem Tag, an dem Tim H. wegen des vermeintlichen Rufens von Losungen wie »Kommt nach vorne!« zu Haft verurteilt wurde, standen in Dresden fünf Neonazis wegen schwerer Körperperletzung, Sachbeschädigung und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht und kamen mit Bewährungs- und Geldstrafen davon.

Quelle: http://enough14.org/2013/01/23/antifa-tim-dresden-ddnazifrei-orwelleske-verhaltnisse-herrschen-in-sachsen/

http://jg-stadtmitte.de/2012/08/04/kundgebung-zum-1-jahrestag-der-razzia-in-jena/#more-2588

http://www.neues-deutschland.de/artikel/810749.dresdner-exempel.html

– Hartz 4-Bezieher bei einer Tombola verlost. Als ich diese Nachricht las, nahm ich zuerst an, es handele sich um einen satirischen Artikel. Leider wurde ich schnell eines besseren belehrt.

Bei dieser Verlosung wurden erwerbslose Menschen an Firmen in der Region wie auf einem Sklavenmarkt „verlost“. Die Unternehmen gewannen zum Beispiel Fensterreinigungen, Fußböden-Schrubben, Lager aufräumen, Fuhrpark reinigen oder die Gestaltung einer Firmen-Internetseite. Diese „Gewinne“ wurden dann durch Teilnehmer der 50plus-Kampagne durchgeführt.

Wer jetzt denkt, die Firmen hätten wenigstens einen Obolus oder eine Spende entrichtet, der irrt. „Es gab nicht, wie bei einer normalen Verlosung, Nieten. Alle Lose gewannen. Die Firmen mussten auch nichts für die Lose bezahlen“, berichtet ein Betroffener. „Wir wurden dann als Gewinn vermittelt und mussten Fenster putzen, ohne ein Pfennig Geld dafür zu erhalten. Einen Job habe ich dadurch auch nicht bekommen“.

Quelle: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-bezieher-wurden-bei-tombola-verlost-9001301.php

Ebenfalls besorgniserregend finde ich in dem Zusammenhang folgende Meldung:

HARTZ IV BETROFFENE SOLLEN NICHT MEHR KLAGEN – Die Beratungs- und Prozesskostenhilfe soll deutlich einschränkt werden.

Ziel der Gesetzesreform ist, die Klagemöglichkeiten deutlich einzuschränken, um die Klageflut an den Sozialgerichten einzuschränken. Hierfür wurden drei wesentliche Eckpunkte eingefügt. So sollen einkommensschwache Bürger keinen direkten Zugang mehr zu Rechtsanwälten erhalten. Stattdessen muss ein Rechtspfleger einen entsprechend begründeten Antrag bewilligen. Die Einkommensschwelle soll für den Zugang zu Rechtshilfen um rund 100 Euro in Richtung Hartz-IV-Niveau abgesenkt werden. Die Rückzahlung der Kosten soll laut Entwurf auf sechs Jahre verlängert werden.

Quelle: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-betroffene-sollen-nicht-mehr-klagen-9001269.php

2. Bekanntgabe von anstehenden Terminen, Demos, Aktionen, Vorführungen, usw.

– 27.01.2013 – Kundgebung in Gedenken der Opfer des Holocaust in Bochum Langendreer Bahnhof Langendreer, 13:0 Uhr (http://demoplaner.de/demos/details/1142-Kundgebung%20in%20Gedenken%20der%20Opfer%20des%20Holocaust.html)

– 28.01.2013 – wöchentliche Demo gegen Stuttgart 21 – Marktplatz, 18:00 Uhr, Demozug zur SPD Zentrale (http://www.parkschuetzer.de/termine/3214/kopfbahnhof-21#top)- 01.02.2013 – Wie weiter mit den Sozialprotesten? – Europäische Märsche gegen Erwerbslosigkeit ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung und Interventionistische Linke (IL) Köln laden ein zur Diskussion. Naturfreundehaus KalkKapellenstr. 9a, 51103 Köln (U-Bahn: Kalk Kapelle) 19:30 Uhr (http://euromarches.wordpress.com/2013/01/17/wie-weiter-mit-den-sozialprotesten/)

– 14.02.2013 – Zwangsräumung in Berlin verhindern – Lausitzerstraße 8, 07:00 Uhr, Berlin (http://enough14.org/2013/01/22/lausitzer8-berlin-neuer-raumungstermin-neuer-aufruf-zur-blockade-stopdesahucios/)

– 15.02. 2013 – Come out and play! Deutsche Täter sind keine Opfer – Geschichtsrevisionismus stoppen! – Cottbus, nähere Infos werden noch bekannt gegeben. (http://demoplaner.de/demos/details/1138-Come%20out%20and%20play!%20Deutsche%20T%C3%A4ter%20sind%20keine%20Opfer%20-%20Geschichtsrevisionismus%20stoppen!%20.html)

3. Vorlesen von Nachrichten, die mir geschickt wurden, damit sie in die Sendung eingebaut werden.

– Arthur Brown schrieb mir eine Nachricht, die ich nun hier gern vortragen möchte:

„Hey Viktoria, wollt dich mal fragen, ob du vielleicht Hilfsorganisationen kennst, denen tatsächlich das Wohl der Menschen am Herzen liegt und die einem nicht das Geld aus der Tasche ziehen? Den meisten Organisationen, bei denen man Freiwilligen-Arbeit leisten will, muss man auch noch einen Haufen Geld pro Monat überweisen, also Abzocke. Irgendwelche Erfahrungen oder Berichte? „

 Das einzige, was mir spontan einfiel, war das Armutsnetzwerk, worüber wir in einer der letzten Sendungen berichtet haben. Aber es gibt mit Sicherheit noch mehr Möglichkeiten.

In Bezug auf das Sammeln von Informationen habe ich mir auch einige Gedanken gemacht. Hierzu bestände die Möglichkeit sowohl auf Facebook, als auch auf meinem Blog Datenbanken zu gewissen Themen anzulegen. Diese funktionieren aber nur, wenn sich daran andere Menschen beteiligen. Denn wir ihr euch sicher vorstellen könnt, ist schon die Sendung allein ziemlich viel Arbeit.

In der letzten Sendung ging es um Hausbesetzer. Jemand fragte, ob es solche Projekte auch in seiner Nähe gäbe. Daraufhin entstand die Idee eine Datenbank zu erstellen, auf die jeder zugreifen kann um sich solche Informationen zu besorgen. Ich würde diese Idee gern mit der Sendung verknüpfen, brauche aber Hilfe bei dem Erstellen und Pflegen dieser Datenbanken. Wer daran Interesse hat, darf sich gern melden. 🙂

– Ian Hiob hat meine Veranstaltung zur Sendung bei Facebook entdeckt und erzählte mir daraufhin, dass auch er schon seit längerem an einem solchen Projekt arbeitet.

Natürlich will ich langfristig nicht bei dem Format meiner Sendung bleiben, sondern einen ganzen Fernsehsender auf die Beine stellen, auf der dann rund um die Uhr eine Art Revolution-TV gesendet wird. Das Programm kann dann sehr vielfältig sein, Dokumentationen ausstrahlen, aber eben auch Livesendungen oder Livestreams von Demonstrationen, usw.. Anders als viele bisherige Projekte, die oftmals scheiterten, weil nur geplant aber nicht umgesetzt wurde, gehen wir diesmal den umgekehrten Weg. Das heißt, wir fangen klein an und vergrößern nach und nach. Zunächst einmal ist es dafür wichtig, andere Sendungen und Streamer zu finden und sich zu vernetzen und einander gegenseitig zu unterstützen. Deshalb möchte ich hier gerne auf Ians Live-Sendung aufmerksam machen. Sein Kanal: http://www.livestream.com/hiobIan hat, ähnlich wie ich, ein recht offenes Programm und lässt seine Zuschauer ebenfalls an der Sendung teilnehmen. Sein Themenschwerpunkt liegt allerdings eher auf der mystischen Ebene und beschäftigt sich mit esoterischen Dingen, aber auch mit Ernährung, Gesundheit und allem, was wissenschaftlich nicht einwandfrei bewiesen ist. Obwohl diese Gebiete mich eher nicht so ansprechen, ist ein breites, vielfältiges Fernsehangebot mir sehr wichtig. Seine Sendung läuft alle 14 Tage, immer Freitag Abend um 20:30. Also heute, direkt im Anschluß.

4. Private Gedanken, was mir wichtig erscheint, was gesagt werden sollte (soll auch zur Diskussion anregen)

Um einen guten Übergang in die offene Diskussionsrunde hinzukriegen, aber auch in Bezug auf die letzte Sendung, in der ein Hausbesetzer aus Dresden zur jetzigen Situation der Hausbesetzer-Szene interviewt wurde, möchte ich diese Woche jemanden zu dem Thema befragen, der die Hausbesetzer-Szene in Hamburg bei ihrer Gründung erlebt hat. Wenn wir über revolutionäre Bewegungen sprechen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass diese mal deutlich stärker waren, als jetzt. Auch wenn die Occupy-Bewegung in Deutschland wieder etwas in Gang gebracht hat, so schmunzeln doch viele alte Hasen der Revolution, wissen sie doch, dass es Zeiten gab, wo die revolutionären Strömungen deutlich stärker waren, und eben auch mehr erreicht haben. Für mich ist es eine der dringenstenden Aufgaben, eine Brücke zwischen den jugendlich engagierten Aktivisten und den alten, teils etwas frustierten Hasen der Revolution zu schlagen. Nur wenn dort ein Informationsaustausch auf Augenhöhe stattfindet, haben wir eine Chance, tatsächlich etwas zu bewegen. Denn die Fehler der Vergangenheit müssen von uns nicht wiederholt werden und die positive Einstellung junger Aktivisten a la „Wir können alles schaffen!“ wirkt sich oft sehr motivierend auf diejenigen aus, die aufgrund von zahlreichen, in der Vergangenheit erhaltenen, Rückschlägen etwas desillusioniert auf die Revolution schauen.

Fragen:

– Stell dich doch bitte kurz vor und beschreib uns deine Aktivisten-Laufbahn.

– Hausbesetzungen – Wie wurden sie damals von der Bevölkerung wahrgenommen?

– Wie reagierte der Staat / die Polizei in der Anfangszeit auf die Hausbesetzungen?

– Was war dein schlimmstes Erlebnis mit der Polizei?

– Welche Mittel habt ihr benutzt, um euch gegen Repressionen zu schützen?

– Wie ist deine Meinung über die Polizei im Hinblick auf den Aktivismus?

– Gab es deiner Meinung nach früher mehr Solidarität zwischen den einzelnen Protestgruppen, aber auch international?

– Hinsichtlich der steigenden Wohnungsnot und der Zunahme an politischen Protesten in den letzten Monaten, glaubst du an eine Wiedergeburt der Hausbesetzer-Szene in Deutschland?

– Glaubst du an eine friedliche Revolution?

5. Offene Diskussionsrunde über ein vorher festgelegtes Thema, Abstimmung über dieses Thema läuft dann immer jeweils eine Woche vorher.

Thema: Gibt es die „friedliche Revolution“?

Vorab die Bitte an alle: Nur weil wir unterschiedlicher Meinung sind, müssen wir nicht persönlich werden. Ich bitte alle um einen höflichen Umgangston miteinander.

Zunächst einmal möchte ich hier sehr deutlich meine Position zu dem Thema erläutern, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Für Verfassungsschutz und ähnliche Instrumente des Staates sei gesagt: Die folgende Diskussion ist rein theoretisch und hat zu keinem Zeitpunkt etwas mit Aktionen zu tun, die wir planen.

Ich bin absolut für Frieden und ich begrüße jede friedliche Aktionsform. Der Grund warum ich nicht an die friedliche Revolution glaube, bedeutet also noch lange nicht, dass ich Gewalt gutheiße oder Frieden ablehne. Mir geht es zu allererst einmal um eine Definition des Wortes Gewalt. Ist Sachbeschädigung Gewalt? Nennen wir ein Beispiel: In Spanien und Griechenland werden bei Demos, die durch die Polizei außer Kontrolle gebracht werden, regelmäßig Müllcontainer auf die Straßen gezerrt und angezündet. Der Grund: Der Rauch, der entsteht, neutralisiert das Tränengas. Für mich ist dies Selbstschutz und hat mit Gewalt nichts zu tun. Andere mögen das anders sehen.

Der nächste Punkt, den es zu klären gäbe ist die Notwehr. Mal angenommen ich befinde mich auf einer friedlichen Demonstration mit meinen Freunden oder meiner Familie. Ohne Grund fängt die Polizei an zu prügeln. Ich habe eine Fahnenstange in der Hand und kann durch einen gezielten Schlag meinen Liebsten / Bruder / Vater vor dem Polizeiknüppel retten. Ist das Gewalt?

Und die nächste Frage, die sich mir stellt: Wer spricht von der Gewalt, die der Kapitalismus jedes Jahr auf Millionen von Menschen ausübt, bis in den Tod?

Was mich an der Occupy-Bewegung mehr und mehr stört ist gar nicht ihr friedliches Credo, sondern das Tabuisieren des Themas Gewalt und das Ausblenden der Realität, in der mehr und mehr Menschen unter der Gewalt der Regierungen bis in den Tod gequält werden. Wenn wir von Revolution sprechen wollen, müssen wir uns auch mit der Geschichte der Revolution beschäftigen, um nicht dieselben Fehler erneut zu begehen. Vor allem aber, müssen wir unseren Gegner realistisch einschätzen. Der Kapitalismus hat eine gut gefestigte Struktur überall auf der Welt. Es gibt eine Menge Waffen, die er einsetzen wird, wenn wir ihm gefährlich werden. Die Tatsache, dass die Occupy-Bewegung in den meisten Städten Deutschlands von der Polizei so friedlich behandelt wurde, hat nur einen Grund: Sie war nicht gefährlich. Der Polizei ist genau wie uns eines völlig klar: Wenn der Staat gegenüber Demonstranten überreagiert, stärkt das die Bewegung. Dies nennt man Backlash oder Zuspitzung. Ein Mittel, dass seit zig Jahren von Aktivisten gezielt eingesetzt wurde, siehe als Beispiel, die Occupy-Bewegung in Amerika, auf der Brooklyn Bridge. Dort sollten 700 Aktivisten auf dem Bürgersteig demonstrieren. Sie weigerten sich und liefen auf der Straße. Alle 700 Personen wurden verhaftet, am nächsten Tag hatte sich die Bewegung vervielfacht. Hierbei gilt es noch zu beachten, dass illegale Aktionen nicht zwangsläufig Gewalt bedeuten. Denn das Laufen auf der Straße ist eindeutig ein gewaltfreier Akt, aber aufgrund der Tatsache, dass die Polizei befohlen hatte, auf dem Bürgersteig zu laufen, eben illegal!

Zum Thema Gewalt kann ich keine Quellenangaben geben, da es eine Fülle von Arbeit, die ich allein leider nicht bewerkstelligen kann, benötigen würde, um aufzuzeigen, warum in der Vergangenheit „friedliche“ Revolutionen gescheitert sind. Wer sich selbst informieren will, kann nach folgenden Punkten Ausschau halten:

– Ghandi, er schaffte sein größtes Ziel nicht, nämlich die Abschaffung des Kastensystems, welches bekanntlich in Indien noch heute existiert.

– Martin Luther King, der ermordet wurde, als seine Bewegung so stark wurde, dass sie für Staat und Kapital eine Gefahr darstellte.

– Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die eine ähnliche Geschichte, wie Martin Luther King aufweisen

– jüngstes Beispiel: Anschläge auf Occupy Wall Street Aktivisten

zumindest Teilerfolge hingegen konnten folgende (gewaltbereite) Gruppen verzeichnen:

– EZLN in Mexiko

– spanische Anarchisten im Bürgerkrieg

– Hausbesetzer-Szene in den achtziger Jahren, und auch heute, in z.B. Griechenland

– Antifa / autonome Szene, z.B. bei der Verhinderung von Nazi-Aufmärschen

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