#Twitter – Mehr #Follower*Innen, aber wie?


Hier der 2. Artikel zum Thema Twitter, und wie wir es sinnvoll und effektiv für die Revolution nutzen können.

Grundsätzlich gilt natürlich die Regel: „Je mehr Leute mir folgen, desto weiter meine Reichweite.“ Wenn wir also aus journalistischer, kapitalistischer Sichtweise an Twitter herangehen ist dies die logische, erste Regel. Ich würde diese Regel gern ein wenig überarbeiten und erweitern.

1. Klasse statt Masse

Wir sollten mehr Follower*Innen bekommen, weil wir qualitativ hochwertige, frische Informationen liefern. Natürlich hat man im Kapitalismus auch die Möglichkeit sich Follower*Innen zu kaufen. Ob das sinnvoll ist, muss ich hoffentlich hier nicht näher analysieren. 😉 Was heißt also qualitativ hochwertig und „frisch“?

Im Internet finden sich viele Falschmeldungen und unseriöse Nachrichten. Das ist auch bei Twitter nicht anders. Daher gilt es Informationen genau zu prüfen. Wie das geht, könnt ihr hier lesen. „Frisch“ heißt, dass wir im besten Falle die ersten sind, die diese Nachricht in unserer Sprache ins Netz stellen. Wie kommen wir an diese „frischen“ Nachrichten? Das ist natürlich viel Arbeit. Auch dazu bin ich in meinem 1. Artikel zum Thema Twitter schon eingegangen. Kurz: Man sucht sich seriöse Quellen, die direkt vor Ort sind und übersetzt die Tweets aus ihrer Landessprache ins Deutsche. TweetDeck bietet das sogar als integrierte Funktion an.

2. Warum eigentlich diese Hashtags?

Die Hashtags sind sogenannte Schlagworte. Je besser ein Tweet verschlagwortet ist, umso häufiger taucht er in einem Suchergebnis auf. Dies impliziert, dass dein Account von mehr Leuten wahrgenommen wird. Ein Beispiel zu den aktuellen Vorfällen in Brasilien. Ich kennzeichne fast alle Tweets dazu mit #Brasilien. Warum? Gehen wir davon aus, jemand sucht nach dem Hashtag Brasilien, weil er/sie gerne nächste Woche in den Urlaub fliegen will. Er/Sie wird auf meine Tweets stoßen und so einen politischen Inhalt wahrnehmen, den er/sie eigentlich gar nicht gesucht hat, der ihn/sie aber vielleicht interessiert. Im besten Falle folgt der/diejenige mir und erfährt so natürlich noch von anderen politischen Themen, über die ich berichte.

3. Gegenseitige Unterstützung statt Konkurrenz

Auf Twitter gibt es einige Möglichkeiten sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Beispiel ist der sogenannte „Followerfriday“. Jeden Freitag werden unter dem Hashtag #ff die eigenen Lieblings-Accounts aufgezählt, deren Tweets man am interessantesten findet. Auch das „Zitieren“ ist eine Möglichkeit andere Accounts zu pushen. Ein Beispiel:

Jemand twittert live von einer Veranstaltung über Nazis in sozialen Netzwerken. Ich kopiere den Tweet, erwähne den/diejenige und übermittle meinen Follower*Innen nicht nur das Wissen, was in dieser Veranstaltung gerade geteilt wird, sondern zeige ihnen auch noch den Account, dem sie folgen können, wenn sie mehr darüber erfahren möchten.

Ein weiteres Beispiel:

Gestern gab es in Berlin eine Demo vom Refugeecamp am Oranienplatz. Der Grund: Ein Flüchtling wurde mit einem Messer attackiert, danach folgten stundenlange, rassistische Repressionen der Polizei gegen die Flüchtlinge. @Telegehirn twitterte live von der Demo. Als ich dies bemerkte schrieb ich einen Tweet an meine Follower*Innen, sie sollten ihm doch bitte folgen, wenn sie Infos über die gerade stattfindende Demo haben wollten.

4. Wechselseitige Kommunikation

Twitter ist kein Medium wie das Fernsehen oder die Zeitung. Bei Twitter wird in beide Richtungen kommuniziert. Der Sender schickt Informationen an den Empfänger. Dieser hat aber die Möglichkeit Rückfragen zu stellen.  Diese Rückfragen sind genau der Teil der neuen Medien, die sie so spannend für Aktivist*Innen machen und der uns auch dabei helfen kann, mehr Follower*Innen zu bekommen. Hierbei kommt es weniger darauf an, alles zu wissen, aber dafür zeitnah, freundlich und möglichst effizient zu antworten. Der Reiz bei dieser Art der Kommunikation: Wir können in Echtzeit mit einem Geschehen am anderen Ende der Welt kommunizieren. Hierbei sollten wir aber auf einige Dinge achten.

  • Mit wem kommuniziere ich da eigentlich? In der heutigen Zeit, in der ohne eigenständiges Hinterfragen ständig Bilder bei Facebook im Sekundentakt geteilt werden, ist die Benutzung von Twitter von vielen User*Innen in meinen Augen ebenfalls zu wenig kritisch hinterfragt. Bevor ich jemanden in einem Tweet erwähne schaue ich mir sein/ihr Profil an. Das impliziert auch Unterhaltungen, oder wenn ich auf Tweets in denen mehr als eine Person erwähnt wird, eine Rückfrage habe. Warum das Ganze? Erstens, will ich nicht mit jedem kommunizieren, dafür gibt es im Netz einfach zu viele Spinner*Innen. Zweitens, will ich niemandem, der gerade auf der Straße in eventuell heikle Situationen verwickelt ist, den zusätzlichen Stress aufbürden in Tweets erwähnt zu werden, die für ihn in seiner Situation völlig irrelevant sind. Twitter wird nämlich in vielen Ländern auch zur Organisation von Kleingruppen, die sich auf Aktionen oder Demos bilden, benutzt. So ist die Spalte „Erwähnungen“ für viele Aktivist*Innen auf der Straße im schlimmsten Falle überlebenswichtig. Auch wenn dies in Deutschland wahrscheinlich in den seltensten Fällen zutrifft, so sehen doch auch wir uns immer stärkeren Repressionen ausgesetzt und ich finde, wir tun gut daran, uns bestmöglich darauf vorzubereiten.

 

  • Welche Sprache benutze ich? Grundsätzlich gilt in der digitalen Revolution, einen Brocken Englisch hat fast jede/r drauf. Auch wenn Englisch nicht die Sprache ist, die von den meisten Menschen auf der Welt gesprochen wird, so ist sie doch die Weltsprache die gerade im Internet für globale Kommunikation wohl am häufigsten benutzt wird. Hat man also Fragen an eine Quelle außerhalb Deutschlands, sollte man es mit Englisch versuchen.

 

  • Fragen sollte man nur stellen, wenn man selbst nicht in der Lage ist, die Antwort zu finden. Speziell die Aktivist*Innen, die von der Straße von Demos und Aktionen live twittern, sollte man nicht mehr als nötig belasten. Sehr häufig bekomme ich sehr banale Fragen gestellt, die der/die User*In sich innerhalb von wenigen Klicks hätte selbst beantworten können, in dem er/sie z.B. das Hashtag verfolgt. Doch in Zeiten des Neoliberalismus und des Konsumdenkens ist autonomes Denken und Handeln leider nicht mehr selbstverständlich. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, viele wissen es schlichtweg nicht besser. Sie sind also nicht faul, im Sinne des ‚Informationen mit so wenig Aufwand wie möglich zu konsumieren‘, sondern sie haben gar keine Vorstellung mehr davon, wie man sich Informationen selbst besorgt.  Doch gerade das sollten wir uns alle wieder angewöhnen, damit wir mehr seriöse Quellen im Netz schaffen und die Kommunikation ausbauen können.

5. Privat und Beruflich?

Ich twittere so gut wie nichts Privates über meinen „offiziellen“ Account @Anon_Victory. Dafür habe ich mir einen zusätzlichen, geschützten Account angeschafft. Wenn ich Leuten folge, weil sie über ein bestimmtes Thema, was mich interessiert, twittern, aber ständig auch private Tweets über „Belanglosigkeiten“ schreiben, entfolge ich meistens schnell wieder.

6. Retweets

Vorsicht mit der Retweet-Taste! So ein Retweet ist schnell gemacht, spült aber all meinen Follower*Innen den Text in die eigene Timeline. Es ist also, auch wenn es deutlich schneller geht, im Grunde nichts anderes als ein eigener Tweet. Es sollte uns nicht darauf ankommen, so viele Tweets wie möglich zu schreiben, sondern qualitativ eine ausgewogene Mischung über Themenfelder zu bieten, die uns selbst interessieren, bzw. die wir für wichtig halten.

7. Themen und Beschreibung

In der heutigen Zeit gibt es so viele Dinge, über die getwittert werden könnte, dass ich höchstwahrscheinlich alle fünf Sekunden einen Tweet senden müsste und trotzdem nicht alles abgedeckt hätte. Da diese Arbeit weder von einer Person alleine machbar ist, noch die Follower*Innen besonders erfreut wären über so eine Flut von Tweets, muss ich mich auf einige Themen beschränken und diese sollten wenn möglich auch in der Beschreibung meines Accounts sichtbar sein. So können potentielle Follower*Innen sofort erkennen, warum sie mir folgen, bzw. nicht folgen sollten. 🙂

 

Bei Fragen, Anmerkungen, Kritik stehe ich jederzeit zur Verfügung. Hier, auf Twitter und unter viktoriaocc@gmail.com.

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