#Twitter und die #TT (Top Trends)


Hier möchte ich zunächst einmal erklären was die Top Trends eigentlich sind, wie sie ermittelt werden und welche Besonderheiten es zu beachten gilt. Im zweiten Teil möchte ich dann erläutern, wie wir Top Trends für die Revolution nutzen können, ob und wann man sie künstlich erzeugen sollte und wie das organisiert wird.

Was sind die Top Trends?

Die Top Trends gibt es in verschiedener Form. Zunächst einmal die von Twitter selbst. Die sind auf der Startseite links unten aufgelistet. Dort kann man auch selbst einstellen, ob man die Deutschland-Trends angezeigt bekommt, die weltweiten oder die aus anderen Ländern. Es lässt sich sogar in Großstädte eingrenzen.

Eine zuverlässigere Quelle ist die Internetseite trendsmap.com. Dort kann man z.B. für Deutschland die aktuellen Trends sehen. Aber auch hier kann man sogar städtebezogen suchen. Warum ist diese Seite zuverlässiger? Das liegt daran, dass die Trends bei trendsmap.com langfristig analysiert werden. Es trendet das Hashtag, welches über einen längeren Zeitraum von vielen User*Innen benutzt wird. Das ist natürlich viel interessanter, da man dort eher erkennen kann, was Menschen über einen längeren Zeitraum beschäftigt. Der Unterschied zu den Top Trends auf Twitter: Twitter analysiert „marktkonform“. In der heutigen, schnelllebigen Konsumwelt wechseln diese Top Trends alle paar Minuten, da sich die User*Innen selten länger mit etwas beschäftigen, weil es schlicht nicht mehr Tiefe hat. Ein Beispiel: #JustinBieber. Er wird immer dann in den Top Trends bei Twitter auftauchen, wenn gerade eine neue Single oder ein kleiner Skandal draußen ist, ansonsten aber eher nicht. Das Hashtag #Hochwasser oder auch #Blockupy war über Tage, sogar Wochen in den Top Trends auf trendsmap.com, weil es Leuten über einen langen Zeitraum so wichtig war, dass sie möglichst viele Informationen darüber verbreiten wollten.

Spannende Phänomene

Grundsätzlich sollte man die Top Trends immer im Auge behalten, da es auch so spannende Phänomene wie #IchBinLinksextrem, #RiotImAlltag oder #ImCoolstenLandDerWelt gibt. Das sind sogenannte unkoordiniert, spontan auftauchende Hashtags, die oft humorvoll gesellschafts- und systemkritische Inhalte ohne Fachsprache enthalten, welche sich vornehmlich an politisch bereits interessierte Leute, aber auch an Skeptiker*Innen richten. Außerdem zeigt man sich dadurch offen politisch im Netz und solidarisiert sich mit anderen, die das ebenfalls tun. Es hat also auch noch den Unterstützer*Inneneffekt, den man nicht unterschätzen sollte. Nur wer positive Dinge erlebt und Bestätigung für seine/ihre Arbeit erfährt, wird dauerhaft am Ball bleiben. 😉

Konsumorientierte Hashtags stören

Ich mache das immer mal wieder mit großer Freude, wenn mir ein Top Trend Hashtag besonders sauer aufstößt, oder in einem Land gerade etwas sehr wichtiges passiert und unsere Mainstream Presse leider nicht live vor Ort ist. Trendet ein Hashtag auf Twitter ist die konsumorientierte Masse schnell dabei. Denn viele nutzen jedes Mittel um Aufmerksamkeit zu erringen und wollen sich natürlich genau wie wir, vernetzen, um z.B. über jedes Justin Bieber Konzert informiert zu werden und die Farbe des Schlüpfers, den man getragen auf die Bühne wirft, mit möglichst vielen Fans abzustimmen.

Sobald also ein konsumorientiertes Hashtag trendet sind da immer auch genug, die nicht nur selbst unter diesem Hashtag twittern, sondern es auch bei Twitter über die Suchfunktion verfolgen, um zu lesen, was andere zu dem Thema zu sagen haben. Twittert man also:

Während in der #Türkei Menschen von der #Polizei mit Chemikalien besprüht werden, twittert #Deutschland lieber über #JustinBieber! :-/

kann man davon ausgehen, dass einige Justin Bieber-Fans dies zumindest unbewusst wahrnehmen und man stößt eventuell einen Denkprozess an, wenn wie in diesem Falle z.B. eine junge Deutsch-Türkin den Tweet liest, die davon bisher nichts mitbekommen hatte, aber Familie in der Türkei hat.

Die richtigen Top Trend-Hashtags pushen

Wann immer ihr die Möglichkeit und die Zeit habt, für euch wichtige Top Trend-Hashtags zu pushen, dann legt los. Hierfür empfehlen sich mehrere Accounts, aber es geht natürlich auch mit einem. Als Beispiel „Der Fall Mollath“:

Ich habe mich schon früh mit Mollath beschäftigt, wusste, dass sich daraus irgendwann ein Skandal entwickelt, habe aber für mich festgestellt, dass ich mich nicht auf dieses Thema konzentrieren kann. Ich habe nicht viel Fachwissen über juristische Urteile und ich komme nicht aus Bayern. Daher habe ich entschieden das Hashtag nur zu verfolgen und gelegentlich andere Accounts zu retweeten. Als das Hashtag aber vor einigen Tagen trendete, schickte ich selbst einige Tweets mit #Mollath los, um meinen Follower*Innen zu zeigen, dass ich das Thema für sehr wichtig halte und sie natürlich dazu anrege, das Hashtag ebenfalls zu benutzen, wodurch es sich länger in den Top Trends von Twitter und von trendsmap.com hält.

Top Trend-Hashtags künstlich erzeugen

Auch das wird auf Twitter immer wieder gern gemacht, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Im Grunde ist es abhängig davon, wie wichtig das Thema ist, wie gut das Netzwerk ist, welches die Aktion unterstützt und wie sich zur Zeit des künstlichen Erzeugens die anderen Top Trends verhalten.

Weltweit gibt es ein autonomes Netzwerk von Twitter*Innen, welches sich immer mal wieder mit immer unterschiedlicher Aufstellung auf Pads trifft, um diese Top Trends zu erzeugen.

Will man in dieses Netzwerk hinein ist aktive Arbeit und Interesse an globalen Netzwerken gefragt. Bekommt man also von einem künstlich erzeugten Hashtag mit, sollte man sich auf jeden Fall daran beteiligen und den Accounts, die es unterstützen, folgen. Nach der Aktion kann man sein Interesse signalisieren und darum bitten bei der nächsten Aktion informiert zu werden.

Wie organisiert sich dieses Netzwerk? Ich würde es wohl die Schwarmintelligenz nennen. Oftmals haben einige wenige Twitter*Innen die Idee einen sogenannten „Tweetstorm“ zu erzeugen. Dann wird ein Pad erstellt, auf dem in verschiedenen Sprachen alles mögliche eingetragen wird. So sieht das dann fertig aus. Dann wird per DM (Direct Message – Private Nachricht) der Link mit einem kurzen Text an vertrauenswürdige Personen auf Twitter verschickt. Bewegt man sich auf Twitter in der internationalen, digitalen Welt, so stellt sich schnell auch eine internationale Vernetzung her. Man hat also im besten, theoretischen Fall in jeder großen Stadt der Welt einen vertrauenswürdigen Account, der wiederum in seiner Stadt Vernetzungen in alle aktiven, linken Gruppen hat.

Dann wird der Link zu diesem Pad über das Netzwerk verbreitet. Dies passiert im Normalfall innerhalb weniger als 2 Tagen, da die künstlich erzeugten Hashtags oft etwas thematisieren, was in den Main Stream Medien mal wieder zu kurz kommt und daher keine lange Vorbereitungszeit wegen der Aktualität erlauben. Der größte Tweetstorm, den ich selbst mitorganisiert habe, hatte über 90 eingetragene Teilnehmer, viele von ihnen verfügen über mehrere Accounts, die nicht verzeichnet werden, bzw. können sehr schnell sehr viele Follower*Innen mobilisieren. Ich habe leider keine Statistiken über die Aktion, aber das Hashtag hielt sich selbst auf Twitter.com über stunden in den weltweiten Trends und es trendete lange in vielen europäischen Ländern, inklusive Deutschland.

Das Thema muss möglichst vielen Aktivist*Innen sehr wichtig sein, denn gerade diejenigen, die viel Zeit im Netz für die Revolution verbringen, haben oft sehr viele Projekte an denen sie arbeiten. Daher kann man sich unmöglich an allen Tweetstorms beteiligen. Außerdem sollten diese Aktionen nicht inflationär missbraucht werden. Die Arbeit ist ziemlich aufwendig, das Ergebnis sollte nicht überbewertet werden. Passiert es ständig, ist es irgendwann nichts Besonderes mehr und die Aufmerksamkeit wird abnehmen.

Abschließend sei gesagt, auch die Top Trends können wir sinnvoll für die Revolution benutzen, aber wir sollten uns genau überlegen wie wir das möglichst effizient tun. Wichtig sind aber vor allem gut verschlagwortete Tweets (mit vielen Hashtags versehene Tweets), denn sie beeinflussen die Top Trends tatsächlich real und direkt.

Falls ihr noch Fragen, Anmerkungen, Kritik oder Ergänzungen loswerden wollt, erreicht ihr mich hier, über Twitter und unter viktoriaocc@gmail.com! 🙂

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

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