1. Teil – #Hamburg vor der Demo #HH2112 #RoteFlora #LampedusaHH


Um wirklich einen umfassenden Bericht über meinen Aufenthalt in Hamburg und das was dort passiert ist abzugeben, habe ich mich dazu entschieden den Artikel in vier Teile zu untergliedern. Wer also nur Interesse an einem bestimmten Part meines Artikels hat, ist nicht gezwungen sich alles durchzulesen.

2. Teil „Die Demo“:

3. Teil „Die Autonomen“:

4. Teil „Militanz?“:

Anreise und Ankunft

Wir fuhren am Donnerstag Mittag aus Wuppertal nach Hamburg. Aus verschiedenen Gründen wollten wir schon ein paar Tage früher in Hamburg sein. Zum einen wollten wir möglichen Kontrollen entgehen, zum anderen wollten wir uns die Stadt und die Demo-Route genau anschauen.

Über eine Freundin bekamen wir einen Schlafplatz in einem sozialen Zentrum vermittelt, was auch die Demo unterstützte. Wir kamen abends an, nachdem wir erst noch eine Reifenpanne mitten auf der Autobahn hatten und wurden sehr herzlich empfangen. Unser Schlafplatz war ein Raum, der zu einer kleinen Turnhalle umfunktioniert worden war. Ein Tanzboden, eine Spiegelwand, Boxsäcke, Fitnessgeräte und Yoga-Matten erblickten wir, als wir die quietschende Tür öffneten. Es sollten noch mehr Leute hier untergebracht werden, aber die sollten alle erst am nächsten Tag eintreffen. Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten, gingen wir runter in den Aufenthaltsraum und wurden von allen sehr warm und herzlich empfangen. Als die Leute erfuhren, dass wir extra aus Wuppertal für die Demo angereist waren, wurde uns von vielen gedankt. Ob wir etwas essen wollten, wurden wir dann auch direkt gefragt, es gäbe ein veganes Drei-Gänge-Menü gegen Spende. Gott sei Dank hatten wir Hunger, denn das Essen konnte mit dem aus einem guten Restaurant locker mithalten.

Hier ein Bild vom Nachtisch:

Nachtisch

Hamburgs revolutionäres Herz

Die Atmosphäre dort war so unglaublich, dass mir heute noch ein wohliger Schauer über den Rücken läuft, wenn ich an die letzten Tage dort denke. Mit viel Liebe zum Detail waren die Räume gestaltet, aus dem Fenster vorne hing ein Solidaritäts-Banner für die Lampedusa-Flüchtlinge und selbst die Toiletten waren blitzsauber, es stand sogar eine Schüssel mit Tampons auf der Damen-Toilette. Kurz gesagt, ich fühlte mich sofort zu Hause. Der große Vorteil war, dass das soziale Zentrum ziemlich abseits von der Schanze, St Pauli und der Innenstadt lag. So konnten wir relativ sicher sein, dass wir einen sicheren Rückzugspunkt hatten, an dem wir die Nacht nach der Demo ohne Polizei-Angriffe überstehen würden.

Wir gingen alle relativ früh ins Bett. Erstens waren wir von der Fahrt müde und hatten die Nacht davor wenig geschlafen, zweitens wollten wir uns ja in Ruhe die Stadt angucken.

Seltsame Entdeckungen

Am nächsten Tag holte uns die Freundin, die uns auch den Schlafplatz vermittelt hatte, ab und wir fuhren als erstes in die Schanze um einen Blick auf die Rote Flora zu werfen. Das Gebäude ist wirklich beeindruckend. Es ist ein altes Theater und genauso sieht es auch aus. Bis auf die Tatsache, dass die Wände mit Plakaten, Graffitis und Aufklebern übersäht sind und dass der Vordereingang zugemauert ist. Dort können sich, auf den Treppen davor, die überdacht sind, auch die Obdachlosen aufhalten und schlafen und sind zumindest ein wenig geschützt vor Wind, Wetter und Polizei.

Rote Flora

Wir liefen die gesamte Demo-Route einmal ab und machten einige interessante Entdeckungen. Außerhalb der Schanze war die Demo-Route durch die Polizei überhaupt nicht gesichert worden. Vor den Esso-Häusern stand nur ein dünner Zaun, überall auf der Route waren Baustellen, die von der Polizei vorher hätten gesichert werden müssen und nirgendwo war ein Schild zu lesen auf dem die Anwohner*Innen gebeten wurden, ihre Autos am 21.12. dort nicht zu parken.

Die Esso-Häuser, einen Tag vor der Demo
Die Esso-Häuser, einen Tag vor der Demo

Ähnlich wie also schon bei Blockupy verriet sich die Polizei ganz offensichtlich selbst im Vorhinein. Sie hatte nicht vor, egal ob vom Gericht erlaubt, oder nicht, die Demo jemals aus der Schanze kommen zu lassen. Außerdem fanden wir es äußerst auffällig, dass überhaupt keine Bullen unterwegs waren. Außer einer großen Menge Zivis sahen wir in den ganzen Stunden in denen wir in der Schanze, in der Innenstadt, auf St Pauli und in Altona waren, nur sieben Polizeiwagen. Für eine Großstadt wie Hamburg ist das mehr als nur seltsam.

Letzte Vorbereitungen, erste Aktionen

Abends trafen wir dann noch sechs Freunde aus NRW vor der Flora, in der um 20:00 Uhr noch ein letztes Treffen stattfinden sollte. Da wir noch etwas Zeit hatten, suchten wir uns eine Kneipe und bequatschten mit unseren Leuten die Situation. Die Kneipe, die einer Seitenstraße der Schanzenstraße liegt, fiel uns direkt auf, weil einige linke Aufkleber am Türrahmen klebten und eine große „Fritzz-Cola“-Werbung im Fenster hing. Die Kellnerin erzählte uns dann auch, während wir mit ihr draußen vor der Tür standen und rauchten, dass die Kneipe morgen den ganzen Tag über bis in die Nacht geöffnet und ein möglicher Fluchtpunkt für Demonstrant*Innen sei.

Bannerdrop FCKSPD
Hier grüßt der Ruhrpott die Lampedusa-Flüchtlinge auf der Brücke direkt an der Roten Flora

Um 20:00 Uhr erfuhren wir in der Flora dann noch ein paar Details über die Demo, vom EA (Ermittlungsausschuss) und über das Programm am Abend nach der Demo. Am Ende wurde dann noch eine Sponti erwähnt, die gleich vom St Pauli-Stadion losgehen sollte. Jemand sagte zu mir: „Da gehe ich hin. Nachdem wir uns heute die Route angesehen haben, wissen wir, dass morgen die Bullen alles entscheiden. Heute Abend entscheiden wir.“ Und genauso kam es dann auch. Eine Gruppe von 300-400 Personen griff die Davidswache in St Pauli an und entglaste sie vollständig. Außerdem mussten auch einige Polizei-Autos dran glauben. Die Bullen, die von dem Angriff seltsamerweise völlig überrascht wurden, waren über Minuten hinweg nicht in der Lage ihre Wache zu verteidigen. Warum es für viele aus der autonomen Szene Sinn macht, Polizeiwachen, Geschäfte großer Konzerne, Banken und Job-Center anzugreifen, könnt ihr im vierten Teil „Militanz?“ lesen.

Davidswache
Hier versuchen die Bullen ihre Wache auf St Pauli zu verteidigen.

Wieder zurück in dem sozialen Zentrum warteten wir auf die restlichen Leute, die sich angekündigt hatten heute noch nach Hamburg zu reisen und einen Schlafplatz brauchten. Irgendwann um drei Uhr nachts waren dann endlich alle da und wir schliefen mit ca. 40 Leuten in einem Raum, in dem der komplette Boden von uns belegt war. Eng, aber kuschelig! 😉

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

8 Kommentare zu „1. Teil – #Hamburg vor der Demo #HH2112 #RoteFlora #LampedusaHH“

  1. hi leute, hier Vero. Ihr wart super Gäste und wir freuen uns sehr wenn ihr wieder kommt. hab deinen Beitrag grad gelesen und freu mich sehr über die positive Rückmeldung. Ihr seid immer wieder gern wilkommen. Ne richtige Stellungnahme bekommt ihr nächstes Jahr. wIr sind grad noch voll in der Nachbereitung und hoffen dass es nächstes Mal noch schöner für uns alle wird. Ps. am zweiten Juliewochenende organisieren wir hier wieder unser eigenes kleines Festival (Wutzrock). Wenn Ihr mal nur für den Spaß kommen wollt dann ist das der Richtige Moment.

    1. Hallo Vero,
      vielen Dank für deinen netten Kommentar und natürlich für die Einladung. Für uns steht jetzt schon fest, dass #HH2112 nicht der letzte Besuch in Hamburg war. Sobald wir es finanziell und zeitlich einrichten können, kommen wir wieder und würden uns natürlich sehr freuen, wieder bei euch unterschlüpfen zu dürfen! 🙂

      Ganz herzliche Grüße an alle und nochmals vielen Dank für eure Unterstützung… ❤

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