#Antifa-Soli-Demo für die #Ukraine in #Wuppertal, 10.05.2014


Am 10. Mai 2014 gab es in Wuppertal eine Antifa-Soli-Demo für die Ukraine, organisiert von den Eisbrecher Wuppertal. Um auf die katastrophalen Umstände aufmerksam zu machen, unter denen linke, kommunistische und antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen zur Zeit in der Ukraine leben zu müssen, sollte es in Wuppertal eine Demonstration geben. Es war breit mobilisiert worden und bereits im Vorfeld gab es zahlreiche Rückmeldungen und großes Interesse für das Thema.

Leider entschieden die Nazis in Dortmund zwei Tage vor dem 10. Mai in der traditionell linken Hochburg von Dortmund, die Nordstadt, eine Kundgebung abzuhalten. Außerdem fand am selben Tag in Aachen eine antirassistische Demo statt und dann machte uns das Wetter auch noch einen Strich durch die Rechnung. Es regnete wie aus Eimern. Zusätzlich schikanierte uns die Polizei bei der Anmeldung und bestand darauf, dass wir den ursprünglich geplanten Auftakt-Kundgebungsort änderten. Auf dem Platz vor den City Arkaden gab es an diesem Tag bereits mehrere Infostände und die Polizei befürchtete wohl Komplikationen. Daher sammelten wir uns am Kerstenplatz, ca. 500 Meter entfernt von der Alte Freiheit, dem ursprünglichen Treffpunkt.

Auftakt
Auftakt-Kundgebung auf dem Kerstenplatz

Trotzdem kamen ca. 60 Personen zusammen, um gemeinsam zu zeigen, „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ Erstaunlich waren zum einen die vielen neuen Gesichter auf der Demo. Von älteren Damen mit Handtaschen, die gemeinsam mit den jungen Autonomen die Banner trugen, über Jugendliche im Hippie-Style bis hin zu den „üblichen Verdächtigen“, die man auf jeder Demo sieht, war alles dabei. Von den Passant*Innen gab es sehr viel Aufmerksamkeit und Interesse. Es schien fast so, als wären sie erleichtert darüber, dass sich endlich jemand dieses Themas annimmt. Als ich vor dem Beginn der Demo auf der Alte Freiheit einmal einen kurzen Text vorlas, um eventuell Interessierte zum Kerstenplatz zu mobilisieren, kam anschließend eine ältere Frau auf mich zu und sagte mit tränenerstickter Stimme: „Danke, dass ihr das macht. Ich hab schon gedacht, niemand bemerkt, was dort passiert. Ich bin Ukrainierin.“

Die Polizei hielt sich während der gesamten Demo sehr zurück. Sie begleitete uns mit einer Wanne vor der Demo und einer dahinter und regelte ansonsten nur den Verkehr. Offenbar schien ihnen hier eine Provokation unangebracht, nicht zuletzt weil wir eine Gedenk-Minute für die Opfer des Faschismus im Derweerth’schen Garten angemeldet hatten.

Bei der Auftakt-Kundgebung gab es verschiedene Redebeiträge und immer wieder blieben zahlreiche Passant*Innen stehen und lauschten beinahe andächtig, was wir zu erzählen hatten. In vielen Gesichtern konnte man das Entsetzen sehen, als wir über den faschistischen Angriff auf das Gewerkschaftshaus in Odessa berichteten. Schließlich zog die Demo im strömenden Regen zum SPD-Büro, wo jemand von der VVN Wuppertal einen Redebeitrage hielt, in dem er unter anderem erwähnte, dass Geistes- und Sozialwissenschaftler der Heinrich-Böll-Stiftung bereits um Stillschweigen zum Thema Ukraine gebeten hatten. Hier findet ihr die komplette Rede des VVN.

Demo
Demo auf der Hochstraße Richtung Otto-Böhne-Platz

Dann ging es weiter zum Otto-Böhne-Platz, wo ein Aktivist einen Redebeitrag über die im Nazi-Regime verfolgten Aktivisten Otto Böhne und Hermann Steinacker hielt. Anschließend hatte die Demo erst einmal jeden Schwung verloren. Die tragischen Ereignisse von damals ließen auch die jungen Autonomen einen Moment innehalten und nachdenklich werden. Mit zahlreichen Slogans, die sich nicht alle nur auf die Ukraine bezogen, sondern auch das Thema Flüchtlinge, Abschiebungen und andere antifaschistische Inhalte enthielten, zog die Demo dann bis zum Derweerth’schen Garten, wo es noch mal einen Redebeitrag über die Verbrechen des Nazi-Regimes in Wuppertal gab, in Bezug auf die Zwangsarbeiter*Innen, und eine Schweige-Minute, in der den Opfern des Faschismus damals und heute gedacht wurde.

Abschlusskundgebung
Abschlusskundgebung inklusive Gedenk-Minute am Mahnmal für die Opfer des National-Sozialismus

Insgesamt gesehen war die Demo ein Erfolg, auch wenn die Teilnehmer*Innen-Zahl durch die verschiedenen Umstände so gering ausgefallen ist. Vor allem das große Interesse der Passant*Innen ist positiv zu bewerten. Es scheint, als hätten wir einen Nerv getroffen und damit auch aufgezeigt, dass die sogenannte freie Presse ihrer Aufgabe objektiv zu informieren nicht ausreichend nachkommt.

Das Thema Ukraine ist damit nicht erledigt. Viel mehr war diese Demonstration nur ein erster Schritt. Wir brauchen Mahnwachen, Informations-Veranstaltungen und vor allem ein breites Bündnis, welches sich klar gegen Krieg und Faschismus positioniert. Auf keinen Fall dürfen wir dieses Thema der Montagsquerfront überlassen. Viel mehr müssen wir versuchen der Kriegsangst der Bevölkerung mit guten, linken Inhalten zu begegnen und aufzeigen, dass die Aussagen der Querfrontler*Innen einer kritischen Analyse nicht standhalten. Antifaschismus ist heute genauso notwendig wie damals und bedarf gerade in der jetzigen Situation, in der Europa immer weiter nach rechts rückt, einer starken, gruppenübergreifenden Bewegung.

NIE WIEDER KRIEG!

NIE WIEDER FASCHISMUS!

NICHT EINEN TROPFEN BLUT FÜR „DIE NATION“!

Hier findet ihr noch einen zweiten Bericht über die Demo vom Soli-Komitee Wuppertal.

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

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