18.01.2015 Die Anreise oder auch „It’s a loooooooong way from Kaltland to La Gomera!“


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Guten Morgen ihr Lieben! Wir starten aus dem verschneiten Wuppertal um 10:00 Uhr Richtung La Gomera. Mit Gepäck ab in den Bus, zum Wuppertaler Hauptbahnhof, von dem ich leider keine Vorher-Nachher-Fotos gemacht habe. Ich konnte ja nicht ahnen, was die dort innerhalb von 4 Wochen fabrizieren. Lang lebe der Döppersberg! Er wird uns noch tiefer in die Schuldenfalle (Uuuuuuuuuuuuh, grusel) treiben und die Bevölkerung in den Wahnsinn! Doch dazu an anderer Stelle mehr…

Entgegen aller Voraussagungen und Ahnungen unsererseits und dementsprechend gut kalkulierter Reisezeit zeigte sich die Deutsche Bahn von ihrer Schokoladenseite und bescherte uns eine vollkommen stressfreie und zügige Reise zum Flughafen Köln/Bonn. Dort erwartete uns Gemütlichkeit und nette Menschen in entspannter Atmosphäre! Haha, kleiner Scherz. Flughäfen sind für mich als linksradikaler Hippie eine gute Möglichkeit meine Nerven zu testen.

Erst mal einchecken. Während wir mit Panik in den Gesichtern die Waage betrachten (Hoffentlich hat die Waage zu Hause nicht gelogen!), schreit ein paar Meter hinter uns ein Typ an irgendeinem Schalter irgendeine gelangweilt aussehende Frau an. Es geht um seine Familie, da müsse er doch jetzt nicht irgendwelche Dokumente dabei haben. Die gelangweilt aussehende Frau spult gelangweilt ab, was sie in der Schulung gelernt hat. „Nach Paragraf 432B, Artikel 5, Absatz 34 unserer Geschäftsordung…“ Ihr kennt das. Der Mann redet sich verständlicherweise, wie ich finde, immer mehr in Rage. Das Sicherheitspersonal wird gerufen, alle schauen sich die Szene mit verächtlichem Blick an. „Wie peinlich, dass der Mann da so offen seine Emotionen auslebt. Das kriegen ja alle mit!“ Ach, die gut erzogenen Lehrlinge von Margaret Thatchers „There is no such thing as society!“ erfreuen mich jedes Mal, wenn sie in Rudeln auftreten.

Bevor ich zu dem Mann rübergehen will, um ihn zu unterstützen ist die Krawall-Kröte (So nennt sich mein Mann gelegentlich selbst) mit dem Einchecken fertig und wir müssen weiter zur nächsten Station, dem Nackt-Scanner. Ich bleibe ganz ruhig und atme wie ich es vorher geübt habe. „Scheiß-Drecks-Überwachungssystem, was krebserregend ist und nicht ein bißchen irgendwelchen Terror verhindert, sondern nur dazu da ist uns noch besser drangsalieren und kontrollieren zu können. Du dusselige Kuh, nimm deine dreckigen Finger von meinen Oberschenkeln, sonst lernst du mich kennen.“ Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten???

Nachdem uns ein besonders pfiffiger Polizeibeamter erklärt hat, dass auch Leberwurst zu den „gefährlichen Terror-Flüssigkeiten“ gehört, die nicht mit ins Flugzeug genommen werden dürfen, laufen wir durch den Duty-Free, wo man praktischerweise für den Flug direkt die 5-Liter-Party-Bierfässchen kaufen kann. Aber dank des Polizeibeamten bin ich total beruhigt, denn ich weiß jetzt, dass das zertifizierte Flüssigkeiten sind. Noch mal Glück gehabt. Wenn sich jetzt kein Terrorist mit seinem Leberwurstbrot an Bord schmuggeln kann sind wir sicher.

 

 

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Im Flugzeug gibt es wichtige Sicherheitshinweise, die sich uns über die gut gemalten Schilder vor unseren Köpfen innerhalb von Sekunden erschließen. Grillen im Backofen ist verboten, siehe rechtes Schild unten. Auf offenem Feuer grillen ist erlaubt, solange das Feuer sich auf Sichthöhe befindet, siehe rechtes Schild oben. Sobald gegrillt wird, bewegen Sie sich bitte kriechenderweise durch das Flugzeug, damit oben der Grillrauch abziehen kann, siehe linkes Schild.

 

Landung auf Teneriffa. Palmen, Sonne und all die verkniffenen, peniblen Schlandis sind auf einmal gaaaaaanz entspannt. Man sieht in ihren Gesichtern wie viel Anstrengungskraft es sie kostet so entspannt zu sein. Dass wir unsere Koffer innerhalb von fünf Minuten haben, ist für mich nur halb so toll, da wir vorher eine halbe Stunde lang durch den Flughafen gelaufen sind, um zum Kofferband zu gelangen (Jaja, so ist das, wenn man Kunde der sogenannten „Billig-Airlines“ ist.) Meine Entspannung stellt sich erst ein, als ich dieses Foto knipse:

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Doch die Entspannung hält nur 3 Sekunden an. Die Krawall-Kröte kommt angeschossen und sagt, dass der Bus schon da steht und jetzt, genau jetzt, abfährt. Natürlich kriegen wir den Bus und eine Viertelstunde später sind wir in Los Christianos und laufen Richtung Hafen, um die Fähre nach La Gomera zu kriegen. Wir finden den Hafen ohne Umwege, dort warten bereits zahlreiche total alternativ und entspannt aussehende Deutsche, die auch die Fähre nach La Gomera kriegen wollen. Gott sei Dank gibt es Fred Olsen, dem die halbe Welt gehört und der aus rein wohltätigen Gründen den Fährbetrieb zwischen den Kanarischen Inseln errichtet hat. Vorher kannten die Spanier*Innen wahrscheinlich gar keine Schiffe. Fred Olsen ist eine norwegische Firma, die unter anderem auch halb La Gomera aufgekauft und einen gigantischen Luxus-Golfplatz mitten in die Natur gebaut hat. Falls jemand es uns gleichtun will und die Kanarischen Inseln besuchen möchte, empfehle ich die Fähre Armas, die wir für die Rückreise gebucht haben. Etwas billiger, langsamer und deshalb besser für Wale und Delfine und viel entspannter. Doch auch dazu später mehr. Wir haben noch ne gute Stunde Zeit bis die Fähre geht und Hunger bis unter die Arme. Eigentlich wollten wir ja zurück in die Stadt und dort was essen, aber das wird zeitlich doch etwas eng. Deshalb besuchen wir die Cafeteria des Hafens und kriegen endlich unser erstes cerveza.

 

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Das möchte ich euch nicht vorenthalten. Für 32 Euro kriegt man bei Fred Olsen einen gigantischen Ausblick auf das Meer, wenn man es schafft durch die versifften Plexiglasscheiben zu gucken. Für 32 Euro bist du eingesperrt auf einem Schiff, darfst nicht rauchen, aber dafür gerne konsumieren, denn es gibt einen Shop auf dem Schiff. Toll, diese Fred Olsens.

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Auf La Gomera angekommen müssen wir schon wieder essen und cerveza trinken, dieses Mal um die Zeit zu überbrücken bis der Bus kommt. Es ist der letzte, der heute von San Sebastian auf der einen Seite der Insel nach Valle Gran Rey (im Folgenden Valle Gran Preußen genannt, warum wird später erklärt!) fährt. Die Schildkröte (so nenne ich meinen Mann gelegentlich) hat ein Felsenrestaurant entdeckt, in dem wir eine Kleinigkeit essen, nachdem die Kellnerin uns in akzentfreiem Deutsch (kein Wunder, sie ist Deutsche) erklärt, was es alles noch gibt und was nicht. Aber das Essen ist echt gut und es gibt cerveza. Außerdem bin ich müde und wenn ich müde bin, bin ich immer gnädig. Das ich mein Spanisch an dieser Kellnerin nicht testen darf, ist bedauerlich, aber zu verschmerzen.

 

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Pünktlich, zehn Minuten bevor der Bus kommen soll, stehen wir wieder am Hafen. Ob wir an der richtigen Stelle stehen, wissen wir nicht sicher, denn es gibt nirgendwo Schilder, und wenn ich nirgendwo sage, dann meine ich nirgendwo. Wir laufen drei Mal den kompletten Hafen ab. Außer uns ist dort auch niemand mehr. Als ich in das Gebäude will, um zu fragen, ob wir auch wirklich an der richtigen Stelle stehen, ist es abgeschlossen. Die beiden Bullen, die drinnen stehen und ungeheuer wichtig aussehen, gucken mich böse an. Ähm, ich glaube die frage ich lieber nicht. Ein Passant auf der Bank ist etwas hilfreicher. Er erklärt mir etwas auf Spanisch, was sich sehr fachmännisch anhört, genaueres verstehe ich nicht. Er zeigt mit dem Finger zurück zu dem Platz von dem ich gekommen bin. Okay, dann stehen wir also richtig. Ich gucke auf die Uhr, inzwischen hat der Bus zwanzig Minuten Verspätung. Da kommt eine Frau mit Hund. Ich frage sie (glaube ich) ob sie weiß, wo man sich für den Bus nach Valle Gran Preußen hinstellen muss. Sie zeigt mit dem Finger auf die gegenüberliegende Seite vom Hafen. Oh Gott! Der Mann ist gerade unterwegs um zu gucken, wo die Fähre bleibt. Von unserer Bekannten haben wir gehört, dass die Busse erst kommen, wenn die Fähre kommt, damit sie nicht unnötig am Hafen rumstehen müssen. Ich beginne zu verstehen warum. Hier befindet man sich nachts offenbar mitten im Nichts. In dem Moment kommt ein Bus und hält. Wenn das jetzt unser Bus ist und René ist nicht hier, dann sitzen wir bis morgen früh in San Sebastian fest. Am Rande eines Nervenzusammenbruchs sprinte ich mit zwei Koffern, einer Handtasche, einem Rucksack und der Sauferstoffmaske für die Schildkröte, die er wegen seiner Schlafapnoe braucht, zu dem Bus hin. Währenddessen rufe ich die Schildkröte auf dem Handy an und schreie, sie soll zurückkommen, unser Bus würde jetzt fahren, jetzt! Ich flehe den Busfahrer an, dass er auf meinen Mann warten muss. Er guckt mich verständnislos an. Irgendwann frage ich vorsichtig, ob er nach Valle Gran Preußen fährt. Fährt er nicht. Doch dieser Bus soll auch gleich hier hinkommen. Der Bus und die Schildkröte erreichen mich gleichzeitig. Gott sei Dank!

 

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Und Gott sei Dank ist es bereits dunkel. Denn es fängt an in Strömen zu regnen und es geht in Serpentinen den Berg rauf. Die Straße ist nicht beleuchtet und der Busfahrer macht den Eindruck als würde er auch heute noch gerne auf der Kirmes Autoscooter fahren. Ich entscheide, dass es besser ist, die Augen zuzumachen, anstatt zu versuchen durch die Fenster zu erkennen, ob wir noch auf der Straße sind oder bereits im Graben.

Von unserer Bekannten haben wir die Adresse „Borbalan 169“ bekommen. Die anderen Hippies im Bus kennen diese Adresse nicht, der Busfahrer lässt uns irgendwo raus, wo er meint, dass sich Borbalan befindet. Bei Google Maps scheint er die Adresse zu kennen. Doch wir laufen los und stehen irgendwann in einer Sackgasse. Irgendwann entdecke ich dann doch die Nummer 169 auf der Hauptstraße, die heißt übrigens anders, wie hab ich schon wieder vergessen. Borbalan ist der Name des Viertels. Ich geh pennen!

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