Zwischenstand April 2015 – Oder auch, warum „Die Auswanderer“ schnell wieder zurück nach Schland müssen


Und wie so häufig beginne ich diesen Blogeintrag mit der Erwähnung, dass der letzte eigentlich schon viel zu lange zurück liegt. Aber wie das so ist, es fehlt die Zeit und mit ihr die Muse. Denn zum Schreiben muss man eben auch Lust haben, sonst funktioniert es nicht.

Nun sitze ich im T-Shirt im Garten in der Sonne und genieße das bißchen Natur, was uns das Großstadtleben eben so bieten kann. Dabei haben wir es für Wuppertal Nordstadt gut getroffen. Unser Garten hat bis in die Nachmittagsstunden Sonne, also so hier und da und nur so lange wie die Bäume noch keine Blätter haben. Das Vogelgezwitscher und das Kinderlachen vom angrenzenden Spielplatz sind auch schön, weniger schön ist der Baulärm und vor allem der Baustaub, der von den Bauarbeiten an der Brandruine direkt gegenüber vom Spielplatz herüber weht. Doch lassen wir das… Die Sonne hat mich jedenfalls dazu gebracht übers Leben auf Teneriffa nachzudenken und die damit verbundenen Auswanderpläne. Und das wollte ich euch nicht vorenthalten.

Es gibt nun doch einige Menschen in unserem Freundeskreis, die sich vorstellen können, mit uns gemeinsam ein neues Leben auf Teneriffa zu realisieren. Deshalb haben wir inzwischen einige Pads, auf denen organisatorisches ebenso besprochen werden kann, wie das persönliche Kennenlernen. Doch wie mit allem Wichtigem im Leben, haben wir auch dafür im Moment nicht genügend Zeit. Zusätzlich zur NoPrimark-Kampagne, die wir beide für sehr wichtig halten, steht auch schon wieder der nächste Spanien-Urlaub an. Am 30. April fliegen wir nach Madrid und besuchen dort einen guten Freund, den wir schon viel zu lange nicht mehr gesehen haben. Und natürlich werden wir es uns nicht nehmen lassen auf die 1.Mai-Demo in Madrid zu gehen. Die spanischen Protestbewegungen sind für mich sehr inspirierend und ich tanke daraus eine Menge Kraft, um hier in Kaltland nicht total frustriert alles hinzuschmeißen. Anschließend geht es dann noch für einige Tage nach Andalusien, wo wir Renés Stiefvater besuchen wollen. Ich hoffe, in diesem Urlaub mit dem Spanisch lernen einen Schritt voran zu kommen. Da hapert es nämlich zur Zeit am meisten. Die Kontinuität, die es braucht um eine Sprache zu lernen, haben wir zur Zeit leider nicht. Das ist ärgerlich und wir versuchen daran zu arbeiten. Eine Freundin, die Spanisch spricht, hat sich angeboten uns einige Unterrichtsstunden zu geben. Ein Freund will ebenfalls Spanisch lernen und wir denken über einen gemeinsamen, selbstorganisierten Kurs nach. Doch auch dafür benötigt man Zeit und die ist im Moment mehr als knapp.

Finanziell läuft es ganz gut. René kann fleißig Überstunden ansparen, für unsere 3 Monate Teneriffa diesen Winter. Ich engagiere mich jetzt im Foodsharing und kann dadurch unsere Lebenshaltungskosten um ein ordentliches Stück senken. Doch genau diese zwei Faktoren führen eben auch dazu, dass es für alles zu wenig Zeit gibt. Denn das Foodsharing kostet eben genauso Zeit, als hätte ich mir einen zweiten Job gesucht. Circa 2 mal die Woche verbringe ich 2-3 Stunden im Café Stilbruch, um dort beim Sortieren der Lebensmittel und bei anderen Dingen zu helfen. Wenn ich danach wieder zu Hause bin, gehen noch mal 2-4 Stunden drauf, für das Verwerten der Lebensmittel. Denn das Obst und Gemüse ist oft sehr reif, so dass es schnell weiter verarbeitet werden muss.

Unsere Pläne, was wir auf Teneriffa denn tun wollen, um zu überleben, konkretisieren sich zur Zeit in zwei Richtungen. Es wäre möglich, dass René von seinem jetzigen, deutschen Arbeitgeber eine Projektstelle auf Teneriffa eröffnet. Das würde aber sehr wahrscheinlich bedeuten, dass wir einen Jugendlichen, der eigentlich in dem Heim landen würde, wo René zur Zeit arbeitet, dann rund um die Uhr bei uns zu Hause hätten. Dafür spräche ein deutscher Arbeitgeber mit deutschem Gehalt, ein relativ sicherer Arbeitsplatz sozusagen. Außerdem wäre man etwas weniger angewiesen auf die spanische Sprache und René könnte zu Hause arbeiten. Die andere Idee ist, etwas länger in Deutschland zu bleiben, also erst Anfang Sommer 2017 auszuwandern und bis dahin so viel Geld wie möglich zu sparen, um das 1. Jahr zumindest die Miete auf Teneriffa sicher zu haben. Dort wollen wir langfristig ein Backpacker-Hostel aufbauen, gemeinsam mit Freund*Innen. Die Nachfrage danach steigt, es gibt nicht viele auf Teneriffa und außerdem könnten wir uns gut vorstellen, dass das etwas wäre, was uns Spaß machen würde. Doch das sind natürlich aktuell noch eher vage Hirngespinste.

Im Juli werden wir für 2 Wochen mit einem befreundeten Paar auf Teneriffa Urlaub machen. Auch die beiden wollen nicht in Deutschland alt werden und nach unseren Berichten über Teneriffa wollen sie sich die Insel nun selbst ansehen.

 

Von einigen Menschen, denen wir von unseren Plänen erzählt haben, haben wir nun gehört, wie strukturiert und kalkulierend wir vorgehen. Ich habe mir da am Anfang gar nicht so große Gedanken drum gemacht, aber es stimmt natürlich. Obwohl ich NIEMALS Privatsender gucke, weiß ich, wie das bei dieser Sendung „Die Auswanderer“ öfter läuft. Hans und Wilma packen den Umzugswagen voll, verlassen Mönchen-Gladbach und mieten sich ne Villa auf Mallorca. Und nach 6 Wochen ist die Kohle alle und man stellt erschrocken fest, dass es tatsächlich von Vorteil ist, wenn man die Landessprache zumindest in Bruchteilen beherrscht. Klar, das ist böse überspitzt, aber ich verlasse mich in diesem Fall auf meinen Mann, der schon einmal ausgewandert ist, von Holland nach Deutschland und zusätzlich auch mal ein halbes Jahr in Asien gelebt hat. Natürlich kann man nie alles genau planen und natürlich werden auch bei uns bestimmt einige Dinge gehörig schief gehen, aber ich denke, dass unsere Vorbereitungen insgesamt doch recht ordentlich sind.

So, die Sonne ist gleich verschwunden und die Krawall-Kröte hat Hunger… Ich bin weg…

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

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