„Blumen und Danksagungen!“ oder auch „Zwischen Zeitdruck und emotionalem Geblubber“


Noch 22 Tage! Noch 22 Tage bis zur Deadline! Noch 22 Tage bis ich alles erledigt haben muss! Jeden Tag wird es einer weniger und es landen gefühlt tausend neue Dinge auf der To-Do-Liste, die vor dem Flug noch abgearbeitet werden muss. Wie ich euch bereits im vorletzten Artikel erzählt habe, kam ja eine unvorhergesehene Flöhe-Bekämpfungs-Aktion dazwischen, die einiges an sowieso schon sehr knapp vorhandener Zeit gekostet hat. Nun wird es in den letzten Tagen also richtig eng, denn es will doch einiges vorbereitet werden, wenn man sich für drei Monate aus Kaltland verpisst.

Aber lest selbst…

Zunächst einmal muss berufliches geklärt werden. René, mein Mann, arbeitet ja aktuell die Stunden vor, die er dann im Winter auf Teneriffa abfeiern kann. So was ist in der Gastronomie eher nicht möglich, daher habe ich versucht, so viel wie möglich jetzt zu arbeiten, um das gesparte Geld mitzunehmen. Das hat eigentlich auch ganz gut geklappt, wären da nicht Kosten entstanden für Tierärztin, Transportbox für Seine Hoheit König Kater Luca und die neue Waschmaschine. Naja, sei’s drum oder wie ich beim Kassieren immer zu meinen Gästen zu sagen pflege: „Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders.“

In den letzten Wochen habe ich aber nicht nur viel gearbeitet, ich habe auch versucht die beiden Läden, in denen ich arbeite, darauf vorzubereiten, dass ich bald für drei Monate weg bin und bei dem ein oder anderen vorzufühlen, ob mein Job noch da sein könnte, wenn ich wiederkomme. Ich mache mir da eigentlich keine Sorgen. Als gute Kellnerin hält man in Deutschland alle Karten in der Hand, wenn man einen Job sucht. Denn gutes Personal in der Gastronomie gibt es fast nicht mehr, weil diesen Job kaum noch jemand als seinen echten Beruf macht, sondern nur noch ein paar Jahre als Aushilfe, während des Studiums. Durch die Eurokrise haben auch die Festverträge in der Gastronomie abgenommen, was noch mehr Menschen davon abschreckt, die Gastronomie als ihr Berufsfeld zu wählen. Tja, Pech für deutsche Gäste, gut für mich. Denn so wie es aussieht, werde ich wohl auch wenn ich nach drei Monaten von Teneriffa zurückkomme, wieder mindestens einen Job haben.

Das Nächste, worum ich mich jetzt dringend kümmern muss, sind meine Pflanzen.

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Fast alle meine Pflanzen sind gerettet worden. Und fast alle haben sich prächtig entwickelt. Obwohl ich zugebe, dass ich mich noch besser um sie hätte kümmern können. Ich habe schon als Kind einen grünen Daumen gehabt und Kakteen, die die Verkäuferin uns wenig geschickt mit den Worten anpries „Die blühen eh nich!“, zum dauerhaften Blühen gebracht, nur indem ich mich mit ihnen beschäftigt habe und vor allem, mit ihnen geredet habe. Das tue ich auch heute noch mit meinen Pflanzen, aber leider eben viel zu wenig, weil halt immer für alles Schöne und Wichtige zu wenig Zeit da ist. Trotzdem versuche ich zumindest hin und wieder, vor allem beim Gießen und Beschneiden Kontakt zu meinen Pflanzen aufzubauen. Und sie danken es mir, in dem sie sich prächtig entwickeln. Die Fotos oben sind im Mai 2015 aufgenommen worden, bei der ersten großen Umtopfaktion. Die nun folgenden sind aktuelle:

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Wie ihr sehen könnt, sind sie nicht nur viel gesünder als noch vor einem halben Jahr, sondern sind auch richtig gewachsen. Der Fikus braucht eigentlich eine größere Wohnung. Am besten mit sehr hohen Decken. Eine Villa wäre gut. Kennt ihr gutherzige Villenbesitzer, die einen Fikus adoptieren möchten? Wenn ja, sollen sie sich bitte bei mir melden. Wenn es Geld dafür gibt, freuen wir uns, aber am wichtigsten ist mir, dass der Fikus ein gutes Zuhause findet. In der Not kenne ich aber zwei gastronomische Einrichtungen in Wuppertal, die inoffiziell, wenn man Vitamin B hat, Pflanzen notadoptieren. 😉

Außerdem habe ich meine Pflanzen schon einer guten Freundin versprochen. Nur glaube ich, dass ihre Wohnung dem Fikus nicht gewachsen ist und aktuell muss ich mich ja auch nur darum kümmern, dass jemand die Pflanzen während der drei Monate umsorgt. So ganz trennen möchte ich mich von meinen Lieblingen nämlich nicht, wenn ich noch ein Jahr in Kaltland verbringen muss; alleine schon wegen der Luftqualität in unserer Wohnung. Fürs dreimonatige Umsorgen habe ich aktuell noch niemanden Festes, weil ich noch nicht gefragt habe. Aber es wird wohl an der großartigsten aller Freundinnen oder den großartigsten aller Nachbarn hängen bleiben. Ich denke, ich höre da morgen mal nach.

Zum Abschluss möchte ich auch hier noch einmal Danke sagen, an all die wunderbaren Menschen, die uns so hervorragend bei unserem Vorhaben unterstützen. Ohne euch ginge nix. Danke an unsere Nachbarn, weil sie unserem Kater mindestens genauso untertan sind wie wir und sich um Post, Mülldienst, Treppenhaus, usw. kümmern.

Danke an meine Trauzeugin, Freundin, Arbeitskollegin und mein Engel, die in jeder Lebenslage für mich da ist, inklusive ihrem herrlich großen, schicken Auto.

Danke an meinen Team-Partner Mustafa im Café Stil Bruch und an all die Chefs und Co-Chefs im Café Ada und all meinen Arbeitskollegen für euren Rückhalt und euer Verständnis.

Danke an alle Freunde und Stammgäste, die zur Zeit das Trinkgeld bei mir deutlich höher ausfallen lassen, als es der Service mit meiner großen Schnauze eigentlich wert wäre. Ihr finanziert euren ersten Urlaub bei uns jetzt vor.

Danke an meinen Ehemann, der mit mir gemeinsam den Traum lebt, anstatt das Leben zu träumen. Du bist das Beste, was mir je passiert ist und jeder Tag, an dem ich neben dir aufwachen darf, ist ein Geschenk des Himmels. Ich liebe dich!

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