Das Leben mit Seiner Hoheit König Luca, dem Ersten


Wir haben zu Hause einen König wohnen. Ja, ehrlich. Seine Hoheit, König Luca Toni, der Erste. Er ist seit über zwölf Jahren mein Boss und gleichzeitig meine Nummer Eins. Den Mann kenne ich ja schließlich auch erst seit fünf Jahren.

Vorab sei gesagt, Luca ist selbst für eine Katze überdurchschnittlich intelligent. Ich befürchte, intelligenter als der Mann und ich zusammen. Anders kann ich mir nicht erklären, wie er mich seit zwölf Jahren dazu bringt, nach seiner Pfeife zu tanzen.

Luca hat schnell raus, wie Menschen ticken, im Allgemeinen und im Speziellen. Ein kleines Beispiel gefällig?

Wir wohnten ca. acht Monate in einem Protestcamp in Düsseldorf. Luca war natürlich der Liebling des ganzen Camps und genoss seine alltägliche Show und, damit verbunden, seine tägliche Dosis Aufmerksamkeit. Dann kam er eines Abends hinkend an meinem Zelt an. Da er sich ansonsten normal verhielt, wollte ich ihn erst einige Tage beobachten, bevor ich mit ihm zum Arzt ging. Luca humpelte die nächsten Tage durchgehend, verhielt sich ansonsten aber völlig gesund. Wegen seines Leidens bekam er natürlich extra viel Aufmerksamkeit und Leckerchen. Am dritten Tag kroch ich morgens aus dem Zelt und wollte Luca zum Tierarzt bringen, da sah ich ihn im Schweinsgalopp über den Zeltplatz schießen. Ich schnaubte empört und er stoppte mitten im Lauf, riss die „kaputte“ Pfote hoch und humpelte auf mich zu. Nachdem ich ihn ausgelacht hatte, drehte er sich beleidigt um und ging ohne Humpeln davon.

In den letzten zwölf Jahren hatte ich natürlich auch viel Zeit mich in der Kommunikation mit Katzen zu üben. So kann ich inzwischen verstehen, bei was ich Luca wann behilflich sein darf. Und er erkennt an meiner Tonlage sehr deutlich, was ich vom jeweiligen Befehl halte.

Luca hat ein sehr kurzes Kurzzeitgedächtnis, wenn es um Fressen und Ausflüge in den Garten geht. So hören wir von ihm eigentlich permanent: „Nie kriege ich was zu essen. Nie werde ich gestreichelt. Nie darf ich in den Garten. Und wenn ich im Garten bin, lasst ihr mich nie zurück ins Haus.“

Luca ist eigentlich am meisten darüber empört, dass wir ihn so gut verstehen, unser Verhalten aber dennoch nicht ändern. Nichts desto trotz versucht er jeden Tag wieder uns zu trainieren.

Ein kleines Beispiel gefällig?

Wenn Luca aus dem Garten nach oben in die Wohnung kommt, bekommt er ein Leckerchen. Das gibt uns die minimale Chance, dass er gelegentlich auch dann kommt, wenn wir es wollen. An einem Tag war Luca der Meinung, dass er zu wenig zu fressen bekommen hatte und er wollte in den Garten, um fünf Minuten später wieder vor der Wohnungstür zu miauen und ein Leckerchen fürs Reinkommen zu erhalten. Direkt nach dem Fressen desselben marschierte er zurück zur Wohnungstür und bat lautstark darum, hinaus gelassen zu werden. Ich kicherte und öffnete die Wohnungstür. Der Kater setzte sich davor und wartete. Ich schloß die Tür, sofort fing Luca an sich zu beschweren. Ich öffnete die Tür erneut und Luca schoss herein, nur ein Ziel vor Augen: die Schublade im Schrank, in dem sich die Leckerchen befinden. Weil ich es witzig fand, spielte ich mit. Insgesamt sieben Mal!!!

Doch scheinbar machen wir nicht alles falsch, denn hin und wieder lässt sich seine Hoheit dazu hinreißen uns zu zeigen, dass er uns trotz aller Widrigkeiten doch ganz gern hat. So begab es sich zu einer Zeit im Winter, in der der Mann mit einer furchtbaren Männergrippe krank im Bett lag. Der Kater wich mehrere Tage nicht von seiner Seite. Begleitete ihn sogar bis zum Badezimmer, wartete vor der Tür und brachte ihn anschließend zurück ins Bett. Wenn er neben dem Mann schlief, hatte er immer ein Ohr auf ihn gerichtet. Wusstet ihr, dass Katzen während sie schlafen von ihren Ohren geweckt werden können? Sie filtern normale Geräusche und solche, die sie nicht kennen. Von letzteren wacht dann das Gehirn auf.

Als nach einigen Tagen klar war, dass der Mann dem Tod dieses Mal von der Schüppe gesprungen war, ging der Kater erst einmal tagelang nach draußen und kam nur zum Schlafen rein. Da brauchte er wohl eine Erholung von der Überdosis Mensch, die er in den letzten Tagen hatte.

Luca hat auch für einige anderer unserer Gewohnheiten wenig Verständnis. So empfindet er die Menschen als überaus schmutzig. Schließlich waschen die sich nur einmal am Tag, im besten Falle. Luca hat gut und gerne ein Viertel seiner Zeit der Körperpflege reserviert. Manchmal muss er sich genau die Stelle putzen, die wir gerade berührt haben. Wir wissen bis heute nicht, ob er uns wirklich ekelig findet, oder es nur macht, um uns zu ärgern.

Luca hat allerdings auch einige Erziehungsmethoden rigoroserer Art drauf. So wird unser ehemaliger Mitbewohner Mohamad wohl nie mehr vergessen, was es bedeutet, wenn das Katzenklo nicht sauber gemacht wird. Bevor wir nach Teneriffa flogen, erklärte ich ihm in aller Deutlichkeit, dass Luca es bevorzugt, wenn das Klo jeden Tag sauber gemacht wird. Und dass es dann auch angenehmer für einen selbst ist und viel schneller geht. Doch scheinbar wollte Mohamad seine eigenen Erfahrungen sammeln.

Als wir aus dem Urlaub zurück kamen, erzählte uns Mohamad, dass Luca drei Mal in sein Bett gemacht hätte. Einmal sogar auf seine Klamotten, die auf dem Bett gelegen hätten. Ich wunderte mich ein wenig und fragte: „Mohamad, hast du das Katzenklo sauber gemacht?“ Er wurde rot und schüttelte den Kopf. „Nur einmal, war so ekelig.“

Tja, statt jeden Tag zwei Minuten hatte er drei Mal Bett frisch beziehen, Bettwäsche und Klamotten waschen und den widerlichen Gestank von Katzenscheiße im Zimmer.

Luca machte übrigens nach dem Urlaub einen höchst zufriedenen Eindruck. Er sah als Lehrer wohl eindeutig seine pädagogischen Erfolge.

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