Sprachen – Oder: Wie ich im Supermarkt Augen suchte


Hola! Qué tal? Sí teneis facebook sabeis que me gusta mucha la vida espanola. Although we have already a house in Tenerife, we need to stay here in Germany for two more years, earning money to pay the house. Donc, jeter de l’argent dans le chapeau. Je peux l’utiliser.

Merci, Thank you, Muchas gracias, Mille Grazie, Dankjewel, Shukran, Vielen Dank

Ja, für diejenigen, die es noch nicht gemerkt haben: Ich möchte jetzt mit euch über Sprache sprechen.

Sprache an sich ist ja was Feines… Wenn es halt nicht auch nötig wäre, einige Gehirnzellen zu besitzen, um sie benutzen zu können. Und natürlich vorausgesetzt man hat überhaupt einen Gesprächspartner. Dort fangen die Probleme in unserer Gesellschaft ja schon an.

Als Kellnerin mit 15 Jahren Berufserfahrung habe ich da schon in einige menschliche Abgründe blicken müssen.

Da wird beim Essen anlässlich des 20. Hochzeitstages mehr mit mir gesprochen, als miteinander. Da kommen vier Mädels an einem Freitag Abend in die Cocktailbar und unterhalten sich drei Stunden miteinander…. AUF WHATSAPP!

Na immerhin, werdet ihr jetzt vielleicht sagen. Allerdings kann ich euch aus zuverlässiger Quelle versichern, dass dies keine Unterhaltungen sind, wie wir alten Säcke, und es ist bitter, dass ich mich da jetzt dazu zählen muss, sie kennen. Außer diversen Abkürzungen für „Ich finde das lustig“ und Links zu süßen Katzenvideos auf YouTube ist dort nicht viel Substanzielles zu finden.

Les ich die Kommentarspalten auf Facebook in der Nacht, ward ich um meinen Schlaf gebracht. Die AfD hat schon Recht, wenn sie sagt, dass deutsche Kultur und Sprache geschützt werden müssen… Nur halt nicht vor den Flüchtlingen, sondern vor……. den Deutschen.

Und um meinem linken Selbstverständnis an dieser Stelle den erhobenen Zeigefinger Richtung Gesellschaft zu gestatten:

Sprache ist wie Demokratie. Sie lebt nur dann, wenn sie genutzt wird.

Durch unsere Pläne Auszuwandern musste ich vor drei Jahren erst anfangen mein altes Schulenglisch, welches ich gute 10 Jahre nicht benutzt hatte, aufzupolieren und dann Spanisch zu lernen.

An dieser Stelle gibt es einen weiteren Finger, dieses Mal den Mittleren in Richtung meiner Lehrer, die mir immer sagten: „Vicky, du kannst alles machen, aber mach nix mit Sprachen. Das liegt dir nicht.“

Ich bin in Wirklichkeit richtig begabt in Sprachen, allerdings nicht auf die Art und Weise, wie sie an klassischen Schulen gelehrt wird. Ich habe ein gutes Gefühl für Aussprachen, ein herrvoragendes Gedächtnis und liebe es zu reden. Sprachen lernt man am allerschnellsten, wenn man sie spricht. Wer hat diesen Ratschlag noch nicht gehört? Allerdings wird uns das in der Realität fast unmöglich gemacht. Wir lehren stattdessen Grammatik bis zum Erbrechen und schüren die Angst davor Fehler zu machen.

Der Trick beim Sprachen lernen ist, sich zuerst ausschließlich auf die Wörter zu konzentrieren, bis man einen soliden Grundwortschatz aufgebaut hat, mit dem man sich simpel,

und natürlich grammatikalisch falsch, verständigen kann. Dann braucht es viel Praxis, am besten täglich, und ab einem gewissen Punkt wird man von allein die Grammatik lernen wollen, weil man sich präziser ausdrücken will. Beim Sprechen hat man schnell Erfolgserlebnisse, wenn der Sprachpartner versteht, was man ausdrücken will und erhält so seine tägliche Dosis Motivation.

Vor allem bringt es einem aber eine Menge herrlicher Situationen.

So befand ich mich vor nicht allzu langer Zeit in einem Supermarkt auf Teneriffa auf der Suche nach Knoblauch, auf Spanisch „ajo“. Nach einigen Minuten verzweifelter Suche wandte ich mich schließlich an eine junge Frau, die dort arbeitete und fragte: „Perdón, donde está el ojo?“ Entschuldigung, wo ist das Auge?

Die junge Frau war äußerst verstört. Nach einigem Hin und Her konnten wir das Missverständnis allerdings klären und ich nahm statt den Augen doch den Knoblauch mit nach Hause.

Oder die Begegnung, die ein ein syrischer Freund von mir machte, der aus einem kleinen Dorf im Süden Deutschlands kam, wo die Ämter auf seltsame Weise abgekürzt wurden. So hieß das Ausländeramt dort eben nur Ausländer. Hier in Wuppertal angekommen, befand er sich auf der Suche nach eben diesem Amt und sprach eine Frau an: „Bitte, wo ist Ausländer?“ Die Frau versicherte ihm daraufhin, sie sei Deutsche und holte nach einer Wiederholung der Frage sogar ihren Pass heraus, um ihm zu verdeutlichen, dass sie definitiv keine Ausländerin sei.

Jetzt werden manche hier vielleicht denken: „Oh Gott, wie furchtbar.“ Ich kann euch aber versichern, dass es genau das Gegenteil davon ist. Am Ende wird herzlich gelacht und man hat sich wieder einige Worte in der neuen Sprache gemerkt, die man nie wieder vergessen wird.

Das ist das Leben und dafür wurden wir Menschen gemacht. Miteinander zu kommunizieren, voneinander zu lernen, miteinander zu leben. Das geht nicht ohne Fehler, Missverständnisse, Streit, Wut und Tränen. Aber nur wenn wir das in Kauf nehmen, werden wir eben auch diese guten Dinge erleben. Den Spaß, das Lachen, die Wärme, die Liebe, die Geborgenheit. All diese Dinge sind mit Sprache möglich.

Wenn ich mir allerdings unsere überaus effizient vor sich hinschuftende Gesellschaft hier so anschaue, mache ich mir wirklich Sorgen.

Sprache wird von denen gemacht und gedeutet, die sie nutzen. Und wenn man sich anschaut, wer zur Zeit hier am lautesten schreit, dann macht mir das deshalb solche Angst, weil wir solche Schreihälse schon mal hatten und sie für uns alle düstere Zeiten bedeuteten. Wenn Sprache wie Demokratie ist, wie ich vorhin schon so treffend bemerkt habe, dann bedeutet das aber auch, dass wir alle es in der Hand haben, sie zu gestalten; vorausgesetzt wir benutzen sie.

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

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