Hass auf Kartoffeln & Liebe für Staaten – Was ist eigentlich links sein?


Zur Klarstellung

Vorab möchte ich betonen, dass sich dieser Artikel zwar an Linksradikale richtet, er aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von vielen Menschen gelesen wird, die sich nur teilweise oder gar nicht dort verortet fühlen. Ich möchte, dass möglichst viele Menschen diesen Artikel lesen, verstehen und an der Diskussion darüber teilnehmen können. Daher habe ich bewusst weitestgehend auf linksradikalen Fachjargon verzichtet.

Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass es nie meine Absicht war oder ist, irgendjemanden zu beleidigen, zu diskriminieren oder herabzusetzen. Ich will eine Diskussion anstoßen über ein grundsätzliches Problem, welches in unserer Gesellschaft auftritt. Linke Gruppen sind Teil dieser Gesellschaft, ob sie das wollen oder nicht. Sie versuchen zwar oft sich dieser Gesellschaft zu entziehen, aber sie sind in ihr geprägt. Viele strukturelle Verhaltensweisen finden sich sowohl in der Gesellschaft, als auch in linken Gruppen. So gibt es auch bei uns nach wie vor Rassismus, Unterdrückung, Frauenfeindlichkeit, Ausgrenzung, Diskriminierung von Homosexuellen und mehr derartig menschenfeindliches Zeug.

Ein Phänomen, welches ich seit längerer Zeit beobachte, ist Hass auf Deutsche. Dieser wird dadurch begründet, dass der Deutsche zum einen Privilegien hat, die er zweifelsohne definitiv hat, und zum anderen aufgrund der Politik seines Landes rassistisch handelt. Der Deutsche ist also per se Nazi. Wenn man dieses Konstrukt hinterfragt, findet man sich ganz schnell selbst in die rechte Ecke gestellt. Nun, ohne Frage leidet der Deutsche wohl tendenziell eher sehr selten unter Rassismus (Rassismus = Die Herabsetzung eines Menschen aufgrund seiner Herkunft). Trotz allem sind Äußerungen wie „Alle Deutschen sind Kartoffeln und gehören eingestampft.“ rassistisch und Menschen können sich durch diese Aussage direkt bedroht fühlen. Hinterfragt man diese Aussagen, bekommt man zur Antwort, dass man sich selbst wohl als Deutsch wahrnehmen würde, deshalb also Nazi sei. Man dürfe sich halt einfach nicht angesprochen fühlen, weil das Konstrukt Deutsch für uns als Linksradikale ja eh nicht gelte. Und andere, die sich angesprochen fühlen würden, die wolle man bei seiner Revolution sowieso nicht dabei haben.

Es ist erwiesen, dass Hass auf Deutsche in den allermeisten Fällen aus Rassismus resultiert. Sprich, Deutsche sind rassistisch und werden dafür gehasst. So weit, so richtig. Problematisch wird es dann, wenn alle Deutschen dafür gehasst werden, Deutsche zu sein.

Denn dieses Privileg hat sich niemand ausgesucht oder verdient.

Wenn also Deutsche angepöbelt werden, nur weil sie Deutsche sind, dann ist es unsere Pflicht als Linke dies zu thematisieren und darauf hinzuweisen, dass es falsch ist, Menschen nur aufgrund ihrer Herkunft herab zu setzen. In keinem Fall kann es links sein eine Gruppe von Menschen, die sich es nicht ausgesucht hat, in dieser Gruppe zu sein, zu bedrohen oder zu beleidigen.

Ob es bereits Rassismus ist, wenn Kartoffeln gestampft werden sollen, darüber will ich eigentlich gar nicht streiten, denn es ist mir relativ gesehen, zu anderen Problemen, nicht wichtig. Ich will eine Debatte darüber anstoßen, wie wir miteinander und mit der Gesellschaft umgehen.

Eine Studie mit Potential

37% der jungen Menschen in Deutschland zwischen 18 & 34 Jahren würden eher einen Aufstand unterstützen, als wählen zu gehen. In anderen Fragen äußerten sich genau diese befragten Menschen nur zu 15% negativ über Zuwanderung. Es schlummert also sogar hier in Deutschland ein enormes, revolutionäres Potential und nicht umsonst halten große Medien die Studie bisher sorgfältig unter Verschluss. Denn wenn man sich auch nur fünf Minuten mit den vergangenen Aufständen beschäftigt, so bemerkt man, dass diese immer von einer kleinen Minderheit der Bevölkerung angestoßen wurden.

Nun werden viele Linksradikale natürlich aufschreien, dass sie auf gar keinen Fall eine Querfront-Politik wollen, also ein Bündnis, welches linksradikale Forderungen aufweicht, da Kompromisse mit gemäßigteren Gruppen dies erfordern. Nun, eine Querfront würde wohl auch nicht den gewünschten Erfolg bringen. Fakt ist allerdings, dass wir Linken dringend von unserem hohen Ross steigen müssen. In den letzten 20 Jahren hat der Neoliberalismus die Gesellschaft und uns alle geformt. Rassistische Äußerungen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Viele der Personen, die sie äußern, empfinden sich selbst nicht als Rassist. Sie argumentieren, wenn man sie darauf anspricht: „Warum? Das stand so auch in der Zeitung./Das hat der Politiker XY auch so gesagt.“

Dass wir uns an so einem Punkt befinden ist furchtbar und hat viele Ursachen. Doch die Frage, die sich mir hier stellt, ist doch nicht, wer schuld daran hat oder wie groß der Gulag sein muss, um all diese rassistisch schwatzenden Menschen unterzubringen.

Die Frage, die ich mir stelle, ist, wie können wir die Gesellschaft wieder verändern? Wie können wir diese 37% finden und davon überzeugen, dass bei Pegida mitlaufen und AfD wählen keine Revolution ist? Wie können wir ihnen Solidarität und Basisdemokratie im realen Leben zeigen? Wie können wir unsere Vorstellungen von Gesellschaft vorleben?

Wenn wir diese Leute also von uns überzeugen wollen, haben wir keine andere Wahl, als mit ihnen in den Dialog zu gehen. Das bedeutet, sich mit jungen, neoliberal erzogenen Menschen hinzusetzen und sachlich und ruhig zu erklären, warum nicht der Ausländer schuld daran hat, dass wir alle arm sind, sondern der Kapitalismus.

Auf keinen Fall können wir von dem Studenten, der zwischen FDP und den Grünen schwankt, erwarten er solle doch bitteschön als erstes begreifen, welches Glück er hat einen deutschen Pass zu besitzen und im nächsten Atemzug dieses Glück als ein Konstrukt betrachten, welches es zu zerstören gilt.

Dazu gehört aber auch sich selbst mal kritisch zu hinterfragen, privat wie in der politischen Gruppe. Das überzeugt nämlich auch Menschen sich uns anzuschließen. Wer in einer Gruppe Schwäche oder Unwissenheit zugeben kann und dort trotzdem wertgeschätzt wird, weil er als Mensch etwas wert ist, wird wiederkommen. Mal ganz davon abgesehen, dass wir uns auch selbst besser fühlen werden. Viele junge Menschen äußerten mir gegenüber, dass sie Angst haben, sich ehrlich in einer politischen Gruppe zu äußern. Der Erwartungsdruck sei hoch und es sei sehr schwer, all die Regeln zu durchschauen und einzuhalten.

Wenn ein guter Freund von mir und ich Medienarbeit bei einer Demo machen und ich dafür bedroht werde, mein Freund aber nicht, weil er zufällig schwarz ist und als Flüchtling nach Deutschland kam, dann stimmt etwas bei uns nicht, in unseren Strukturen und in unseren Köpfen. Aus lauter Angst, dass etwas bedrohlich/rassistisch/politisch nicht korrekt sein könnte, fangen wir an, alles als genau das wahrzunehmen und anzugreifen. Die wirklichen Bedrohungen werden dadurch relativiert und gestärkt.

Wir befolgen Regeln, deren Gründe wir gar nicht kennen. Deren Gründe in einer Zeit gelagert sind, die mit der heutigen in vielen Bereichen nichts mehr zu tun hat.

Wenn ich also mal wieder meinen Mann dabei unterstütze, wie er den Flüchtlingen in Serbien oder Griechenland hilft, dann soll er denen einfach sagen, dass die deutschen Linken keinen Bock hatten, sich mit den Kartoffeln zusammen zu tun, um eine andere Politik zu erzwingen. Das werden die bestimmt verstehen. Unsere Arroganz und Untätigkeit tötet Menschenleben, jeden Tag!

Die Anti-Deutschen & die Spalter – Allein auf weiter Flur

Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Bewegung dieser Art, obwohl die Judenverfolgung und der Antisemitismus in vielen linken Strömungen bis heute zu Recht ein großes Thema sind. Anti-Deutsch sein heißt, dass man die Politik Israels unterstützt, weil dieser Staat einen Schutzraum für Juden darstellt. Wenn man die Politik Israels kritisiert, ist man ein Antisemit, da man den Juden mit dieser Kritik ihr Recht auf diesen Schutzraum abspricht. Nun ein einfaches Beispiel, das zeigt, warum linke Politik niemals auf dieser Art von Erpressung fußen darf:

Ich bin eine Frau. Seit dem Bestehen der Menschheit werde ich unterdrückt. In der Bundesrepublik Deutschland genieße ich wie in kaum einem anderen Land Rechte. Wenn jetzt jemand die Rüstungspolitik der Bundesrepublik kritisiert, bedroht er also damit meinen Schutzraum und ist dementsprechend ein Anti-Feminist. Nicht ganz, oder?

Der springende Punkt ist, dass sich der Kapitalismus längst durch alle Bereiche unseres Lebens gezogen hat. Genau wie da draußen in der Gesellschaft herrscht auch bei uns Leistungsdruck, Versagensangst und Konkurrenzkampf. Die Anti-Deutschen sind der Meinung, dass der Staat Israel, wenn überhaupt, als letzter Staat fallen darf. Die Veganer sind der Meinung, dass wir erst mal alle kein Fleisch und keine tierischen Produkte mehr essen dürfen, bevor die Revolution losgeht und die Anarchisten und Kommunisten streiten sich darüber, wer denn bestimmen darf, was nach der Revolution kommt.

Während wir uns also mit all diesen Theorien und Modellen innerhalb unserer Subkultur beschäftigen, macht die Politik draußen immer weiter, immer rechter und immer rassistischer. Und entfernt damit die Gesellschaft immer weiter von unseren Idealen.

Denn die Kapitalisten haben das Spiel viel besser verstanden als wir. Auch bei denen sind sich längst nicht immer alle einig, im Gegenteil. Aber sie haben erkannt, dass sie sich wann immer möglich zusammenschließen müssen. So kommt es dann, dass der Politiker im einen Moment gegen Aufrüstung wettert und im nächsten Moment einen Waffendeal mit Saudi-Arabien genehmigt.

Sie drehen ihr Fähnchen im Wind, so wie es gerade passt. Es geht für sie einzig um den Machterhalt und Geld. Wir haben einen höheren Anspruch an uns selbst und unsere Politik. Aber er ist so hoch geworden, dass er uns selbst handlungsunfähig gemacht hat. Denn wann immer linke Gruppen sich nach vorne wagen und aktiv werden, kommt garantiert jemand vorbei, der erklären kann, warum die Aktion verkürzte Kritik ist oder dass solche Aktionen schon mal gemacht worden sind und nicht funktioniert haben.

Die Gesellschaft – der rassistische Mob?

In meinem Job als Gastronomin bin ich jeden Tag in Kontakt mit dieser durch und durch rassistischen Gesellschaft und ich kann euch sagen, sie ist bereit. Sie ist bereit dazu, auch mit uns über Alternativen des Kapitalismus zu diskutieren. Ja, ich weiß! Mit Faschisten diskutiert man nicht. Stimmt auch! Aber der allergrößte Teil der Leute, die sich rassistisch äußern, wollen keine Rassisten sein. Und um diese Menschen muss es uns gehen.

Laut einer Studie sollen ca. 10% der Deutschen ein geschlossen rechtes Weltbild haben. Die können wir wohl getrost „links liegen lassen“.

Für allen anderen muss gelten: Es kann noch klappen. Wir müssen um jeden einzelnen kämpfen. Und ich versichere euch, es wird kein einfacher Kampf. Aber es könnte der letzte sein. Denn seien wir ehrlich, allzu lange macht unser Planet diesen Kapitalismus sowieso nicht mehr mit, zumindest nicht mit uns.

Also lasst uns reden, über Politik, nicht über Feindbilder, sachlich und nicht persönlich. Lasst uns versuchen, in erster Linie den Menschen zu sehen. Lasst uns die alten Hasen und die jungen Hüpfer an einen Tisch bringen, damit sie sich gegenseitig befruchten. Wenn diejenigen, die in den 8oer Jahren Häuser besetzt haben, denen, die sich heute die Studentenbude nicht mehr leisten können, erklären, warum das so ist, kann da vielleicht etwas ganz neues draus entstehen.

Denn nach dem Reden erfolgt im besten Falle ein Handeln. Wenn wir wollen, dass Menschen linke Politik unterstützen, dann müssen wir ihnen zunächst einmal zeigen, warum. Wir müssen die Lebenssituation der Menschen, die vom Kapitalismus direkt oder indirekt bedroht werden, verbessern. Denn nur wer Solidarität erlebt, kann sie begreifen und weitertragen.

Unter dem Hashtag #WasMichAnDeutschlandStört habe ich viele linke Forderungen gelesen, von Accounts, die eindeutig nicht zu unserer Szene gehörten. Forderungen, die ich von uns Linken schon lange nicht mehr gehört habe. Mehr Leute bedeutet auch, dass wir mehr Themen bespielen und mehr durchsetzen können.

Also alles scheiße in unserer Szene?

Wer bis hierher durchgehalten hat, darf sich freuen. Denn ich werde auch diesen Artikel natürlich nicht schließen, ohne meine polemischen Aussagen nicht ein wenig zu relativieren. Wer mich kennt, weiß, dass ich diese Art der Zuspitzungen immer mal wieder provoziere, um Energien frei zu setzen. Wer sich aufregt, der denkt und redet.

Für die destruktive Anti-Haltung, die bei manchen Linken hervorkommt, gibt es natürlich gute Gründe. Hitlers Vernichtung nahm auch die Linken nicht aus, so dass in unserer Geschichte also eine ganze Generation Linker fehlt. Eine Generation, die Ideen, Modelle und Theorien praktisch hätte übermitteln können. Hinzu kommt, dass der deutsche Staat ein besonders perfides System hat, politische Gegner zu bestrafen und einzuschüchtern. Anstatt wie z.B. die italienische Polizei einfach drauf zu knüppeln, versuchen deutsche Polizisten möglichst häufig Identitäten festzustellen, um den Betroffenen anschließend mit Anzeigen lange das Leben schwer zu machen. Blaue Flecken heilen schnell, aber eine Anzeige kann lang- und schwergewichtige Folgen haben. Der Verfassungsschutz hat beide Augen auf scharf links gestellt, was bedeutet, dass man permanent damit rechnen muss, überwacht zu werden. All diese Dinge und noch viele weitere haben dazu geführt, dass sich die linke Szene abgeschottet hat. Die Politik rückt seit Jahren nach rechts und niemand hört uns zu. Hinzu kommt der innere Anspruch perfekt zu sein, also das perfekte Modell, die Utopie, zu besitzen. Der Konkurrenzkampf, welcher Aktivismus wichtiger, moralisch überlegener ist, führt dann dazu, dass sich linke Gruppen untereinander schwächen.

Aber auch mir ist natürlich aufgefallen, dass es da draußen eben nicht „die linke Szene“ gibt, in der alle Menschen die gleichen Ideale und Ziele haben. Es hat sich auch bei uns einiges getan. In Bochum ist z.B. ein Haus besetzt worden, die Nachbarschaft unterstützt diese Besetzung. Warum das so ist? Weil die Besetzer etwas grundlegend anders gemacht haben. Sie haben ihre Taktiken und Strukturen verändert. Sie arbeiten mit Medien, kommunizieren offen, was sie für Vorstellungen haben und versuchen die Leute aus der Nachbarschaft zum Mitmachen zu bewegen. DAS ist linke Politik und nicht, dass Androhen von Sanktionen und Gewalt, weil einige der Besetzer mit SAT1 gesprochen haben.

Hat jemand eine konkrete Ahnung, wann das letzte Mal vermummte Hausbesetzer im Fernsehen über politische Themen geredet haben? Hat jemand eine konkrete Ahnung, wie viele vom Kapitalismus gebeutelte Menschen diesen Beitrag gesehen haben und Hoffnung geschöpft haben? Hat jemand eine konkrete Ahnung, was passiert, wenn wir uns in den Medien einen Platz erarbeiten, mit dem wir unsere Inhalte verbreiten können? Es reicht einen Blick nach Spanien zu werfen, wo sich die übergroße Mehrheit der Bevölkerung heute als politisch begreift und viele Menschen sich für eine bessere Zukunft engagieren. Das geht zurück auf neue Taktiken und Methoden der 15M-Bewegung, die 2009/2010 aus ca. 800 Linksradikalen entstand.

Deshalb also hier mein Schlussappell:

Liebe Linksradikale,

die allermeisten unserer Verhaltensweisen und Regeln kommen nicht von ungefähr, sollten aber diskutiert werden dürfen. Es muss eine offene Diskussionskultur herrschen, in der Menschen genau diese Regeln hinterfragen dürfen. Und wir müssen zulassen, dass eine neue Generation von politischen Menschen sich selbst ausprobiert. Fehler zu machen, bedeutet auch sich weiter zu entwickeln.

Wir können uns nicht weiter abkapseln und neuen Leuten genau das dann als Sicherheit verkaufen. Denn wir sind nicht sicher, nie! Und je kleiner wir werden, umso einfacher ist es für Staat und Nazis uns zu beobachten und uns das Leben schwer zu machen. In Wuppertal gibt es 30 Verfassungschützer für die linke Szene. Wir haben also eine Eins-zu-Eins-Betreuung. 😉

Je heterogener eine Gruppe ist, desto schwieriger ist es für unsere Gegner uns einzuschätzen. Menschen, die es sich nicht zutrauen, bei einer Demo eine Black-Bloc-Taktik zu unterstützen, sind nicht weniger links, nur weil sie stattdessen im bürgerlichen Teil der Demo laufen oder sich in EA-Strukturen einbringen.

Konzentrieren wir uns auf Gemeinsamkeiten und verändern wir diese Gesellschaft.

Weiterführende Lektüre

 

Ich habe vor ziemlich exakt zwei Jahren einen ähnlich aufreißerischen Artikel geschrieben, der sich auch schon mit uns als Szene und Bewegung auseinander gesetzt hat. In diesem gehe ich auf Bereiche wie Medienarbeit detaillierter ein. Nach wie vor sind große Teile dieses Artikels aktuell, daher verlinke ich ihn hier.

Wir haben versagt!

Ebenfalls verlinken möchte die großartige Arbeit, die viele andere Linksradikale vor mir geleistet haben. Denn wie schon weiter oben erwähnt gibt es natürlich nicht „die linke Szene“, sondern auch hier finden sich viele undogmatische, zukunftsorientierte, offene Menschen, die sich nicht hinter Hass und Ausgrenzung verstecken.

Hier eine kleine Auswahl:

Fertig mit den „Antideutschen“ – eine Kritik „antideutscher“ Ideologie und Praxis

Antisemiten überall? Zur Kritik an einem inflationären Vorwurf

Ebenfalls erwähnen möchte ich Initiativen, die sich für eine Verständigung zwischen Palästina und Israel einsetzen. Bei diesen Gruppen gibt es Möglichkeiten Antisemitismus zu thematisieren, ohne andere linke Gruppen damit zu diffamieren.

Um nur zwei Beispiele zu nennen:

Anarchists against the Wall 

Wikipedia – Artikel  

Facebook-Seite

und den

Kopi – Deutscher Kooperationskreis Palästina Israel

Und als letztes verlinke ich noch die überaus interessante Studie über die Jugend in Europa und ihre politischen Interessen:

http://www.generation-what.de/portrait/data/occupy

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

2 Kommentare zu „Hass auf Kartoffeln & Liebe für Staaten – Was ist eigentlich links sein?“

  1. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsHallo, ein sehr schöner Beitrag. Was soll ich sagen… Du sprichst mir mehr oder weniger aus der Seele.
    Viele der von dir genannten Kritikpunkte haben leider dazu geführt, dass ich mich linken, politischen Gruppen nie anschließen konnte.. Ich verstehe mich zwar auch als linksradikal aber wo eine Uniformierung beginnt – z..B. in Sachen Sprache, Denken, Kleidung… – bin ich raus.. Aber aufgeben kommt natürlich trotzdem nicht in Frage. Beiträge wie deiner geben zusätzlich Zuversicht.
    Einzig der Abschnitt bzgl. „Antideutscher“ hat mich etwas irritiert. Deine Kritik kann ich zwar nachvollziehen (und stimme da eigentlich größtenteils zu) aber von „DEN Anti-Deutschen“ zu reden finde ich etwas unpassend, denn es gibt nicht „Die Anti-Deutschen“ – als eine homogene Gruppe oder Schublade – wohl aber Menschen mit einer Haltung (verschiedenster Ausprägung), wie du sie geschildert hast.
    ________________

    „Für allen anderen muss gelten: Es kann noch klappen. Wir müssen um jeden einzelnen kämpfen.“

    Ein, wie ich finde, besonders wichtiger Gedanke. Eine innere Einstellung von der wir uns alle eine Scheibe abschneiden sollten.
    Sehr schön wurde dies auch an anderer Stelle (im LowerClassMagazine) aus kurdischer Sicht dargestellt. Lohnt sich zu lesen. Ich zitiere:
    „[…]eine Geschichte über Kemal Pir, einen der ersten Weggefährten Abdullah Öcalans beim Aufbau der kurdischen Befreiungsbewegung.
    Dieser habe eines Tages einen jungen Mann rekrutieren wollen, der allerdings nicht so richtig Lust hatte, aktiv zu werden. „Kemal Pir verfolgte ihn nachhause. ‚Lass uns reden‘, sagte er. Aber der andere wollte nicht. Doch Kemal Pir gab nicht auf. Er schlief die Nacht vor der Tür des Freundes, den er überzeugen wollte. Der war so verdutzt, dass ihm jemand so viel Aufmerksamkeit beimaß, dass er Heval Kemal ein Ohr lieh. Sie diskutierten und diskutierten. Und der Freund trat bei.“ Daraus könne man lernen: „Wenn es eine Stunde dauert, jemanden zu überzeugen, gut. Wenn es ein Jahr dauert, oder zehn Jahre, müssen wir diese Zeit aufbringen.“
    Abdullah Öcalan soll einmal gesagt haben: Wenn du einen Menschen siehst, der bis zum Schopf im Schlamm der kapitalistischen Moderne steckt, und nur ein einziges Haar herausragt, dann ist es deine Pflicht, ihn daran zu packen und zu versuchen, ihn herauszuziehen.[…]“
    http://lowerclassmag.com/2017/05/rojava-tagebuch-10-gebt-keinen-euresgleichen-auf/

    LG

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