Alternativen zum #Kapitalismus – #Basisdemokratie, aber wie?


Sehr häufig sehe ich mich mit der Frage „Aber wie soll es denn sonst gehen, wenn nicht so, wie es gerade läuft?“ konfrontiert. Und schon häufig habe ich versucht diese Frage zu beantworten. Unter anderem mit anarchistischen Ansätzen, wie in diesem Text vor vier Jahren. Nun habe ich mich in diesen vier Jahren natürlich weiter entwickelt und mehr Wissen angesammelt, mich ausprobiert und vor allem seit kurzem die EZLN als politisches Vorbild für mich entdeckt.

All dies hat dazu geführt, dass ich mich erneut der Frage widme: „Wenn nicht so, wie denn dann?“ In diesem Text möchte ich konkretisieren und Alltagsbeispiele für die Theorien finden, die ich bereits so lange hin und her wälze.

Aktuell haben wir in Wuppertal die Eisbrecher wieder gegründet. Anhand dieser Gruppe und an weiteren Einzelbeispielen aus dem realen Alltagsleben möchte ich ausführen, wie ich mir vorstelle, wie wir alle gemeinsam die Welt zu einem besseren Ort für uns alle machen können.

Doch beleuchten wir noch kurz die Ansätze der EZLN und versuchen wir sie auf unsere Situation in Deutschland zu übertragen. Die Idee aus dem kleinsten Kreis heraus Widerstand zu organisieren, habe ich ja bereits am Ende des letzten Artikels „#NoG20 #Hamburg – Was wird passieren?“ erwähnt.

Diesen Ansatz verknüpfe ich mit der Theorie, dass wir alle selbst zu abhängig vom Kapitalismus geworden sind, um ihm effektiv etwas entgegen zu setzen. Da dies auf jeden Menschen in Deutschland zutrifft, also auch auf Menschen in linksradikalen Gruppierungen, schwächen sich diese bei einem Schlag gegen den Kapitalismus direkt selbst. Diese Abhängigkeit ist in Deutschland nahezu abgeschlossen. Es gibt kaum noch Räumlichkeiten, in denen wir uns ohne Konsumzwang treffen können. Wir haben kaum noch Freizeit, in der wir uns organisieren können, weil uns der Staat mit Studium, Schule, Jobcenter, Arbeitsdruck und Maßnahmen permanent beschäftigt hält. Wir sind auf Supermärkte angewiesen, weil es in den meisten Ballungsräumen in Deutschland schlicht nicht genug Platz für Selbstversorgung gibt und die Produkte durch Subventionen eben oft billiger sind, wenn man sie im Supermarkt kauft. In nahezu allen Lebensbereichen unseres Alltags ist der Kapitalismus tonangebend. Das schwächt uns nicht nur direkt, sondern eben auch unsere politische Arbeit, mit der wir etwas gegen die Übermacht des kapitalistischen Wirtschaftssystems tun könnten.

Daraus leite ich den Lösungsansatz ab, dass sich Gruppen im kleinsten Kreis erst mal solidarisch organisieren müssen, um sich ein Stück Freiheit zu erkämpfen. Passiert dies an mehreren Orten, können diese Kreise vernetzt werden. Bei den Eisbrechern zeichnet sich gerade ähnliches ab. Die ersten Treffen wurden vor allem für den Austausch und eine Vertrauensbildung genutzt. Außerdem wurden Themenschwerpunkte herausgearbeitet, es wurde am Selbstverständnis gearbeitet und es wurden Probleme analysiert, sowie Lösungsansätze für selbige gefunden. Die nächste Phase zeichnet sich nun immer deutlicher ab: Es bilden sich zu den einzelnen Themen Arbeitsgruppen, die im Folgenden AGs genannt werden. Diese AGs sind teilweise in der Gründungs- und Findungsphase, teilweise haben aber auch schon öffentliche Veranstaltungen stattgefunden, wie ihr auf dem Blog der Eisbrecher nachlesen könnt. Den Problemen, dass in den Treffen zwar viel besprochen, aber anschließend wenig umgesetzt wird, die Konsumhaltung von manchen Teilnehmern, die einen Wunsch ins Treffen hineintragen und damit glauben, den Job gemacht zu haben und die Hierarchien, die sich bei zentral organisierten Treffen bilden, wird so entgegen gewirkt. Außerdem lassen sich Schwerpunkte noch genauer erkennen. Besteht Interesse an einem Thema, aber will niemand mit der Arbeit anfangen, wird das Thema automatisch hinten angestellt, so lange bis genügend Leute vorhanden sind, die die Arbeit aufnehmen. Um einen Überblick zu geben, was für eine Art von AGs entstehen können, will ich im Folgenden einige Beispiele der Eisbrecher in Wuppertal auflisten.

Die AG Medien, an der ich mich natürlich in hohem Maße beteilige, weil ich sie im 21. Jahrhundert und in einer Bewegung, die Menschen erreichen will, für unerlässlich halte:

Seit Beginn hat das Thema großen Anklang gefunden. Aktuell arbeiten ca. 7 Menschen kontinuierlich an Workshops und Empowerment im Bereich Medien, aktuell vor allem im Bereich der sozialen Netzwerke. Es fand bereits ein Workshop zu Twitter und Facebook statt, zwei weitere Workshops folgen. Die Themen sind Fotos und Videos bei #NoG20 und anderen Aktionen und eine Schreibwerkstatt. Die Termine fürs nächste offene Treffen und den Foto-Workshop findet ihr hier. Für weitere Ankündigungen und Termine folgt dem Blog, dem Twitter-Account, dem Hashtag #EisbrecherWtal oder der Facebook-Seite der Eisbrecher Wuppertal.

Die AG Ernährung und Konsum ist gerade in der Gründungsphase und stellt sich am Sonntag, beim offenen Treffen, vor. Dazu wird es Salat, Fingerfood und Eistee geben, natürlich gegen Spende, so dass beim nächsten Treffen das nächste Essen finanziert ist. Die Idee der AG ist nicht der reine Versorgeraspekt, um so ständige Besuche bei Fastfood-Restaurants zu vermeiden, sondern vor allem der Gedanke, wie konsumiere ich im Alltag und wie kann ich solidarisch gemeinsam mit anderen diesen Konsum reduzieren? Als Beispiel kann jemand der viel arbeiten geht und mehr Geld verdient, einen höheren Anteil bezahlen und sich dafür zusätzlich etwas mit nach Hause nehmen. Diejenigen, die wenig oder nicht arbeiten, haben die Zeit zu kochen und Lebensmittel z.B. über das Foodsharing zu organisieren. Im kleinsten Kreis kann also mit konkreter Solidarität und Planung die Abhängigkeit vom Kapitalismus minimiert werden. Ein weiterer Teilaspekt dieser Gruppe ist natürlich auch die Gesundheit. Was essen wir eigentlich und was bedeutet unser Konsum für unseren Körper? Daran angedockt befindet sich die AG Wer kann was?, in der Menschen versuchen ihre Stärken und Möglichkeiten darzustellen und sie einer Gruppe von Menschen anzubieten. Wie das konkreter aussehen kann? Das wissen wir noch nicht, aber wir sind auf einem guten Weg es herauszufinden, indem wir es ausprobieren.

Die AG Feminismus ist in der Gründungsphase und hat bereits ein erstes offenes Treffen, welches am Sonntag bekannt gegeben wird. Hinter der AG stecken sowohl männliche wie weibliche Teilnehmer, die das Thema Feminismus gemeinsam sachlich und unverkrampft beleuchten wollen. Was ist denn überhaupt Feminismus? Welche realen Probleme haben Frauen in der heutigen Zeit? Wie könnte man diese Probleme mit linken Ansätzen lösen? Warum profitieren auch Männer vom Feminismus? Welche feministischen Gruppen gibt es in Europa und was sind ihre Themen?

Eine erste, öffentliche Veranstaltung mit viel Raum für Diskussion ist bereits in Planung und soll beim ersten offenen Treffen der AG konkretisiert werden.

Die AG Centro Sociale ist in Gründungsphase und stellt sich am Sonntag beim offenen Treffen vor. Hinter der Idee stecken Menschen, die Freiräume in Stadtvierteln schaffen wollen, damit Nachbarn zusammen kommen können und sich selbstbestimmt organisieren können. Nicht nur wir brauchen Räume für unsere Treffen, sondern alle Menschen brauchen Räume, in denen sie nicht gezwungen werden etwas zu konsumieren und sich trotzdem treffen können. Die AG will Wege finden auch in Wuppertal ein Centro Sociale aufzubauen.

Denkt man das Ganze ein wenig weiter, so entstehen bei entsprechender Notwendigkeit temporäre oder dauerhafte AGs, die sich über das Netzwerk der offenen Treffen beständig auf dem Laufenden halten und gegebenenfalls zusammenarbeiten. Denn es gibt und gab schon deutlich mehr AGs bei den Eisbrechern und noch mehr Impulse für die Entstehung anderer AGs. So ist z.B. die AG Aktionen angedacht, die das Angebot von kreativem Protest und Widerstand aufzeigt und konkretisiert. Bei Bedarf kann dann Aktion X relativ schnell umgesetzt werden. Temporäre AGs sind Arbeitsgruppen, die sich wegen einem bestimmten Termin zusammen finden, aktuell ist das z.B. die AG G20.

Um den Bogen zu schließen und wieder bei der EZLN zu landen; mit der AG Ernährung und Konsum und einem Centro Sociale können wir uns ein wenig Freiraum im Kapitalismus zurück erobern und sind gleichzeitig weniger abhängig von ihm. Die Organisation findet im kleinsten, möglichen Kreis, nämlich dem der Eisbrecher und ihrer Sympathisanten statt und ermöglicht doch Partizipation. Durch eine mediale Begleitung können Gruppen überall daran teilhaben und sich die Entwicklungsprozesse anschauen, aus unseren Fehlern lernen und in ihren eigenen Städten ihre eigenen Strukturen aufbauen. Wenn wir solidarischer leben, leben wir antikapitalistischer und wenn Gruppen den Kapitalismus angreifen, werden solidarische Strukturen weniger geschwächt.

Und beobachten wir das Verhalten des Staates; aktuell in Hamburg wieder deutlich zu erkennen; so wird noch ein weiterer Vorteil dieser Organisationsform überdeutlich: Die Bullen brauchen eine Vorlaufzeit, um sich so aufzustellen, dass sie für uns nahezu unschlagbar sind. Durch strenge Hierarchien sind sie nicht in der Lage spontan und selbstbestimmt zu agieren, sondern sie müssen immer warten, bis sie einen Befehl bekommen. Sprich, passieren Dinge spontan sind die allermeisten Polizisten hoffnungslos überfordert. Beobachtet mal die ersten Streifenpolizisten bei Spontis. Wenn also dezentral kleine Gruppen entstehen, die gut vernetzt sind und jederzeit agieren können, so wird es dem Staat schwerer fallen, dies zu unterbinden.

In dem Sinne: Get organized…

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