Nicht labern, machen! – Endlich die ultimative Definition vom #Anarchismus


Es ist mal wieder Zeit für einen neuen Artikel in „Gedankensprünge der Revolution“. Immer dann, wenn in meinem Leben etwas passiert, zu dem ich mich äußern möchte, schreibe ich einen Artikel. Naja, nicht immer. Manchmal reicht die Zeit nur für einen Tweet oder eine nett gemeinte Telegram-Nachricht. Aber manchmal muss ich mir auch mehr Zeit nehmen, denn manchmal ist es ganz einfach zu wichtig.

Meine politische Arbeit ist die Analyse. Die Analyse von unserer Gesellschaft und die der linken Szene. Zunächst einmal sollte jedoch klar sein, dass linke Gruppen immer nur ein Zerrbild der Gesellschaft sind, sprich, sie sind Teil von ihr und verhalten sich wie sie, auch wenn sie genau dies anstreben nicht zu tun. Dies ist nicht die Schuld oder Verantwortung einzelner, sondern liegt in der Tatsache begründet, dass der Mensch nun mal auch von der Gesellschaft sozialisiert wird und sich dieser nicht entziehen kann. Die Frage ist auch, ob man dies als Linker will. Denn nach meinen Empfindungen geht es ja gerade darum, diese Gesellschaft zu ändern, zu verbessern. Wenn ich den Kontakt verloren habe, kann ich weder analysieren, was passiert, noch darauf reagieren oder gar die Richtung angeben. Die linke Szene in Deutschland tut genau das Gegenteil. Sie deutet, ganz nach neoliberaler, kapitalistischer Ideologie auf alles um sich herum, teilt in Schubladen ein, verurteilt, wertet ab und sich selbst damit auf. Denn um nichts anderes geht es im Kapitalismus. Der ewige Konkurrenzkampf basiert auf dem simplen Prinzip, dass ich selbst besser bin, wenn andere schlechter sind. Ich muss also nur herausfinden, wer in irgendetwas schlecht ist und dies laut verkünden, um mich selbst besser zu fühlen. Nichts anderes tun „linke“ Gruppen, wenn sie krampfhaft nach Antisemitismus suchen oder die übergroße Mehrheit der Bevölkerung als Mörder hinstellen, die sich an einem Holocaust gegen Tiere beteiligen. Das tun „Antifas“, die in jedem Deutschen den Nazi sehen, alle Kartoffeln einstampfen und Dresden bombardieren wollen. Das tun „Hardcore-Pazifisten“, die anderen vorschreiben, wie ihr Protest abzulaufen hat, nämlich bitte friedlich und im Rahmen. Nebenbei, einem Rahmen, der uns von denjenigen vorgegeben wird, gegen die wir protestieren. Ich könnte hier wohl noch ewig so weitermachen, aber dann würde ich meine eigenen Thesen ad absurdum führen, denn genau darum geht es beim Links sein eben nicht. Da ich Anarchistin bin und den Anarchismus als die linkeste Form von politischer Organisation und die Anarchie als linkeste gesellschaftliche Ordnung definiere, da nur eine absolute Hierarchiefreiheit eine wirkliche Freiheit für alle bedeuten kann, behaupte ich von mir ganz arrogant gut einschätzen zu können, was links ist und was nicht. Des weiteren fordere ich hiermit alle Anarchisten dazu auf, dies ebenfalls lautstark und permanent zu tun.

Anarchokapitalismus ist ein Paradoxon an sich und die Tatsache, dass „Anarchisten“ dies als politische Strömung bezeichnen, würde Kropotkin wohl in eine tiefe Krise stürzen, wäre er noch am Leben. Anti-Deutsche erfüllen alle Klischees, die über Deutsche bekannt sind, selektieren Juden in Gute und Schlechte, nämlich in solche die Israel kritisieren und in solche, die es nicht tun. Hier gibt’s mehr über Anti-Deutsche und ihre krude Ideologie.

Wenn wir also analysieren, was der Kapitalismus mit uns macht und wir uns dazu entscheiden, dagegen in den Widerstand zu gehen, dann müssen wir uns zu allererst mit uns selbst auseinander setzen. Anarchist wird man nicht, indem man sich ein Ⓐ auf die Jacke näht, sondern indem man sich selbst ändert und anschließend die Gesellschaft.

Definitionen des Anarchismus und der Anarchie gibt es im Netz in zahlreichen Ausführungen, daher beschränke ich mich hier darauf auf den Anarchistischen Stammtisch Wuppertal aufmerksam zu machen, der bereits einige interessante Artikel geschrieben hat, die mit vielen weiterführenden Texten verlinkt sind. Ansonsten kann ich auch ganz schlicht und einfach Google empfehlen. Doch das wohl allerwichtigste beim Anarchist sein ist das Infrage Stellen von allen Konventionen, Normen und natürlich Hierarchien und die Idee, dass der Mensch ohne kapitalistischen Druck erst zu einem wirklich guten Menschen fähig ist. Das bedeutet für mich persönlich, dass ich mich permanent hinterfrage, bei allem was ich tue. Es bedeutet, dass ich anerkennen muss, dass ich mich im kapitalistischen System befinde und zwangsläufig hier und da Ausbeutung unterstütze. Ich kann immer nur das kleinere von zwei Übeln wählen und fühle mich eigentlich permanent schuldig. Doch das ist nur ein kleiner Teil, denn als Anarchist versuche ich immer einen besseren Weg zu finden und in jedem System Schlupflöcher zu entdecken. Ich möchte so wenig wie möglich konsumieren, weil jeder Euro den Kapitalismus stärkt, speziell, wenn ich ihn achtlos ausgebe. Ein Beispiel: Ich verdiene nicht viel Geld, muss also planen, welches Geld ich für was ausgebe. Wenn ich Kleidung brauche, besuche ich einen der zahlreichen Second-Hand-Läden in Wuppertal. Allerdings nicht solche, in denen die 600€ Lederjacke nun nur noch 300€ kostet, sondern die von den kirchlichen Trägern, wie z.B. der Diakonie oder dem Kinderschutzbund. Dort werden Sachen gespendet, andere können sie für wenige Euro kaufen und der Erlös geht eben an die Diakonie oder den Kinderschutzbund. Die Sachen, die ich dort finde, sind oft qualitativ so hochwertig, dass ich sie mir neu gar nicht leisten könnte. Außerdem finde ich oft sehr ausgefallene Sachen, für die ich nicht selten auf der Straße angesprochen werde. Des weiteren ist es jedes Mal super spannend shoppen zu gehen, denn man weiß nie, was man findet. Es gibt auch Kleidertauschpartys, bei denen man Klamotten, die man nicht mehr braucht, verschenkt und die von anderen mit nach Hause nimmt. Bücher kann man in Gift Boxen finden oder man meldet sich in der Bücherei an. Es gibt inzwischen zahlreiche Cafés, Restaurants und Kneipen, die offene Bücherschränke haben. Die Sharing-Economy ist zwar kritisch zu betrachten, da sie den Kapitalismus nicht in Frage stellt, aber sie nicht zu nutzen, wäre dumm. Man könnte hier auch von der Widersprüchlichkeit des Links seins reden oder wie Adorno sagte: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“

Foodsharing ist eine tolle Sache, erfordert allerdings Flexibilität, ein gewisses zeitliches Kontingent und eine gewisse Mobilität. Bei Obst und Gemüse kaufe ich oft regional und saisonal, die bestmögliche Qualität, möglichst in kleinen Geschäften. Ich achte weniger auf Label wie „Bio“ und mehr darauf, ob die Trauben Kerne haben, also nicht gen-manipuliert sind. Dabei werde ich meinem Anspruch nie gerecht, da wir, wie eben schon erwähnt, wenig Geld zur Verfügung haben. Ich versuche aber immer die Erfolge zu sehen und mich auf das zu konzentrieren, was geht und nicht auf das, was nicht geht. Denn dies ist einer der Grundpfeiler des Kapitalismus: Negativität und Angst. Die Angst davor scheitern zu können oder Fehler zu machen ist so groß, dass man am Ende gar nichts macht. Im Klartext: Beim Einkauf bei real konzentriere ich mich nicht darauf, wie wenig die Angestellten hier verdienen, sondern darauf, dass ich Trauben mit Kernen gefunden habe. 😉

Der Anarchismus erfährt einen Zustrom wie schon lange nicht mehr. Weltweit gibt es immer mehr Aufstände, spontane Massenerhebungen, also anarchistische oder anarchische. Selbst in Deutschland verzeichnen die Anarchisten Zulauf. Das sieht man schon daran, wenn man sich im Netz bewegt. In zahlreichen Foren werden anarchistische Thesen diskutiert, auf Plattformen wie gutefrage.net haben junge Leute zu Hauf Fragen zum Thema Anarchismus. Es gibt wieder mehr aktive, anarchistische Gruppen, als noch vor einigen Jahren. Im Zuge dessen ist auch die Zahl der Hausbesetzungen gestiegen. Deshalb habe ich mich auch dafür entschieden, mich von nun an ausschließlich darauf zu konzentrieren. Natürlich werde ich mich auch weiterhin zu anderen Themen äußern, aber immer aus einer anarchistischen Perspektive und immer in Zusammenhang mit einem anarchistischen Lösungsansatz. Eine anarchistische Gesellschaft ist möglich. Sie hat schon mehrfach in großem Umfang funktioniert und sie ist die einzige Lösung für all die Probleme, die auf uns zukommen. Weltweit haben Jugendliche und junge Menschen das erkannt. Die Generation What in Europa macht sehr deutlich, in welche Richtung die Reise in den kommenden Jahren geht. Doch auch in Indien, China, Amerika, Russland und Afrika gehen junge Menschen auf die Straße. Es wird zu einer globalen Revolution kommen. Die Frage ist nur, wer am Ende gewinnt. Falls wir den kürzeren ziehen, werden die darauf folgenden Jahre von einem globalen, faschistischen Terror beherrscht sein. George Orwell zeichnet mit 1984 eine Dystopie, die gar nicht so unrealistisch scheint, betrachtet man die aktuellen Entwicklungen.

Viele Linke hängen nun mit dieser Analyse in ihren AZs und sehen eine tote Szene, die sich darin erschöpft ein bestimmtes Bier zu trinken, bestimmte Klamotten zu tragen, eine bestimmte Musik zu hören und bestimmte andere Leute scheiße zu finden. Da fragt man sich natürlich zu Recht, was tun?

Die Revolution wird auch in Deutschland stattfinden. Sie wird nur nicht von der linken Szene entfacht werden und vielleicht ist das auch gut so. Betrachtet man nämlich die Gesellschaft, so sieht man überall Wut und Frustration über die herrschenden Verhältnisse. Ob es die Hebammen, die Leiharbeiter, die Arbeitslosen oder die körperlich wohlbeleibteren sind. Alle haben genug! Genug davon ausgebeutet zu werden, weil der Euro mehr zählt als der Mensch. Genug davon als Sündenbock herzuhalten, für ein politisches System, was einfach nicht funktioniert. Oder als Schamobjekt benutzt zu werden, weil andere Leute sich selbst darüber aufwerten müssen, in dem sie andere als „fett“ bezeichnen. Der Hashtag #RiotsNotDiets ist in diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen.

Riots für alle! Riots gegen alles, was uns zerstört, uns die Luft zum Atmen nimmt, uns versklavt und uns zwingt uns selbst zu verkaufen. Riots so lange, bis der ganze Kapitalismus in Schutt und Asche liegt und wir darauf etwas neues aufbauen können.

Doch wer glaubt, dass es mit dem Anzünden von ein paar Kleinwagen getan sei, den muss ich hier enttäuschen. Denn die Riots sind nur ein kleiner Teil einer linken Revolte. Sie sind der erste Ausdruck einer übermächtigen Wut und gleichzeitiger Hilflosigkeit angesichts der Übermacht des Staates. Aus den Riots können Solidarität und eine bessere Gesellschaft erwachsen. Doch nur, wenn wir uns alle aktiv dafür einsetzen. Wer sich also meiner Analyse anschließt und sich nun fragt, wie und wo er sich einbringen kann, dem kann ich einen Spaziergang durch die eigene Stadt empfehlen. Anarchismus gibt’s überall. Ob es der Gemeinschaftsgarten mit den Nachbarn oder das Café, welches Tee gegen Spende ausschenkt, ist, überall organisieren sich Menschen selbst. Das haben sie immer schon getan und das werden sie immer tun. Jede Organisation von mehreren Menschen im privaten Bereich ist anarchistisch. Den Anarchismus tragen wir alle in uns und er findet permanent statt. Die Aufgabe der Anarchisten ist es, ihn sichtbar zu machen, ihn zu politisieren, ihn zu stärken, fortwährend konstruktiv-kritisch zu begleiten und immer wieder neu anzupassen, an sich ändernde Umstände. Wer sich für Anarchismus interessiert, sollte sich mal in seinem Freundeskreis umhören, ob es da nicht noch jemanden gibt, dem es ebenso geht. Zu zweit kann man bereits einen Lesezirkel organisieren, oder einen Stammtisch. Eine eigene Facebook-Seite ist schnell erstellt und man kann so noch andere Leute in der eigenen Stadt oder im eigenen Viertel erreichen. Der Anarchismus ist nichts, was wir als Wahl auf dem Stimmzettel haben. Der Anarchismus ist, was wir draus machen. Er ist in uns allen und kann jederzeit und überall gelebt werden.

Wir sehen uns in der Nachbarschaft, beim Stammtisch, auf der Straße, in der Kneipe, in den Gärten und im Internet.

PS: Wer Anarchismus in Echt beobachten will, sollte sich an den Aktionen von #EndeGelände und dem aktuell stattfindenden Klimacamp in NRW beteiligen, in irgendeiner Form. Körperliche Anwesenheit hilft genauso wie virtuelle Verbreitung und Solidaritätsaktionen. Das Klima kennt keine Grenzen. Anarchismus auch nicht!

PPS: Sorry für den Titel! Den konnte ich mir nicht verkneifen! 😉

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

6 Kommentare zu „Nicht labern, machen! – Endlich die ultimative Definition vom #Anarchismus“

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