Warum alle Gläubigen Anarchisten sind – #Religion, #Kirche, #Glaube & #Anarchismus


Heute möchte ich mich mit einem vergleichsweise heißen Eisen auseinandersetzen, wie der Titel schon deutlich anzeigt. Um hier vernünftig zu arbeiten, braucht es zunächst einmal eine Definition der verschiedenen Worte.

Glaube:
Wir alle glauben. Auf irgendeine, teils sehr unterschiedliche Art und Weise glauben wir alle. Denn auch wenn wir in den letzten 150 Jahren immense Fortschritte in der Wissenschaft, Bildung und Aufklärung gemacht haben, so gibt es auch heute noch unzählige Dinge, die wir nicht wissen, über die wir aber trotzdem nachdenken. In diesem Moment entsteht Glaube. Und dieser Glaube ist unglaublich sinnvoll und nützlich. Ohne ihn hätte sich die Menschheit nie weiterentwickeln oder überhaupt nur fortbestehen können.

Kirche:
Die Kirche steht hier nur symbolhaft für alle Institutionen, die mit dem Glauben der Menschen Missbrauch betreiben und ihn für ihre Zwecke einsetzen. Und das gilt für nahezu alle Religionen, wobei die Buchreligionen (Christentum, Judentum & Islam) noch deutlich mehr Mist auf dem Kerbholz haben, als die spirituellen Religionen.

Religion:
Um den Glauben der Menschen für bestimmte Zwecke einsetzen zu können, wurden Religionen geschaffen. Unter dem Deckmantel der Hilfe und Vernetzung von Gläubigen wurden unfassbare Gräueltaten verübt, Kreuzzüge & Attacken des KKK und Hinrichtungen durch den IS sind exakt dasselbe.

Anarchismus:
Der Glaube, dass der Kapitalismus überwunden werden und die Menschheit in absoluter Freiheit und Gerechtigkeit leben kann.
Über den Anarchismus findet ihr auf meinem Blog einige Artikel, die ich am Ende auch verlinken werde.

Nach dieser Definition möchte ich nun meine Sicht auf die Entstehung von Glaube und Religion vermitteln. Hierbei ist es mir wichtig noch einmal zu betonen, wie sehr Religion und Glaube im Laufe der Jahrtausende missbraucht und verfälscht wurden. Die Bibel ist hunderte von Malen überarbeitet worden. Doch wenn wir uns auf den innersten Kern der Religionen konzentrieren, kann man erkennen, dass sie sich eigentlich ziemlich ähnlich sind, in manchen Bereichen teilweise fast deckungsgleich. Manche Religionsforscher behaupten, dass alle Religionen einen gemeinsamen Ursprung haben und ich stimme dem zu: der gemeinsame Ursprung ist der Mensch und sein Wille sich weiter zu entwickeln. Denn schaut man sich die Geschichten der Bibel an, so entdeckt man im Grunde häufig Ratschläge, wie Gesellschaft funktionieren kann. In meiner Vorstellung ist das also ungefähr so abgelaufen:

Es gab eine Hungersnot. Irgendwann kamen die Menschen auf die Idee, alles was sie noch hatten, zusammen zu tragen und zu teilen. Als die Hungersnot überstanden war, haben sich manche überlegt, dass es klug wäre, diese Idee für kommende Generationen festzuhalten. Es gab aber weder Internet, noch Bücher oder Smartphones. Die einfachste Methode Moral und Wissen zu vermitteln waren damals Geschichten. Sie wurden von Generation zu Generation weiter erzählt, aber natürlich veränderten sie sich im Laufe der Zeit. Da die Wissenschaft damals noch in den Kinderschuhen steckte, kamen bei diesen Veränderungen nicht immer gute Sachen bei rum. Und nicht zuletzt enden wir beim Machtfaktor Religion und Kirche.

Spätestens ab diesem Moment, als der Glaube institutionalisiert wurde, war der ursprüngliche Gedanke hinter den Geschichten ins Gegenteil verkehrt worden. Denn diese Institutionen waren nicht darauf bedacht, dass sich die Gesellschaft weiter entwickelte, sondern ausschließlich auf ihren Vorteil und ihre Vormachtstellung in der Welt.

Ein paar Worte zu mir: Ich bin überzeugte Anarchistin und liebe es mir Dinge logisch herzuleiten. Ich finde Wissenschaft und Forschung unglaublich spannend und suche für alles, was mir passiert eine rationale Lösung oder Erklärung. Und doch bin auch ich Gläubige. Ich glaube an die Liebe und daran, dass der Mensch über sich hinauswachsen kann und diesen Kapitalismus auf die Müllhalde der Geschichte verbannt. Ich glaube daran, dass irgendetwas nach dem Tod kommt. Ich glaube daran, dass im Leben alles beglichen wird. Wer viel Gutes tut, dem wird viel Gutes widerfahren, denn ich erlebe genau das jeden Tag selbst. Ich glaube daran, dass es eine Menge Dinge gibt, die auf diesem Planeten ablaufen, von denen wir absolut keine Ahnung haben. Ich glaube, dass wir als Menschen uns noch in ganz andere Richtungen entwickeln könnten, wenn wir es zuließen. Und ich könnte diese Liste jetzt sicher noch um einige Seiten ergänzen. Doch kommen wir zurück zur Brücke zwischen Anarchisten und Gläubigen.

Gehen wir davon aus, dass die allermeisten Gläubigen, die Fanatiker sind da natürlich raus, da es für mich auch keine Gläubigen sind, sich wie alle anderen Menschen im Grunde ein sicheres und gutes Leben für alle wünschen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Sie möchten die Schöpfung Gottes, nämlich den Planeten, die Natur, die Tiere und Menschen bewahren. Nichts anderes will der Anarchist und kann sich eigentlich auch ohne mit der Wimper zu zucken der Aussage des Papstes anschließen: „Kapitalismus tötet.“

Diese Aussage sollte man nicht unterschätzen und er wäre nicht der erste rebellische Papst der unter mysteriösen Umständen stirbt. Denn was steckt eigentlich dahinter, wenn ein Papst so etwas sagt? Natürlich kann er nicht zur Revolution aufrufen, das können Menschen, die in hohen Positionen stecken nie. Sie wären schneller verschwunden, als man gucken kann. Doch für diejenigen Gläubigen, die eigenständig denken, hat der Papst eigentlich genau das getan. Denn wer sich dafür einsetzt, dass die Schöpfung Gottes gewahrt wird und erkannt hat, dass der Kapitalismus tötet, der ruft indirekt zum Widerstand gegen selbigen auf.

Abschließend möchte ich gerade bei diesem Thema ausdrücklich betonen, dass meine Artikel äußerst oberflächlich, aus einer sehr persönlichen Sicht geschrieben worden und völlig unvollständig sind. Mir geht es nicht darum über ein bestimmtes Thema ein umfassendes Referat abzugeben, sondern Denkanstöße zu liefern und Impulse zu setzen. Die völlige Vermischung von verschiedenen Religionen ist pure Absicht und soll der Provokation dienen.

Der Artikel ist Teil einer fortlaufenden Serie über Anarchismus und Anarchie:

„Nicht labern, machen! Endlich die ultimative Definition von Anarchismus“

„Wie werde ich Anarchist? – Anarchie und Anarchismus leicht gemacht“

Anarchismus in Deutschland im Jahr 2017 – Wir leben die Anarchie

Ich bin ein Anarchist – Mein zu Hause ist die Welt – Solidarität statt Einsamkeit

Warum sich alle gegen die schöne, neue Welt sträuben – Vermittlung von Anarchie

PS: Ich habe in den vergangenen Tagen auf den unterschiedlichsten sozialen Netzwerken Nachrichten von euch erhalten und ich möchte an dieser Stelle euch allen dafür danken. Ihr wart sehr ehrlich und offen und habt mir mitgeteilt was ihr denkt und fühlt, wenn ihr meine Texte lest. Das hat mich sehr berührt und ich möchte an dieser Stelle noch einmal dazu auffordern, sich genau so nicht nur in privaten Nachrichtenverläufen zu verhalten, sondern immer und überall. Eine anarchistische Gesellschaft kann in meinen Augen nur funktionieren, wenn wir uns selbst reflektieren und absolut ehrlich zu uns und anderen sind. Das bedeutet nicht, dass ich jedem immer direkt mitteilen muss, ob mir seine Hose gefällt oder nicht. Aber ich muss, um nicht fremdbestimmt zu werden, über mich selbst bestimmen und das bedeutet wiederum, dass ich wissen muss, was ich fühle und was ich will und das ich in der Lage bin, dies auch anderen mitzuteilen. Probiert es aus und das Ergebnis wird euch überraschen. Denn im Grunde sind wir alle Menschen mit Fehlern, die geliebt und anerkannt werden wollen, nicht für den Betrag, der am Ende des Monats auf dem Konto steht, sondern für das was wir sind. Wenn wir selbst die Anerkennung verteilen, weil jemand ehrlich über seine Schwächen spricht, können wir dem kapitalistischen, auf Konkurrenz und schönem Schein basierenden, System auch auf menschlicher Ebene den Saft abdrehen. Wir wollen eine bessere Welt? Dann müssen wir anfangen sie zu leben, Heute und Jetzt!

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

4 Kommentare zu „Warum alle Gläubigen Anarchisten sind – #Religion, #Kirche, #Glaube & #Anarchismus“

  1. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsLiebe Vicky! Erst mal einen Daumen hoch für diesen Artikel. Du sprichst damit etwas an, was mich schon seit langer zeit umtreibt. Ich hatte auch schon mal daran gedacht, etwas dazu zu schreiben, aber da ich keinen eigenen Blog betreibe wusste ich nichst so recht wie. Du weist vielleicht, das ich auch Psychotherapeutisch tätig bin und somit die Folgen des Kapitalismus in den Seelen der Menschen täglich erlebe. Die Seele, das Gemüt des Menschen ist jedoch ein Thema, das in den linken Diskursen und auch in unserer Botschaft an die Menschen viel zu kurz kommt. Viele Alt-Linke weigern sich sogar vehement, diese Themen auch mal in einen Diskurs mit einzubauen. Ich glaube aber, dass das auch einer der Gründe ist, warum sich viele einfach nicht für unsere Botschaft begeistern können. Wir sind zu trocken. Zu oberflächlich. Zu technisch. Die Entscheidung für ein Engagement oder sogar die Teilnahme an einem politischen Kampf wird aber nicht logisch entschieden (es sei denn, du bist auf Karriere und Bezüge aus, dann landest du aber auch wieder nicht bei einer linken Bewegung). Die Entscheidung, sich politisch oder gesellschaftlich zu engagieren ist immer eine emotionale Entscheidung. Die rechte nutzt dieses Wissen seit ewig, sie arbeitet ganz geziehlt mit Archetypischen Bildern, um in Menschen bestimmte Emotionen zu wecken und diese für sich zu vereinnahmen. Auch Deine oder meine Entscheidung, „Links“ zu sein, ist nicht nach logischen Gesichtspunkten gefällt worden sondern zunächst als Emotion in uns entstanden, die wir dann irgendwann mit logischen Argumenten untermauert haben. Um es nicht allzu lang zu machen: ich denke, wir müssen als Linke oder Anarchisten oder Antifaschisten oder als was wir uns auch immer sehen in dieser Sache erstens uns selbst mal aus einem neuen Blickwinkel reflektieren (was ich zum Glück bei jüngeren Mitkämpfern in unserer Bewegung doch häufiger beobachte) und als zweiten Schritt auch unser Auftreten in der Öffentlichkeit und unsere Botschaft dahingehend erneuern, dass wir auch die Emotionen der Menschen ansprechen. Dies könnte zum Beispiel durch eine gezielte Kampagne zum Thema psychische Gesundheit im Kaptalismus geschehen indem wir betroffenen zeigen: es ist der Kapitalismus der dich krank macht weil er dich von deinem Menschsein entfremdet. Dieses könnte mit Diskussionsrunden, Vorträgen und zum Beispiel einer Plakataktion geschehen (FB twitter und co sind eh selbstverständlich). Vielleicht konnte ich Dich ja jetzt als Erste für mein „Herzensthema“ begeistern. 🙂
    Liebe Grüße, Medya.

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