Strategien & Durchführung des Referendums in #Katalonien


Heute möchte ich eine Übersetzung von einem Thread (eine Kette von aneinander gehängten Tweets) publizieren, um euch einen Einblick in die Arbeitsweise der Katalanen zu geben, die gerade dabei sind mitten in Europa die soziale Revolution zu entfachen.

Der Account @CripticaOrg hat auf Spanisch in einigen Tweets aufgezeigt, wie die Katalanen es geschafft haben, ihr Referendum trotz spanischer Staatsgewalt durchzuführen. Außerdem wird auf politischer Ebene erklärt, warum der spanische Staat bereits jetzt verloren hat.
Ich halte diese Informationen für überaus wichtig und habe mir daher die Mühe gemacht, die Tweets sinngemäß zu übersetzen. (Die spanische Sprache funktioniert ganz anders, als die Deutsche und eine Wort für Wort Übersetzung würde oftmals keinen Sinn ergeben.) Ich betone hiermit ausdrücklich, dass ich mit diesem Beitrag in keinem Moment dazu aufrufe, diese oder ähnliche Methoden irgendwo anzuwenden. Dieser Beitrag ist rein dokumentativ gemeint und soll auch nur so genutzt werden.

Es handelt sich um folgenden Thread auf Twitter. Wer Spanisch kann oder mit dem Google Übersetzer arbeitet, kann die Tweets gerne überprüfen. Falls mir irgendwo ein Fehler unterlaufen ist, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mich kontaktiert und ich den Fehler ausbessern kann.
Der Account @CripticaOrg beschreibt sich auf Twitter selbst wie folgt:
„Die Technik ist politisch: Schütze die, die dich umgeben, indem du deine Privatsphäre verteidigst. Wir bieten kostenlose Sicherheits-Workshops, Kontaktiert uns!“

Die Tweets in dem Thread sind jeweils mit einem doppelten Absatz markiert.

„Das Referendum in Katalonien zeigt wunderbar die Strategien der „Operational Security“ (Betriebssicherheit) auf. Der Präsident von Katalonien beim Wechseln der Autos in einem Tunnel. Er stieg anschließend in einen Helicopter um, um der spanischen Polizei zu entkommen und wählen zu können.
https://twitter.com/RaholaOficial/status/914625154151526400

Wenn es mehrere Autos mit ähnlichen Eigenschaften gibt, weiß man nicht mehr genau, welches man verfolgen muss. Das ermöglichte dem Präsidenten wählen zu gehen und sich dabei fotografieren zu lassen.

Die Vorbereitungsphase ist ebenfalls zu beachten. Die echten Urnen wurden in Frankreich gelagert, außerhalb der Reichweite der spanischen Regierung.

Der Thread zeigt, wie Infrastruktur außerhalb der Reichweite des Gegners aufgebaut wurde.

Nur Face-To-Face-Treffen, vorher immer das Handy ausschalten und niemand darf zu keiner Zeit den Ort aller Urnen kennen.

Wenn jemand alle Informationen hätte, würde es reichen ihn zu verhaften, um den Plan abzubrechen. Daher ist es besser, nur einen Teil zu kennen.

Die Urnen überquerten die Grenze in verschiedenen Fahrzeugen, die in dezentraler Weise in Lagern oder anderen Unterbringungen gelagert werden sollten.

Um zu gewinnen, war es nie genug, um nur Muskeln einzusetzen. Es braucht lokale Unterstützung, „das Gewinnen von Herzen und Köpfen“, wenn man einen Angriff abwehren will.

Wenn du die Unterstützung der örtlichen Bevölkerung hast, kannst du dir sicher sein, dass dein Scheitern den Gegner sehr viel Kraft kostet: Irak, Afghanistan, Vietnam …

Wirf einen Blick in jedes gute Aufstandsbekämpfungsbuch, um zu wissen, dass Kraft allein nicht ausreicht.

Wenn du deine eigenen Leute in einem Boot vor der Stadt unterbringen musst, repräsentierst du deine extreme Isolation als politische Kraft. Das allein ist schon eine Niederlage.

Wenn jemand über die “OP Referendum” (den Polizeieinsatz am 1. Oktober) noch als Möglichkeit der Verhinderung des Referendums nachdenken wollte (die Gewalt der Polizei bei diesem Einsatz wirkte so), so ist diese Idee nun gescheitert.

Die Verantwortlichen für die Organisation des #CatalanReferendums haben dieses Spiel gewonnen. Bewusster Einsatz der “OP Security” (Organisation des Referendums) versus blinde Gewalt. Das Ergebnis war unvermeidlich.

Wenn deine Strategie nicht über den Gewaltakt am 1. Oktober hinausgeht, hast du dich heute völlig delegitimiert. Du hast verloren.

Mehr diskreditiert als je zuvor, isoliert von der lokalen Bevölkerung, ohne mögliche öffentliche Rechtfertigung. Herzlichen Glückwunsch: Du hast deine eigene Niederlage unterschrieben.

Um erfolgreich zu sein, muss die Verteilung der Informationen gut verwaltet werden. Sie wissen es auch bei der @Banc_Expropiat. (Verweis auf eine katalanische Bank, die auf Twitter ihre Solidarität mit der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung erklärt und ihre Türen für sie öffnet.) https://twitter.com/Banc_Expropiat/status/914890459176226821

Heute Abend, um 21 Uhr, deutsche Zeit, gibt es in meiner Livesendung „Let’s talk with anarchists“ die Möglichkeit Fragen zur aktuellen Situation in Katalonien zu stellen.

Wir werden außerdem am 5.10. selbst nach Barcelona fahren, um vor Ort live darüber zu berichten, was dort passiert. Doch dafür brauchen wir eure Hilfe, denn die Kosten für unsere politische Arbeit, drohen uns aufzufressen. Jeder Euro kann helfen und wer gar nichts spenden kann, kann die Crowdfunding Kampagne weiter verbreiten in seinen eigenen Netzwerken, natürlich auch gern verbunden mit unserer bisherigen Arbeit. Falls es da konkrete Fragen zu gibt, sind wir jederzeit ansprechbar für weitere Auskünfte.

Wir, das sind mein Mann, der im Nachrichten-Kollektiv von Enough is Enough arbeitet, und ich, die auf Facebook, Twitter, WordPress und Periscope auf Deutsch darüber berichtet, was sich weltweit tut und warum. Wir versuchen unabhängige Medienarbeit zu machen und zu unterstützen. Doch genau deshalb sind wir auf Solidarität und Unterstützung angewiesen. Hier geht’s zur Crowdfunding-Kampagne und unser Paypal-Account lautet: enough14@gmx.net

Wir bedanken uns bei allen, die uns bis jetzt unterstützt haben. Ohne euch wäre unsere Arbeit, auch für Cars Of Hope, niemals möglich gewesen.

Solidarität und unabhängige Berichterstattung kennen keine Grenzen! Wir auch nicht!

Das Bild zeigt einen alten Trick des spanischen Widerstands gegen den Faschismus. Die Wahlurnen wurden versteckt und es wurde als Ablenkung Domino gespielt.

Der Text ist zur freien Verwendung, die Quelle, also mich, zu erwähnen und auf diesen Blog hier hinzuweisen, wäre nett. Bitte! Danke! 🙂

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Autor: ★ Victory ★ Viktoria ★

Politisch aktiv seit 2010, im Wandel schon seit immer... :-P Hier findet ihr einen bunten Mix aus politischen und "privaten" Texten. Die Themen sind breit gefächert, aber, wie ich finde, halbwegs gut sortiert. Daher stöbert einfach mal rum und sucht euch das aus, was euch gefällt. Für mich lassen sich mein Alltag und mein Privatleben nicht vom politischen Aktivismus trennen. Denn die kapitalistischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für jeden von uns. Der Kampf für ein besseres Leben muss in den Alltag integriert werden. Ich spreche Deutsch, Englisch und nun auch Spanisch. Dies eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten mich zu vernetzen und zu informieren. Aktuell interessiere ich mich vor allem für die EZLN in Mexiko und natürlich die spanischen Widerstandsbewegungen. Ich würde mich als dem Anarchismus nahestehende Person bezeichnen, glaube aber nicht an fertige Lösungen, sondern nur an Ansätze, die gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt werden müssen. Die antikapitalistische, fertige Lösung dem jetzigen System überzustreifen, würde bedeuten, dass sich eben nichts ändert, weil sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Ein Umdenken und der Wandel des Einzelnen sind das Einzige, was uns davor bewahrt ins Verderben zu schlittern. Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir so weitermachen, ist der Planet in ein paar hundert Jahren spätestens sowieso unbewohnbar. Schon mein ganzes Leben lang bin ich angeeckt, weil ich mich nicht fertigen Modellen unterwerfen wollte. In der Schule nicht, in der Uni nicht, im Berufsleben nicht und schon drei Mal nicht bei linken Gruppen und Strukturen. Doch genau die sind es, die vielfach auf eine übelst autoritäre Weise jeden neuen Gedanken im Keim ersticken. Denn schon längst sind auch linke Gruppen Teil des neoliberalen, kapitalistischen Systems. Dort werden neue Gruppen eben als Konkurrenz angesehen, erst Recht, wenn sie nicht die exakt selben Vorgehensweisen haben, wie man selbst. Für mich definiert sich links sein wie folgt: "Ich informiere mich möglichst umfassend zu einem Thema und versuche mir anschließend meine eigene Meinung dazu zu bilden. Doch wann immer sich mir die Möglichkeit bietet, noch mehr darüber zu lernen, werde ich das tun und parallel dazu immer wieder an meiner eigenen Meinung arbeiten. Das kann bedeuten, dass ich im Laufe der Zeit meinen Standpunkt zu Themen mehrfach ändere. Doch das ist nichts wankelmütiges, denn es beruht auf einer Weiterentwicklung. Die Welt befindet sich in einem immerwährenden Wandel und nur, wenn auch wir bereit sind uns zu wandeln, können wir erreichen, dass sich Dinge zum Besseren ändern. "Hab keine Angst einen offenen Geist zu besitzen. Dein Gehirn wird nicht wegfliegen." im Original: "No tengas miedo de tener mente abierta, tu cerebro no va a salir volando." Das Zitat wird der EZLN in Mexiko zugeschrieben.

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