Das Milgram-Experiment


Da stöbere ich nach Feierabend ein wenig durch die sozialen Netzwerke, um zu schauen, was „meine“ Gesellschaft macht und bekomme einen schockierenden Artikel in meine Timeline gespült. 

„Forscher bringen altes Folter-Experiment nach Europa – mit erschreckendem Ergebnis“ 

https://motherboard.vice.com/de/article/forscher-bringen-altes-folter-experiment-nach-europa-mit-erschreckendem-ergebnis?utm_source=vicefbde&utm_medium=link&utm_campaign=eg
Wer den Artikel aufmerksam gelesen hat, wird festgestellt haben, dass die Zahl der Teilnehmer zu niedrig ist, um daraus tatsächlich Statistiken ableiten zu können. Zumindest jedoch lässt sich eine gewisse Tendenz erkennen und die ist erschreckend genug. Weil es uns ganz deutlich zeigt, dass ein hoher Prozentsatz der Gesellschaft noch immer nicht in der Lage ist, selbstständig zu denken und zu handeln, entgegen einer Order von „oben“. Die Obrigkeitshörigkeit habe ich gerne den Deutschen zugeschrieben. Doch natürlich ist das kein nationales Problem, vielmehr ein kapitalistisches. Denn seit Jahrzehnten erziehen wir unsere Kinder mehr und mehr zu kleinen Robotern. 

Fehler machen, bitte nicht. 

Rumhibbeln, bitte nicht. Hier ein wenig Speed. (Ja, in Ritalin befindet sich derselbe Wirkstoff wie in Speed. –> http://drugscouts.de/de/drfruehling/wirkt-ritalin-wie-speed

Karriere machen, bitte. 

Studium zügig durchziehen, kostet ja sonst unnötig Geld. 

Im Kindergarten Förderkurse, gerne Chinesisch und Bewegungstanz. 

Im Restaurant bitte nicht mit den Erwachsenen reden, nimm dein Smartphone oder das Tablet und sei leise, bitte. 

Frag doch nicht dauernd!

Bevor ich mich reinsteigere… Es wundert nicht, dass eine hohe Zahl der Menschen  weiterhin bereit ist, Stromschläge an Unschuldige auszuteilen, denn erstens wurden sie genau dazu erzogen und zweitens tun sie doch indirekt nichts anderes seit Jahren. 

Im Kapitalismus gibt es einige wenige, die richtig absahnen, viele, die denken, sie würden profitieren und viele, viele, die den anderen beiden Gruppen dazu dienen ihren Stand halten zu können. Im Klartext, denen geht es richtig beschissen, während wir hier z.B. in Deutschland 40 – 50% aller Lebensmittel wegschmeißen, vom Produzenten bis zum Endverbraucher. 

Wir in Nordwesteuropa sitzen also jeden Tag an den Schaltern mit den Elektroschocks, nur dass diese für die sogenannte 3. Welt Hunger, Durst, Krieg, Verfolgung, Krankheit & Tod bedeuten. 

Der Clou an dieser abstrusen Story ist, dass die allermeisten derer, die täglich auf die Knöpfe drücken, sich damit selbst Stromschläge verpassen. Denn im Kapitalismus kann es immer nur wenige Gewinner und sehr viele Verlierer geben. 

Dabei wäre das alles gar nicht nötig, denn es gibt Alternativen. Ja, auch welche die wirklich funktionieren. Wer nach Rojava schaut, wird den Versuch sehen, eine Gesellschaft zu bauen, die frei von Diskriminierung und Unterdrückung ist und in der Politik von allen gemacht wird, damit auch alle vertreten sind. 

Klingt kompliziert? 

Niemand hat gesagt, dass es einfach wird. Aber wie schwer ist es denn im Kapitalismus, wenn die Krankenkasse die Brille nicht bezahlt und Schulkinder mit Hunger neben der Cafeteria der Schule stehen, während nach der letzten Stunde die Reste in die Mülltonnen gekippt werden? 

Noch ein Beispiel? 

Wer nach Mexiko in Richtung Chiapas zur EZLN schaut, wird eine Gesellschaft sehen, die auf Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und die Entwicklung von neuen Ideen setzt. 

Preguntando caminamos – Fragend schreiten wir voran. 

Un otro mundo es posible. – Eine andere Welt ist möglich. 

Hass auf Kartoffeln & Liebe für Staaten – Was ist eigentlich links sein?


Zur Klarstellung

Vorab möchte ich betonen, dass sich dieser Artikel zwar an Linksradikale richtet, er aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von vielen Menschen gelesen wird, die sich nur teilweise oder gar nicht dort verortet fühlen. Ich möchte, dass möglichst viele Menschen diesen Artikel lesen, verstehen und an der Diskussion darüber teilnehmen können. Daher habe ich bewusst weitestgehend auf linksradikalen Fachjargon verzichtet.

Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass es nie meine Absicht war oder ist, irgendjemanden zu beleidigen, zu diskriminieren oder herabzusetzen. Ich will eine Diskussion anstoßen über ein grundsätzliches Problem, welches in unserer Gesellschaft auftritt. Linke Gruppen sind Teil dieser Gesellschaft, ob sie das wollen oder nicht. Sie versuchen zwar oft sich dieser Gesellschaft zu entziehen, aber sie sind in ihr geprägt. Viele strukturelle Verhaltensweisen finden sich sowohl in der Gesellschaft, als auch in linken Gruppen. So gibt es auch bei uns nach wie vor Rassismus, Unterdrückung, Frauenfeindlichkeit, Ausgrenzung, Diskriminierung von Homosexuellen und mehr derartig menschenfeindliches Zeug.

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Wir haben versagt!


Wir haben versagt!

Die linke Szene in Deutschland ist so gut wie tot. In Zeiten, in denen sich nachts Nazi-Mobs vor Geflüchteten-Unterkünften zusammenrotten, schaffen wir es zwar mit wenigen hundert Menschen notdürftig das Schlimmste zu verhindern, aber wie lange wird das noch so sein, wenn die Stimmung im Land immer weiter nach rechts driftet? Wenn beim nächsten Mal statt 100 Nazis 1000 kommen? Wenn sie nicht nur Steine und Rauchbomben haben, sondern auch Messer, Gewehre, Pistolen?

Wir müssen reden und zwar dringend!

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Spanisch lernen – Selbstorganisiert und kostenlos! Juni 2015


Es ist mal wieder Zeit euch ein paar Dinge mitzuteilen. Wie wir schon festgestellt haben, ist es von Vorteil die Sprache des Landes in das man auswandert zu verstehen und sprechen zu können. Das war sowohl René als auch mir von Anfang an klar. Weniger klar war uns, wie wir das anstellen sollten. Ein Kurs an der Volkshochschule, der halbwegs bezahlbar gewesen wäre, kam für uns nicht in Frage, da wir beide im Schichtdienst arbeiten und ein regelmäßiger freier Tag nicht realisierbar ist. Als nächstes checkten wir eine Privatlehrerin, von einem Freund empfohlen. Obwohl sie supernett war und uns beim Preis sehr entgegenkam, war es viel zu teuer für uns, die komplette Sprache so zu lernen. Da wären wir in 10 Jahren noch nicht ausgewandert. Wir waren dann etwas ratlos und kauften uns ein Paket von Langenscheid, in das wir auch ein paar Mal reinschauten und sogar einige Übungen daraus machten. Außerdem installierten wir uns verschiedene Apps auf dem Smartphone, um Vokabeln zu lernen. Das klappte dann auch ziemlich gut, wenn wir es beide mit Disziplin durchzogen, was leider allzu oft nicht passierte. Doch während unseres letzten Aufenthaltes in Spanien, äußerte die Krawall-Kröte dann den entscheidenden Schlüsselsatz:

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#Antifa-Soli-Demo für die #Ukraine in #Wuppertal, 10.05.2014


Am 10. Mai 2014 gab es in Wuppertal eine Antifa-Soli-Demo für die Ukraine, organisiert von den Eisbrecher Wuppertal. Um auf die katastrophalen Umstände aufmerksam zu machen, unter denen linke, kommunistische und antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen zur Zeit in der Ukraine leben zu müssen, sollte es in Wuppertal eine Demonstration geben. Es war breit mobilisiert worden und bereits im Vorfeld gab es zahlreiche Rückmeldungen und großes Interesse für das Thema.

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1. Teil – #Hamburg vor der Demo #HH2112 #RoteFlora #LampedusaHH


Um wirklich einen umfassenden Bericht über meinen Aufenthalt in Hamburg und das was dort passiert ist abzugeben, habe ich mich dazu entschieden den Artikel in vier Teile zu untergliedern. Wer also nur Interesse an einem bestimmten Part meines Artikels hat, ist nicht gezwungen sich alles durchzulesen.

2. Teil „Die Demo“:

3. Teil „Die Autonomen“:

4. Teil „Militanz?“:

Anreise und Ankunft

Wir fuhren am Donnerstag Mittag aus Wuppertal nach Hamburg. Aus verschiedenen Gründen wollten wir schon ein paar Tage früher in Hamburg sein. Zum einen wollten wir möglichen Kontrollen entgehen, zum anderen wollten wir uns die Stadt und die Demo-Route genau anschauen.

Über eine Freundin bekamen wir einen Schlafplatz in einem sozialen Zentrum vermittelt, was auch die Demo unterstützte. Wir kamen abends an, nachdem wir erst noch eine Reifenpanne mitten auf der Autobahn hatten und wurden sehr herzlich empfangen. Unser Schlafplatz war ein Raum, der zu einer kleinen Turnhalle umfunktioniert worden war. Ein Tanzboden, eine Spiegelwand, Boxsäcke, Fitnessgeräte und Yoga-Matten erblickten wir, als wir die quietschende Tür öffneten. Es sollten noch mehr Leute hier untergebracht werden, aber die sollten alle erst am nächsten Tag eintreffen. Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten, gingen wir runter in den Aufenthaltsraum und wurden von allen sehr warm und herzlich empfangen. Als die Leute erfuhren, dass wir extra aus Wuppertal für die Demo angereist waren, wurde uns von vielen gedankt. Ob wir etwas essen wollten, wurden wir dann auch direkt gefragt, es gäbe ein veganes Drei-Gänge-Menü gegen Spende. Gott sei Dank hatten wir Hunger, denn das Essen konnte mit dem aus einem guten Restaurant locker mithalten. Weiterlesen

2. Teil – Die Demo #HH2112 #RoteFlora #LampedusaHH


Anreise zur Roten Flora

Am 21.12. waren wir alle morgens schon sehr früh wach. Wir hatten verabredet um 12:00 Uhr gemeinsam vom sozialen Zentrum zur Roten Flora zu fahren und hatten uns schon auf massive Polizeikontrollen an den Bahnhöfen eingestellt. Aber nichts dergleichen geschah. Außer einer Horde von Zivis, die uns auch in der Bahn penetrant begleiteten, kamen wir ungehindert bis direkt vor die Rote Flora.

Hier sieht man höchstwahrscheinlich einen Zivi-Bullen bei der Arbeit.
Hier sieht man höchstwahrscheinlich einen Zivi-Bullen bei der Arbeit.

Was vor der Demo geschah

Bereits um halb eins standen zwei Wasserwerfer der Polizei direkt auf der Demo-Route, nur einige Meter von der Flora entfernt. Sie waren frontal auf die sich langsam sammelnde Demo gerichtet. Ab da war uns klar, dass es keine Demo geben würde. Während ich durch die Seitenstraßen lief, auf der Suche nach einer Bäckerei, fiel mir auf, wie viele der Leute die sich auch hier sammelten, schwarz gekleidet waren. Fast die gesamte Demo war ein schwarzer Block. So etwas hat es in Deutschland wohl zuletzt beim G8-Protest in Heiligendamm gegeben. Hierbei ebenfalls auffällig: Es gab natürlich auch nicht schwarz-angezogene Demonstrant*Innen. Diese verhielten sich aber allesamt nicht so, als würden sie von den „Schwarzen“ irgendeine Art von Bedrohung empfinden, im Gegenteil. Die „Bunten“ und die „Schwarzen“ unterhielten sich, freuten sich gemeinsam auf eine kraftvolle Demonstration. Weiterlesen